Sieben junge Musiker – vier Holzbläser, zwei Blechbläser und ein Geiger sind in der Spielzeit 2025/26 Stipendiaten der Akademie des Sinfonieorchesters Wuppertal (SOW). Für die Konstellation ist es schwierig, gemeinsame Literatur zu finden, deshalb spielten die Musiker im Kronleuchterfoyer des Opernhauses in wechselnden Besetzungen. Sie begannen mit der „Serenade in G-Dur für Holzbläserquintett“ des österreichischen Komponisten Karl Pilß.
Das anspruchsvolle, melodienreiche Werk spielten Flöte, Oboe, Horn, Fagott und Klarinette virtuos, mit lebendiger Zwiesprache der Instrumente. Die angeregten „Gespräche“ endeten in tiefer Ruhe und Harmonie. „Für uns ist das Konzert eines der vielen Highlights dieser Spielzeit“, erklärte der Klarinettist Konstantin Starke, der als Moderator durch das Programm führte. Zwischen den einzelnen Werken stellte er in kurzen Gesprächen seine Kollegen vor. Der Flötist Lance Weisen kommt aus Luxemburg. Für ihn war es neu, Opern zu spielen. „Ich mag es, im Graben zu sitzen“, sagte er lachend. Für Richard Winkler war sein Fagott-Solo in der „Scheherazade“ ein besonders großes Erlebnis. „Als Wagnerianer fand ich es toll, drei Ring-Opern mitzuspielen“, sagte Konstantin Starke.
Temporeich erklangen die „Cinq Pièces en Trio“ für Oboe, Klarinette und Fagott von Jaques Ibert und zeigten eine große Bandbreite der Instrumente. Dann ließen Horn und Trompete eine klangvolle Melodie von der Empore transparent durch den Raum schweben. Der Hornist Paulinus Stegner hat ein Lehramtsstudium in Mathematik und Musik abgeschlossen, sich aber für eine Musikerlaufbahn entschieden. Von ihm erklang später das heitere, rhythmisch akzentuierte „Carcavelos“, das er eigens für die sechs Bläser komponiert hat.
Vier Holzbläser, ein Geiger
und zwei Blechbläser
Der Trompeter Matvei Ochinnikov kam 2021 zum Studium nach Hannover. Ab der nächsten Spielzeit hat er eine Orchesterstelle in Oslo. Er begeisterte die Besucher mit einem exzellenten Trompeten-Solo. Mit makelloser Intonation spielte er flüsternde Passagen mit Dämpfer und klangstarke Gefühlsausbrüche im Fortissimo. Tiefgreifende Klänge zeigten viele Facetten der Trompete.
Die Akademisten beschrieben das Jahr im SOW als „großes Glück“, „Chance“ und „Gewinn“. Der Oboist Leonardo Ninahualpa hat in seiner Heimat Kolumbien schon in Orchestern gespielt. „In Deutschland hat jedes Orchester seine eigene Persönlichkeit“, erklärte er.
Woojin Lee, der an der Hochschule für Musik in Wuppertal bei Annette von Hehn studiert, ist der einzige Streicher in der Akademie. Der junge Koreaner präsentierte mit dem „Grave“ aus einer Sonate von J.B. Bach ein zauberhaftes Violinsolo. Technisch perfekt, tiefgründig und voller Emotionen. Weil ein Akademist eine Orchesterstelle antrat, konnte Lee für drei Monate die Stelle übernehmen.
„Wir sind sehr glücklich über die Erfolge unserer Akademisten“, sagte Ulrike Siebler vom Akademie-Vorstand. Auf Initiative der Konzertgesellschaft Wuppertal und mit deren Unterstützung hatte das SOW im Mai 2019 die Orchesterakademie gegründet. Junge Musiker und Musikerinnen haben hier die Chance, in einer Spielzeit das Berufsleben kennenzulernen. Sie spielen in maximal 15 Produktionen pro Monat und sammeln Erfahrungen in verschiedenen Formaten.
Das Ausbildungsniveau an Musikhochschulen ist hoch, der Berufseinstieg für junge Instrumental-Musiker dennoch extrem schwierig, denn Stellen in Orchestern sind rar und sehr umkämpft. In der Akademie werden die ausgewählten Talente von Mentoren aus dem SOW beraten und gecoacht. Lampenfieber und Probespiele sind Themen, das Solospiel und die eigene Gesundheit. Chancen auf eine Anstellung in einem Orchester werden so um ein Vielfaches erhöht. Die Akademiestellen werden in jedem Jahr über Vorspiele vor dem Orchester vergeben.
Vor Abschluss des Konzerts gab es von den dankbaren Akademisten Pfingstrosen und etwas Süßes für Mentoren und Akademie-Vorstand. Dann erklang ein temperamentvolles Werk von Julio Medaglia, bei dem die Klarinette in rasantem Tempo den Ton angab, vier Bläser aufgeregt folgten und Konstantin Starke mit einem Solo brillierte.