Hitchcock in der Altmark: „Die 39 Stufen“ im Kloster Arendsee
In Stendal wird ein Thriller gekonnt in eine Komödie verwandelt. Auf der Klosterbühne Arendsee spielt das vierköpfige Ensemble aus Stendal Hitchcocks Film „Die 39 Stufen“ nach: In Richard Hannys Wohnung wurde eine Frau ermordet. Für die Polizei ist er natürlich verdächtig. Also flieht er nach Schottland, wo er hofft, dem Hinweis mit den 39 Stufen auf den Grund gehen zu können. Die Inszenierung von Urs Schleiff folgt zunächst der Handlung des Films: „Urs Schleiff gelingt eine dynamische, punktgenaue Erzählweise, die den Zuschauer von Anfang bis Ende wunderbar zu unterhalten vermag“, lobt Kritikerin Anna Lisa Oehlmann in der „Volksstimme“.
Dabei lässt er seine Spielerinnen und Spieler immer wieder aus der Rolle fallen und das Geschehen kommentieren. Der Abend lebt so vor allem von der Energie des Ensembles, das immer wieder in andere Rollen schlüpfen und Gegenstände auf der Bühne verwandeln lassen kann, wie beispielsweise einen Kleiderbügel in den Steuerknüppel eines Flugzeugs. „Ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend, der das Publikum in vielen Momenten zum Lachen bringt“, so Oehlmann.
Weitere Informationen
„Die 39 Stufen“ nach John Buchan und Alfred Hitchcock
Adresse:
Klosterbühne
Am See 3
39619 Arendsee
Termine:
27. Juni, 20 Uhr
30. Juni, 20 Uhr
Performance in Eisleben: Theaterspaziergang „Polizeiruf Eisleben“
Im besten Falle soll eine Stadtführung eine Einladung sein, einen Ort besser oder neu kennenzulernen. Doch so wie in Eisleben hat sich das der junge Stadtführer Timo nicht gedacht: Gleich zu Beginn der Tour taucht der Geist Martin Luthers auf und stößt einen Menschen vom Rathaus. Zufällig ist eine Kommissarin und ihr Assistent bei der Führung dabei, die sofort anfängt, an der Aufklärung des mysteriösen Mordes zu arbeiten. Und weil die Teilnehmenden der Stadtführung den Fall bezeugt haben, sollen sie einfach mitkommen.
So wird die Stadt Eisleben selbst zur Bühne und das Publikum ist nicht an die üblichen Sitze gefesselt, sondern wandert von Schauplatz zu Schauplatz mit auf der Jagd nach dem Luthergeist. Regisseur Kai O. Schubert beweist an vielen Stellen vor allem ein gutes Gespür für Humor. “ Das kurzweilige Stück bietet beste Unterhaltung“, urteilt Kritiker Jörg Müller in der „MItteldeutschen Zeitung“. Dabei hebt er auch die bemerkenswerte organisatorische Leistung des Teams hervor, das zahlreiche Orte der Stadt zur Kulisse gemacht hat. Das Theater schreibt sich auf diese Weise weiter in die Stadt ein und bietet sicherlich viel Gesprächsstoff.
Weitere Informationen
„Polizeiruf Eisleben“ von Kai O. Schubert und dem Ensemble
Startpunkt:
Theaterkasse
Bucherstraße 14
06295 Lutherstadt Eisleben
Termine:
14. Juni, 18:00 Uhr
21. Juni, 18:00 und 20:30 Uhr
23. Juni, 18:00 und 20:30 Uhr
24. Juni, 18:00 und 20:30 Uhr
25. Juni, 18:00 und 20:30 Uhr
Tanztheater in Halle: „Alice im Wunderland“ im Opernhaus
Folge dem weißen Kaninchen – dieses Motiv aus „Alice im Wunderland“ kennt wohl jeder. Auch in Halle lockt diese ungewöhnliche Gestalt das junge Mädchen Alice in eine Welt, in der alles anders zu sein scheint, als sie es von zu Hause kennt. Das Tanzstück von Michal Sedláček folgt dabei der Buchvorlage von Lewis Carroll weitestgehend und setzt vor allem auf eindrückliche Bilder. Die Bühne von Matthias Hönig und die Kostüme von Cordula Erlenkötter sind wie Fantasien über die klassischen Illustrationen des Kinderbuches und überzeugen mit schönen Einfällen. Zu den Werken von Arvo Pärt und Antonín Dvořák springen die Tänzerinnen und Tänzer mit gestreckten Beinen und in klassischer Ballettmanier über die Bühne. – Ein Tanzstück für die ganze Familie.
