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Brüssel – Der geplante Verkauf von Mediamarkt-Saturn an den chinesischen Online-Riesen JD.com gerät in Brüssel unter Druck. Die EU-Kommission prüft, ob JD.com für die Übernahme von staatlichen Vorteilen in China profitiert haben könnte. Im Verdacht stehen günstige Finanzierungen, Steuervorteile und Zuschüsse. Diese könnten dem Konzern geholfen haben, mehr Geld für Mediamarkt-Saturn zu bieten als Konkurrenten.
Die Sorge der EU: Der Deal könnte dadurch unfair zustande gekommen sein. Außerdem könnte JD.com nach der Übernahme mit einem Vorteil gegen europäische Konkurrenten antreten. JD.com weist die Vorwürfe zurück. Der Konzern erklärte gegenüber BILD, die Übernahme werde nicht mit chinesischen Staatshilfen finanziert, sondern mit privaten Bankkrediten und eigenen Mitteln. „JD.com hat im Zusammenhang mit der Transaktion keine staatlichen Subventionen erhalten, die zu einer Wettbewerbsverzerrung in der EU führen könnten“, teilte das Unternehmen mit.
Der Knackpunkt: Hätte JD.com ohne Hilfe aus China genauso viel für Mediamarkt-Saturn bieten können? Genau das will die EU-Kommission jetzt klären. Nach EU-Recht dürfen ausländische Subventionen den Wettbewerb im Binnenmarkt nicht verzerren. Kommt Brüssel zu dem Ergebnis, dass staatliche Hilfen den Deal beeinflusst haben, kann die Kommission Auflagen verlangen. Im härtesten Fall kann sie die Übernahme verbieten.

Die EU-Kommission prüft die geplante Übernahme von Mediamarkt-Saturn durch den chinesischen Handelskonzern JD.com genauer
Foto: Michael Kappeler/dpa
China-Konzern hält schon die Mehrheit
Die EU-Kommission hat nun bis zum 2. Oktober Zeit für ihre Entscheidung. Der Ausgang ist offen. JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot für die Ceconomy AG abgegeben. Zu Ceconomy gehört die Mediamarkt-Saturn-Gruppe. Der chinesische Konzern hat sich inzwischen die Mehrheit gesichert und hält 59,8 Prozent der Aktien und Stimmrechte.
Eine wichtige Rolle spielt auch die Beteiligungsgesellschaft der Gründerfamilie Kellerhals. Sie behält zwar 25,4 Prozent der Anteile, hat sich aber verpflichtet, künftig mit JD.com zu stimmen. Damit kommt der chinesische Konzern de facto auf mehr als 85 Prozent.
Mediamarkt-Saturn bleibt unter Prüfung
In Deutschland hat das Bundeskartellamt die Übernahme bereits genehmigt. Allerdings läuft auch beim Bundeswirtschaftsministerium noch eine Investitionsprüfung. Auch Entscheidungen aus Spanien und Österreich stehen noch aus. Mediamarkt-Saturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler. In Deutschland ist der Konzern nach Amazon, Otto und Zalando der viertgrößte Onlineshop.
JD.com ist einer der größten Handelskonzerne der Welt. Nach Angaben des Forschungsinstituts EHI ist JD.com der größte chinesische Handelskonzern. 2024 machte das Unternehmen knapp 159 Milliarden US-Dollar Umsatz. In Deutschland ist JD.com bislang kaum präsent. Im März startete der Konzern hier seinen Onlineshop Joybuy.