
Stand: 27.05.2026 11:51 Uhr
Im Prozess gegen die mutmaßliche frühere RAF-Terroristin Daniela Klette ist heute am Landgericht Verden das Urteil gefallen. Klette wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt. Ihre Anhänger protestierten lautstark.
Verurteilt wurde Klette unter anderem wegen besonders schwerem Raub in sechs Fällen sowie wegen versuchtem schweren Raub, Verstößen gegen Waffengesetze und erpresserischem Menschenraub. Die mutmaßliche Zugehörigkeit zur RAF habe in diesem Verfahren keine Rolle gespielt, betonte der Richter mehrfach.
Richter: Enge Verbindung zu Staub und Garweg
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 67-Jährige mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 an teils schwer bewaffneten Übefällen auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen beteiligt war. Dabei erbeutete das Trio nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 2,7 Millionen Euro. Der Richter sprach von einer engen Verbindung zwischen Klette, Staub und Garweg. Sie hätten die Taten gemeinschaftlich als Trio begangen. Bei Klette sei DNA der beiden Männer gefunden worden, zum Beispiel auf einer elektrischen Zahnbürste. Garweg und Staub sind weiterhin auf der Flucht.
Wachmann mit Panzerfaustattrappe bedroht
Die höchste Einzelstrafe bekommt Klette laut Gericht für den Überfall auf einen Geldtransporter in Cremlingen. Dort habe sie einen Wachmann mit einer Panzerfaustattrappe bedroht. Ihre Komplizen schossen demnach auf den Geldtransporter, um in das Fahrzeug und an das Geld zu kommen. Einer der Wachmänner sei anschließend gefesselt worden. Beide Wachmänner wurden dem Richter zufolge bei dem Überfall traumatisiert. Einer von ihnen musste psychologisch stationär behandelt werden und ist den Angaben zufolge arbeitsunfähig.
Tumult im Gerichtssaal – Klette bleibt gefasst
Nach der Urteilsverkündung gab es laut einer NDR Reporterin Tumult im Gerichtssaal. Anhängerinnen und Anhänger von Klette beklagten das Urteil lautstark, riefen unter anderem „Freiheit für Daniela“. Mehrere Unterstützer mussten den Saal verlassen. Klette selbst nahm das Urteil der NDR Reporterin zufolge gefasst auf.
„Solidarität mit Daniela“ – Anhänger demonstrieren

Anhänger von Daniela Klette demonstrieren vor dem Gerichtssaal.
Vor dem provisorischen Gerichtssaal in einer Reithalle in Verden-Eitze hatten sich Anhänger bereits am Morgen versammelt. Mit Plakaten drückten sie „Solidarität mit Daniela“ aus. Die Initiatoren der Demo hatten vorab mit rund 30 Teilnehmenden gerechnet.
Verteidigung forderte Freispruch
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Haftstrafe von 15 Jahren und eine Verurteilung wegen schweren Mordes gefordert. Das Gericht hatte aber schon während des Prozesses durchblicken lassen, dass es in dieser Sache anderer Meinung ist. Die Nebenklage hatte elf Jahre Haft wegen versuchten schweren Raubes für eine Tat in Stuhr (Landkreis Diepholz) gefordert. Die Verteidigung hatte hingegen auf Freispruch plädiert – Klette solle ausschließlich für den illegalen Waffenbesitz bestraft werden. Es gebe keine Beweise dafür, dass sie bei den Raubüberfällen dabei war.
Mehr als 30 Jahre untergetaucht
Daniela Klette war Anfang 2024 in Berlin gefasst worden. In ihrer Wohnung fanden die Ermittler Bargeld, Gold und Waffen. Sie soll mehr als 30 Jahre im Untergrund gelebt haben. Seit März 2025 hatte Klette vor dem Landgericht Verden gestanden. „Es war ein sehr umfangreiches Verfahren, wir haben über 100 Zeugen gehört und mittlerweile deutlich über 60 Verhandlungstage“, sagte der Gerichtssprecher. In dem Prozess vor dem Landgericht Verden ging es nicht um Klettes mögliche Mitgliedschaft in der RAF und damit verbundene Anschläge. Dazu hat die Bundesanwaltschaft erst kürzlich Anklage erhoben. Das Oberlandesgericht Frankfurt muss nun entscheiden, ob diese zugelassen wird.

Im Prozess gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin sorgen ungewöhnliche Details für Aufsehen. Heute wird das Urteil erwartet.

Für die Beteiligung an Überfällen sahen die Verteidiger in Verden keine Beweise. Für den Verstoß gegen das Waffengesetz schon.

In dem Verfahren geht es um Raubüberfälle, Waffen und viel Geld. Das Urteil soll Ende Mai fallen.

Die Anklage hat ihr Plädoyer am Mittwoch fortgesetzt und beendet. Daniela Klette steht wegen mehrerer Raubüberfälle vor Gericht.

Mutmaßliches RAF-Mitglied
Vor dem Landgericht in Verden läuft bereits ein Prozess gegen die mutmaßliche Ex-RAF-Terroristin Klette. Nun hat die Bundesanwaltschaft nach Informationen von NDR, WDR und SZ Anklage erhoben – zu Taten, die der RAF zugerechnet werden.