Weitere Informationen
„Alice im Wunderland“
Märchenballett von Michal Sedláček nach Lewis Carroll
Adresse:
Opernhaus
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Dauer: 135 Minuten, eine Pause
Termine:
18. Juni, 11 Uhr
19. Juni, 18 Uhr (Restkarten)
24. Juni, 11 Uhr
25. Juni, 11 Uhr
Schauspiel im Harz: „Ich bin dann Er“ nach Angela Steidele
1721 sorgte sie ordentlich für Furore in Halberstadt und war eine der Inspirationen für den neuen Erfolgsfilm „Rose“ mit Sandra Hüller: Catharina Linck wuchs in einem Waisenhaus in Halle auf. Später entschloss sie sich, als Mann zu leben. Sie gab sich den Namen Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, ging zur Armee und heiratete eine Frau. Leider konnte ihre Schwiegermutter das nicht ertragen und so wurde Linck angeklagt und hingerichtet. Aus heutiger Sicht eine Ungerechtigkeit, die inzwischen zumindest durch die Erinnerung wiedergutgemacht wird. Beispielsweise durch das Theaterstück „Ich bin dann Er“ von Marcus Everding nach den Büchern von Angela Steidele.
Gespielt wird in der Halberstädter Martinikirche, was schon allein für eine besondere Stimmung sorgt. „Der Abend funktioniert auf gleich mehreren Ebenen, getragen vom kleinen, aber spielstarken Ensemble des Harztheaters und einem Bürgerchor, der sich zum Ende hin antikisch steigert und zum eigentlichen Richter des Geschehens wird“, schreibt Kritiker Gunnar Decker bei „Die deutsche Bühne„. Er ist auch überzeugt vom Ansatz der Regisseurin Rosmarie Vogtenhuber-Freitag: Linck wird von zwei Schauspielerinnen verkörpert, die die verschiedenen Seiten der historischen Figur betonen. Auf diese Weise wird auch deutlich, warum die Geschichte immer noch wichtig ist: Sie zeigt, dass es Queerness schon ziemlich lange gibt und Identität auch immer ein Spielen ist.
Weitere Informationen
„Ich bin dann Er“ nach Angela Steidele
Adresse:
Martinikirche
Fischmarkt
38820 Halberstadt
Termine:
11. Juni, 19:30 Uhr
13. Juni, 19:30 Uhr
14. Juni, 15:00 Uhr
19. Juni, 19:30 Uhr
Figurentheater in Magdeburg: „Turn the P/Age“ beim Festival „Blickwechsel“
In ihren Arbeiten versucht die Theatermacherin Eva Meyer-Keller vor allem, kaum sichtbare Phänomene mit spannenden Mitteln zu visualisieren. Ihr jüngstes Thema ist die Menopause, gemeinhin auch als Wechseljahre bekannt. Für viele Frauen ist diese Zeit eine einschneidende Erfahrung – vielleicht genauso einschneidend wie die Pubertät, vielleicht auch schlimmer. Denn während alle Menschen die Pubertät überstehen, müssen nur biologisch weibliche Körper diesen zweiten Veränderungsprozess durchleben, der nicht selten auch mit einer Herabwürdigung einhergeht. Der Titel „Turn the P/Age“ verspricht, ein neues Kapitel („Page“) im Umgang mit diesem Prozess aufzuschlagen und einen neuen Blick auf das Altern („Age“) zu werfen.
Wie schon zuvor bewegt sich Keller zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und künstlerischer Ästhetik. Im Bühnenraum stehen mehrere Podeste, auf denen unterschiedliche Versuchsanordnungen aufgebaut sind. Die Kostüme der Performerinnen erinnern an den Krankenhausalltag mit modischem Twist. Mit Früchten und anderen Objekten stellen sie verschiedene Körperteile beziehungsweise Organe wie die Gebärmutter nach, und wie sie sich verändern. Die Bilder, die so entstehen und mit Live-Kamera-Technik eingefangen werden, erinnern laut der Kritikerin Theresa Schütz an barocke Opulenz. „Ein kluger, zugänglicher, sinnlich-lustvoller und zutiefst bereichernder Abend ist daraus entstanden, bei dem sich still das Frausein genießen lässt“, lautet ihr Fazit bei „nachtkritik„.
Die Performance „Turn the P/Age“ ist in Magdeburg im Rahmen des Festivals „Blickwechsel“ zu sehen, das internationale Produktionen an die Elbe einlädt. Auf dem Programm für 2026 steht noch mehr: Ein Akrobat begegnet einem großen Panda und berichtet so aus seinem Leben. Das Chemnitzer Figurentheater bringt sein Stück über Frauen und Mietgaragen mit, das für das Kulturhauptstadtjahr entstanden ist. Mit Puppen und Masken wird von vier einsamen Schicksalen in einem Mietshaus erzählt. Außerdem gibt es mehrere Miniaturen und Kurzstücke.
Weitere Informationen
„Turn the P/Age“
Adresse:
Kammer 2
Otto-von-Guericke-Straße 64
39104 Magdeburg
Dauer: 80 Minuten, keine Pause
Termine:
5. Juni, 19 Uhr
Das Festival „Blickwechsel“ findet vom 29. Mai bis 5. Juni am Puppentheater Magdeburg statt.
Musiktheater in Halle: „Madame Butterfly“
Diese Oper ist zu einer Falle geworden: Immerhin erzählen hier Männer von einer Frau in einem Land, das sie selbst kaum kennen. „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini spielt in Japan und erzählt von einer Frau aus Nagasaki, die mit einem amerikanischen Offizier liiert ist. Es ist eine Beziehung mit Ablaufdatum, und Pinkerton lässt seine Geisha und ihr gemeinsames Kind ohne große Bedenken zurück. Doch Cio-Cio-San, genannt Butterfly, hält gegen alle Widerstände an der Beziehung fest – nur um später von der Gefühllosigkeit und Überheblichkeit ihres einstigen Mannes überrollt zu werden.
Die Geschichte lädt regelrecht dazu ein, sich in zu vielen Klischees über dieses ferne, exotische und oft auch idealisierte Japan zu verlieren. Die Produktion an der Oper Halle hat dafür einen guten eigenen Umgang gefunden: Regisseur Patrice Seibert erzählt die Geschichte der Erfolgsoper geradlinig, verlässt sich auf die große Tragödie Cio-Cio-Sans, die Puccini mit so berührenden Melodien erzählt. Aber er hat sich Unterstützung von kulturellen Beraterinnen und Beratern geholt und allein dieses Wissen lässt die Kimonos auf der Bühne viel edler wirken.
Auch musikalisch weiß das Ensemble zu überzeugen, wie der Kritiker Roberto Becker bei „Concerti“ berichtet. Aber vor allem ist er vom Schlussbild begeistert, in dem die persönliche Tragödie von Cio-Cio-San mit der großen Tragödie von Nagasaki (der zweiten Atombombe, die jemals in einem Krieg gefallen ist) zusammenkommt. So wird die Geschichte aus Japan auch zu einem Symbol für etwas Größeres.
