EIne Frau sitzt bei sonnigem Winterwetter auf einer Bank am Zwischenahner Meer.

Stand: 27.05.2026 17:00 Uhr

Pedelecs, auch bekannt als E-Bikes, erleben in den letzten Jahren einen Boom – auch bei Senioren. Doch gerade für ältere Menschen gibt es Tücken, weiß Julia Mispelhorn von der Polizei Braunschweig.

In mehr als jedem fünften Haushalt steht mittlerweile ein Pedelec, so das Statistische Bundesamt. Die Fahrräder bieten eine elektrische Unterstützung beim Treten, man kann sie ohne Führerschein fahren. Aber: Die Unfälle mit Pedelecs haben zugenommen. Insbesondere fällt bei den Unfallmeldungen der Polizei auf, dass viele Senioren mit Pedelecs verunglücken. Julia Mispelhorn von der Polizei Braunschweig gibt Schulungen speziell für Senioren.

Frau Mispelhorn, was sind die Hauptunfallgründe, wenn Senioren auf Pedelecs verunglücken?

Julia Mispelhorn: Die Hauptprobleme sind das Auf- und Absteigen. Weil oft ein falsches Fahrrad gewählt wird mit nicht ausreichend tiefem Einstieg. Menschen mit Hüft- oder Knieproblemen haben im Alter oft einfach Schwierigkeiten dabei, überhaupt auf das Fahrrad zu kommen, aufzusteigen oder auch wieder abzusteigen, weil sie dann hängen bleiben. Oder auch schon beim Anfahren oder Anhalten, da oft die Geschwindigkeit so hoch ist, dass dann schon Probleme entstehen können.

Schriftzug "UNFALL" ist an einer Rückscheibe eines Streifenwagens der Polizei eingeblendet.

Rund sieben Prozent mehr Tote als im Vorjahr zählt die Verkehrsunfallstatistik. Besonders zwei Altersgruppen sind betroffen.

Schätzen Senioren das Tempo auf den Pedelecs falsch ein oder sind andere Verkehrsteilnehmer nicht so sehr in der Lage, sich auf schnellere Pedelec-Fahrer einzustellen?

Mispelhorn: Für den Autofahrer ist es aus der Distanz unwahrscheinlich schwer zu erkennen: Ist das jetzt ein Pedelec-Fahrer oder ist das ein herkömmlicher Radfahrer? Und der herkömmliche Radfahrer kommt natürlich mit einer anderen Geschwindigkeit an diese Einmündung, an diese Grundstücksausfahrt oder an eine Kreuzung heran. Und das ist dann eben für andere Verkehrsteilnehmer ganz schwierig einzuschätzen.

Haben Sie einen einfachen Ratschlag für Senioren beim Fahren auf einem Pedelec?

Mispelhorn: Also ganz grundsätzlich sagen wir, dass es ganz wichtig ist, einen Fahrradhelm zu tragen, eben wegen der höheren Geschwindigkeiten. Man sollte auf jeden Fall auf helle Kleidung, gut sichtbare Kleidung oder eine Warnweste zurückgreifen. Sie sollten auf jeden Fall erstmal ohne zugeschalteten Motor das Fahrrad ausprobieren, um das Fahrverhalten des Fahrrades erst einmal wirklich auch auszutesten. Und wenn ich Probleme habe mit dem Schulterblick, sollte ich auf jeden Fall noch an einen Rückspiegel denken.

Der Schatten eines Radfahrers und einer Passantin auf Straßenpflaster

Das fordern Fachleute zum Abschluss der Veranstaltung in Goslar. Sie empfehlen zudem härtere Strafen für die Handy-Nutzung am Steuer.

Sind Senioren lernwillig bei dem Thema – müssen Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Mispelhorn: Wir haben mehrmals Termine pro Jahr und dann können Senioren sich bei uns anmelden oder bei der Verkehrswacht in Braunschweig. Dann sind die oft sehr dankbar für unsere Tipps und Hinweise. Und sind nach den durchgeführten Kursen immer sehr froh und geben uns eine positive Rückmeldung, dass sie sich dann im Anschluss einfach auch sicherer im Umgang mit dem Pedelec fühlen.

Das Interview führte Uwe Day.

Hinweis der Redaktion: Das Interview wurde zur besseren Lesbarkeit leicht editiert.

Eine Seniorin hat mit ihrem E-Bike gebremst und steht auf einem Fahrsicherheitstrainingsgelände zwischen Pylonen.

Mit dem Angebot soll die Sicherheit für ältere Menschen im Umgang mit ihren Elektrofahrrädern erhöht werden.