Der Wittwer-Bau ist verschachtelt und schon alt, ein Neubau biete Chancen – dies sagte die Stuttgarter Grünen-Rätin Stephanie Moch in einem Video auf Instagram, in dem sie für den Abrisses des von Kammerer+Belz Architekten geplanten Gebäudes am Schlossplatz warb. Kritik daran kam nicht nur vom Bund deutscher Architektinnen und Architekten sowie Lesern unserer Zeitung (wir berichteten). Auch Architects for Future, die sich für Umbau im Bestand einsetzen, reagieren darauf.

Sie stellen Gegenfragen: „Bevor wir, wie im Instagram-Reel von Stephanie Moch erklärt, den Abriss für gesetzt halten, sollten wir uns fragen: Wurde das Potenzial des bestehenden Gebäudes wirklich ausreichend untersucht, oder wurde dieser Schritt einfach übersprungen?“

Argumente für den Erhalt des Wittwer-Baus in Stuttgart

Die Stuttgarter Ortsgruppe von Architects for Future geht sowohl auf den klimaschädigenden, mit hohem CO2-Verbrauch einhergehenden Abriss des Betonbaus ein als auch auf die Stadt als Erinnerungsraum: „Ein Umbau hätte einen großen Vorteil: Es könnten erhebliche Ressourcen eingespart werden, und der Ort würde nicht vollständig seiner Geschichte und Erinnerung beraubt.“

Bietet Sitzplätze – die Treppe zwischen Kunstmuseum und Wittwer-Bau in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Zu der Aussage der Rätin, bei einem Neubau ließe sich die Treppe verbreitern, sagt die Stuttgarter Architekten-Ortsgruppe: „Dass die Idee der Treppe als erstes fällt, verwundert und wirft die Frage auf, ob hier nur das Narrativ bedient wurde, dass das ,neue‘ Gebäude automatisch schöner und besser nutzbar sei.“ Dieses Narrativ stimme nicht, „denn Abriss und Neubau sind keine Garantie für einen zukunftsfähigen und schöneren Ort“.

Zukunftsweisend sei stattdessen heute „eine Kultur des Weiterbauens: Recycling, kreative Umbauten und neue Nutzungen bestehender Gebäude. Wurden dazu bereits genügend Überlegungen angestellt?“

Grünen-Fraktion in Stuttgart fordert „größtmöglichen Teilerhalt“

Offenbar nicht. Zwar hält die Grünen-Fraktion daran fest, der von der Eigentümerin Dinkelacker AG geplante Abriss sei nachvollziehbar. Dennoch bringt die Fraktion nun einen Antrag ein, der sich wie eine Teilrücknahme liest.

Man habe im Zuge der Diskussion um einen auszuschreibenden Neubau-Wettbewerb die „Chance, auch hier noch mal zu eruieren, ob ein größtmöglicher Teilerhalt im Zuge einer Sanierung eine Option sein kann, die auch unter Nutzungs- und wirtschaftlichen Aspekten für die Eigentümer möglich ist.“

Die Rede ist von Sanierung, auf die stärker geachtet werden solle im Zuge von Wettbewerben: „Generell macht es Sinn, eine Sanierung und Teilerhaltsvariante in Wettbewerben bei städtebaulich relevanten Gebäuden in den Fokus zu nehmen“, heißt es in dem Antrag.

„Äußeres Erscheinungsbild“ des Wittwer-Hauses in Stuttgart erhalten

Konkret gefordert wird als Vorgabe für den anstehenden Wettbewerb „ein größtmöglicher Teilerhalt des Wittwer-Baus, insbesondere des äußeren Erscheinungsbilds, als zu prüfende Möglichkeit“. Das wiederum scheint schwer machbar, da bei Teilabrissen gerade die Fassade zuerst rückgebaut wird. „Falls doch abgerissen wird“, so heißt es weiter, sollen möglichst „viele der Bestandsbaumaterialien wiederverwendet“ werden.