Gerd vom Bruch hat Borussia vor einer Katastrophe bewahrt. Während es in Deutschland Ende 1989 eine Zeitenwende gab, stand Gladbach am Abgrund. Wer weiß, was aus dem stolzen Klub geworden wäre, wenn er schon 1990 abgestiegen wäre in die 2. Bundesliga.
Der Siegerländer, als Co-Trainer von Wolf Werner in die Saison gestartet, übernahm in höchster Not und sorgte dafür, dass Gladbach am Ende der Saison knapp über dem Strich stand als 15. der Tabelle. Ein schnödes 0:0 bei Bayer Uerdingen am letzten Spieltag brachte den einen Punkt, den Gladbach am Ende dem VfL Bochum voraushatte, der als 16. in die Relegation musste.
Am 22. November 1989 übernahm vom Bruch, nachdem Werner als erster Trainer in Gladbach vorzeitig entlassen wurde. So gesehen war vom Bruch, der nun im Alter von 84 Jahren gestorben ist, der erste Feuerwehrmann am Bökelberg. Zehn Jahre zuvor, 1979, waren die Borussen ebenfalls in Abstiegsgefahr, doch da brachte die Rückkehr von Berti Vogts, dem lange verletzten Kapitän, frühzeitig die Wende. Nebenbei holte Gladbach noch den Uefa-Cup. Trainer Udo Lattek blieb damals im Amt.
Als vom Bruch seinen Dienst als Cheftrainer antrat, war Borussia nach einem 0:1 gegen Uerdingen ganz unten. Vom Bruch holte in der Rückrunde 19 Punkte, seine Borussia war vor allem heimstark (16:2 Punkte). Rang 15 war Gladbachs bis dahin schwächste Platzierung in der Bundesliga, doch vom Bruch erfüllte seinen Auftrag.
Gladbach: Vom Bruch war 627 Tage Trainer
In der folgenden Saison wurde Borussia Neunter, in der Spielzeit 1991/92 war nach zehn Spieltagen seine Zeit vorbei. Insgesamt war vom Bruch 627 Tage Gladbach-Trainer in einer komplizierten Zeit. 1,38 Punkte holte er im Schnitt. Damit könnte die Borussia von heute gut leben.
Als sie 1999 tatsächlich abstieg, stellte vom Bruch in der Zweitligazeit der Gladbacher als Kolumnist unserer Redaktion die Gegner vor. Im Anschluss an seine Trainertätigkeit – nach der Zeit in Gladbach coachte er noch den Wuppertaler SV, Alemannia Aachen und Rot-Weiß Oberhausen – wurde vom Bruch Spielerberater.
Jansen über vom Bruch: „Eine zweite Vaterfigur“
Jansen, der als Profi in Gladbach, beim FC Bayern und beim Hamburger SV spielte, bei dem er später auch Präsident war, nahm nun mit bewegenden Worten von einem Mann, der für ihn mehr war als ein Berater und Wegbegleiter in seiner Karriere.
„Lieber Gerd, ich glaube, tief in mir hatte ich immer Angst vor genau diesem Moment. Vor dem Gedanken, dass irgendwann die Nachricht kommt, dass du nicht mehr da bist. Du warst für mich wie eine zweite Vaterfigur. Schon in der B-Jugend bei Borussia Mönchengladbach hast du an mich geglaubt, als noch kaum jemand meinen Weg gesehen hat. Aber du hast mich nicht nur als Spieler gesehen. Du hast mich als Mensch gesehen“, schreibt Jansen unter anderem beim Portal „LindekdIn“.
Vom Bruchs Blick war auch stets auf Borussia gerichtet, als er sich ins Private zurückgezogen hatte. Er war ein kritischer Geist, was seinen Ex-Verein angeht, doch blieb er dem Klub, den er vor dem ersten Abstieg bewahrte, immer zugeneigt.