Ima-Baustelle am Lagerplatz im Dresdner Norden. Foto: Heiko Weckbrodt Ima-Baustelle am Lagerplatz im Dresdner Norden. Foto: Heiko Weckbrodt

Ingenieure wollen dort Metalle, Kunststoffe und Komposit-Materialien für Industriekunden „auf Herz und Nieren“ untersuchen

Dresden, 27.05.26. Die Materialprüfer der „Applus Ima“ bauen ihre Kapazitäten in Dresden aus: Das einstige „Institut für Materialforschung und Anwendungstechnik“ (Ima) errichtet neben der Handwerkskammer im Industriegelände Nord eine neue Halle mit zusätzlichen Prüfkapazitäten. Das hat das spanische Ima-Mutterunternehmen „Applus+“ auf Oiger-Anfrage mitgeteilt.

Halle soll im Herbst fertig sein

Der Materiallabor-Dienstleister will dort neue Prüftechnik für metallische Werkstoffe, Kunststoffe und Kompositmaterialien installieren. Der Anbau soll im Herbst 2026 fertig sein. Für Ende August plant das Unternehmen eine Einweihungsfeier mit Promis aus Politik und Wirtschaft.

Nach dem gescheiterten Düsenflieger 152 verlegte sich DDR-Chefkonstrukteur Baade auf den Leichtbau

Die Wurzeln der Ima gehen bis auf den DDR-Flugzeugbau der 1950er Jahre zurück. Nachdem das Zivildüsenflugzeug-Projekt „152“ gescheitert war, entstand auf Initiative des früheren „152“-Chefkonstrukteurs Brunolf Baade am 1. Juli 1961 das „Institut für Leichtbau und ökonomische Verwendung von Werkstoffen“ (IfL) in Dresden. Bis zu 700 Spezialisten entwickelten dort Leichtbaukonstruktionen für die DDR-Industrie, testeten neue Materialien und schufen dabei viele Standards des DDR-Normenregelwerkes „TGL“. Später benannten die sozialistischen Wirtschaftslenker das IfL in „Zentralinstitut für ökonomischen Metalleinsatz“ um.

Prüfunternehmen nach der Wende aus Institut ausgegründet

Nach der Wende gründeten 1993 die vier leitenden Angestellten Christian Wegerdt, Wilhelm Hanel, Henrik Höninger und Helmut Rösner daraus die „Ima – Institut für Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH“ mit 96 Mitarbeitern. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Material- und Struktur-Prüfaufträge für Betriebe aus dem Eisenbahnsenktor, der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie, Windenergie, Bauwirtschaft, medizinische Gerätehersteller und Automobilindustrie in ganz Europa sowie China. Insgesamt verfügt die Ima bereits über Labore mit insgesamt über 10.000 Quadratmetern Prüffläche.

Seit 2021 in spanischer Hand

2021 übernahm die spanische „Applus+“-Gruppe das Dresdner Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Ima rund 200 Beschäftigte und kam auf rund 25 Millionen Euro Jahresumsatz. „Wir stehen einer Revolution aller Verkehrssysteme gegenüber, die aufgrund der globalen Umweltbedenken effizienter werden müssen“, betonte damals Vizepräsident Jordi Brufau von den „Applus+ Laboratories“. Die Ima ergänze mit ihrer Expertise, ihrer Prüftechnik und ihrem Kundenstamm das Portefeuille der Spanier sehr gut.

Wieviel die Ima und deren Mutter in den Neubau im Dresdner Norden investieren, wollte das Unternehmen auch auf Anfrage nicht mitteilen. Es dürfte sich aber – inklusive Testtechnik – vermutlich um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Ima forscht auch an Prüftechnik für menschliche Ersatz-Gelenke

Die technologischen Ansprüche an die Prüftechnik dürften auf jeden Fall ambitioniert sein. Zu den jüngeren Forschungsprojekten der Ima gehört beispielsweise ein biomechanischer Prüfstand für künstliche Gelenke, wie sie menschliche Patienten brauchen – und perspektivisch auch für die Entwicklung humanoider Roboter interessant werden könnten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ima, Vor-Ort-Besuch, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt