Figurentheater in Leipzig: „Listening to the Planets“ im Westflügel
Der israelische Figurentheatermacher Ari Teperberg ist ein außergewöhnlicher Künstler: Mit bemerkenswerter Präsenz schafft er es mit fast nichts als seinem Körper die Bühne zu betreten. Virtuos nutzt er kleine, profane Gegenstände, um poetische Bilder und Situationen zu schaffen, verzichtet dabei aber nicht auf feinen Humor. Oft arbeitet er sich an anderen Kunstwerken ab, erzählt aber vor allem von sich, wobei sich jeder Mensch darin wiedererkennen kann. Auch sein jüngstes Stück „Listening to the Planets“ überzeugt mit diesen Qualitäten.
Lässig-chic gekleidet tritt Teperberg auf die Bühne und holt einen Text wieder hervor, den ein Teperberg der nahen Vergangenheit geschrieben hat: Er erzählt, wie er das Orchesterwerk „Die Planeten“ von Gustav Holst hört und sich mit dem Leben des Komponisten beschäftigt. Der hatte sich während des Ersten Weltkriegs mit dieser Arbeit in ferne Welten ohne Gewalt geträumt. So verbindet Teperberg die spätromantische Musik mit persönlichen Reflektionen. Dabei spielt er mit seinem Handy, Selfiesticks und Licht, um immer wieder neue Bilder zu schaffen. Der Kritiker Jordi Ribot Thunnissen zeigt sich auf der Plattform „Theaterkrant“ begeistert von dem Objekttheater, nennt es raffiniert und warmherzig, elegant springe Teperberg zwischen den Zeiten und Welten hin und her.
Weitere Informationen
„Listening to the Planets“
Adresse:
Westflügel Leipzig
Hähnelstraße 27
04177 Leipzig
Termine:
19. Juni, 20 Uhr
20. Juni, 20 Uhr
Tanztheater in Dresden: „Trailer Park“ im Festspielhaus Hellerau
Tanz ist allgegenwärtig, vielleicht mehr als je zuvor: Täglich werden sicherlich mehrere Stunden an Tanzvideos ins Internet hochgeladen. Oft sind es kurze Clips in den Sozialen Medien, in denen einzelne Moves und Choreografien kopiert und wiederholt werden. Sie wollen den Trend nutzen, um möglichst viel Reichweite zu generieren, damit möglichst viele Menschen ihre Videos schauen und liken. Doch was macht das mit uns?, fragt das Stück „Trailer Park“ von Moritz Ostruschnjak.
Das zehnköpfige Ensemble kommt auf der Bühne zusammen und fängt immer wieder an zu tanzen – mal allein, mal gemeinsam, aber immer etwas vereinzelt. Es sind eben solche Moves, die die Tanzenden im Netz gefunden haben und die der Choreograf Ostruschnjak aneinandergereiht und montiert hat. Allein, dass diese Tänze aus dem Internet von Profis auf einer professionellen Bühne getanzt werden, erzeugt dabei eine andere Wahrnehmung. So entwickele sich auch ein Sog und eine Faszination, wie die Kritikerin Melanie Suchy auf „Die deutsche Bühne“ berichtet. Gleichzeitig bleibe immer deutlich, dass etwas fehle, dass die Bewegungen nur kurze Versatzstücke bleiben. So hinterfrage das Tanzstück auch unsere Internetkultur.
Weitere Informationen
„Trailer Park“
Adresse:
Festspielhaus Hellerau
Karl-Liebknecht-Straße 56
01109 Dresden
Dauer: 60 Minuten, keine Pause
Termine:
5. Juni, 20 Uhr
6. Juni, 20 Uhr
Musiktheater in Rathen: „Freischütz“ auf der Felsenbühne
Es gibt kaum einen besseren Ort für diese Oper als die Felsenbühne in Rathen. „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber ist eines der wichtigsten Stücke der deutschen Musikgeschichte und spielt auch mit dem deutschen Mythenschatz: Um seine geliebte Agathe heiraten zu dürfen (womit auch Besitz von Wald verbunden ist), muss Max beim Schützenfest unbedingt mit einem Probeschuss überzeugen. Da er leider kein guter Schütze ist, schließt er deswegen einen teuflischen Pakt. Die Szene in der Wolfsschlucht, wo er ein Ritual für Kugeln vollzieht, die immer treffen, überzeugt mit ihrer Gestaltung schon im Theater, aber noch mehr vor den realen Felsen.
Doch auch darüber hinaus kann die Inszenierung von Manfred Schöbel überzeugen. Abgesehen von einer modern-unheimlichen Teufelsgestalt folgt der Regisseur dem klassischen Setting, in dem er sich auf die Entwicklung und die Sorgen der Figuren konzentriert. Musikalisch bieten die Elblandphilharmonie und das Ensemble alles, was dafür nötig ist, zeigt sich zum Beispiel der Kritiker Wolfgang Quellmaiz in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“ überzeugt.
Weitere Informationen
„Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber
Adresse:
Felsenbühne
Amselgrund
01824 Rathen
Dauer: 160 Minuten, eine Pause
Termine:
12. Juni, 19:30 Uhr
13. Juni, 19:30 Uhr
20. Juni, 19:30 Uhr
21. Juni, 16:00 Uhr
26. Juni, 19:30 Uhr
27. Juni, 19:30 Uhr