Weitere Informationen
„Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini
Adresse:
Opernhaus
Universitätsring 24
06108 Halle (Saale)
Dauer: 175 Minuten, eine Pause
Termine:
21. Juni, 18 Uhr
Figurentheater in Magdeburg: „Dinopera“ beim Festival „Blickwechsel“
Es ist kaum vorstellbar: Riesige Echsen bevölkern die Erde, schwimmen durch den riesigen Ozean, fliegen durch die Luft, wandern über den Urkontinent mit seinen Urwäldern und Steppen. Um von diesen Ungetümen zu erzählen, braucht es wohl riesige Roboter oder die Magie Hollywoods. Falsch: Die deutsch-tschechische Khwoshch Group bringt ihrem Publikum Geschichten von den Dickhäutern mit viel Musik und kleinen Puppen aus vermeintlichem Müll nahe.
In Form eines Schattentheaters wird von den ersten mehrzelligen Lebewesen erzählt, bevor die Dinos auftreten, die aus alten Lederhandschuhen, Haarspangen oder BH-Körbchen bestehen. Zu extra komponierter Musik, die sich sowohl an klassischer Oper, zeitgenössischer Musik und Pop-Rock-Hits orientiert, wird etwas berichtet, wie ein T-Rex verzweifelt nach Nähe zu seinen kurzarmigen Artgenossen sucht. Bei allem Humor und Effekt ist die „Dinopera“ ein Memento mori, eine Erinnerung an uns Menschen, dass alles sterblich und vergänglich ist. Die Kritikerin Eliška Raiterová empfiehlt in „Theater der Zeit“ einen Besuch „wärmstens“. Das Stück wird im Rahmen des Festival „Blickwechsel“ in Magdeburg gezeigt.
Die „Dinopera“ ist in Magdeburg im Rahmen des Festivals „Blickwechsel“ zu sehen, das internationale Produktionen an die Elbe einlädt. Auf dem Programm für 2026 steht noch mehr: Die Schweizer Old Masters hören gemeinsam Musik. Sara Angius zeigt ein bemerkenswertes Duo einer Tänzerin mit einer Fadenpuppe. Ein Stück verbindet die Puppensammlung der Villa P. mit dem kolonialistischen Wissenschaftserbe und ein anderes wandert durch die Magdeburger Technikgeschichte.
Weitere Informationen
„Dinopera“
Adresse:
Puppentheater Magdeburg
Warschauer Straße 25
39104 Magdeburg
Dauer: 50 Minuten, keine Pause
Termine:
31. Mai, 17:30 und 20:00 Uhr
Operette in Bernburg, Halberstadt und Quedlinburg: „Madame Pompadour“
Sie war mehr als nur eine Geliebte: Madame Pompadour wurde an der Seite des französischen Königs Ludwig XV. zu einer der einflussreichsten Frauen des Reiches. Ein Beweis, dass diese Frau eben nicht nur schön, sondern auch bemerkenswert klug war. Die nach ihr benannte Operette von Leo Fall stammt zwar nicht unbedingt aus den Geschichtsbüchern, doch dafür überzeugt die Musik umso mehr. Und vor allem kommt der Kern der Pompadour eben doch zum Tragen: eine starke Frau, die weiß, was sie will und sich nicht vor Veränderungen scheut.
Darauf setzt auch die quirlige Inszenierung am Harztheater, die im Februar im Norden von Sachsen-Anhalt gespielt wird. Die bunten Kostüme von Tom Grasshoff erinnern zwar an den Barock-Chic, wirken aber gleichzeitig ganz modern. Doch getragen wird das Stück laut der Kritikerin Renate Petrahn in der „Volksstimme“ vor allem vom Ensemble, das alles aus der Musik herausholt und die Figuren mit viel Liebe zum Detail verkörpert. Im Mai gastiert die Produktion in Bernburg.
Weitere Informationen
„Madame Pompadour“
Operette von Leo Fall
Dauer: 140 Minuten, eine Pause
Adresse:
Carl-Maria-von-Weber-Theater
Schloßstraße 22
06406 Bernburg (Saale)
Termine:
10. Mai, 16 Uhr
Adresse:
Harztheater Halberstadt
Spiegelstraße 20a
38820 Halberstadt
Termine:
17. Mai, 18 Uhr
Adresse:
Harztheater Quedlinburg
Marschlinger Hof 17/18
06484 Quedlinburg
Termine:
31. Mai, 15 Uhr