Keine Altersgruppe wird auch in Düsseldorf in den nächsten gut 20 Jahren so stark wachsen wie die heute Ü60-Jährigen, die ab 2045 die Altersgrenze 80 überspringen. Machte die Generation Ü80 im Jahr 2023 einen Anteil von 41.450 der Gesamtbevölkerung der Landeshauptstadt aus, werden es in 20 Jahren bereits 52.604 sein (ein Plus von 27 Prozent). Bei den Ü70-Jährigen ist der Zuwachs um 23 Prozent zum heutigen Wert auf dann 60.358 Männer und Frauen nur unwesentlich geringer. Das sind die Zahlen einer aktualisierten Bevölkerungsprognose des Düsseldorfer Amtes für Wahlen und Statistik aus dem Jahr 2024.
Allein nach dieser Zahlenlehre steht fest, dass in der Landeshauptstadt wohl jede Menge Pflegeplätze fehlen. Doch derzeit stagniert es bei den Neubauzahlen. So lässt sich beispielsweise ein Seniorenheim an der Benrodestraße in Benrath wohl nicht realisieren, weil sich laut Investor IDR kein Betreiber hat finden lassen. Das letzte neu eröffnete Seniorenheim ist das Pflegezentrum St. Anna in der Altstadt, das vor fast genau einem Jahr den Betrieb aufnahm. Der moderne Neubau am Hilarius-Gilges-Platz ersetzte das sanierungsbedürftige Altgebäude und bietet 120 Pflegeplätze für Seniorinnen und Senioren, darunter auch Plätze für Kurzzeit- und Tagespflege, betrieben wird es von der Caritas. Schon ohne dass die Baby-Boomer stationäre Pflege benötigen, gibt es in der Landeshauptstadt aktuell eine Unterversorgung mit Heimplätzen von – je nach Sichtweise – zwischen 500 bis 1000, sagt eine Statistik.
Doch ein Projekt ist nun in der Planung, in dem nicht nur vorhandene Plätze durch einen Neubau eins zu eins ersetzt werden, sondern in der wahrscheinlich nachfragestärksten Zeit der immer älter werdenden Baby-Boomer sogar neue hinzukommen: Die Diakonie Düsseldorf und die evangelische Gemeinde Garath/Hellerhof wollen auf dem Gemeindegrundstück zwischen der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche und dem Otto-Ohl-Haus an der Julius-Raschdorff-Straße eine neue Pflegeeinrichtung bauen. Dafür müssen das darauf befindliche sanierungsbedürftige Gemeindezentrum sowie eine kleine Reihenhauszeile weichen. Für deren Bewohner sucht die Gemeinde nach Alternativen und will nun die Wohnungsgesellschaften vor Ort bei der Suche nach neuem Wohnraum um Unterstützung bitten.
In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung 10 präsentierten Vertreter der Gemeinde und der Diakonie den Bezirksvertretern das Projekt. Dieses befindet sich aktuell noch im Status der Bauvoranfrage. Dabei wurde deutlich, dass die Diakonie das Otto-Ohl-Pflegeheim zunächst einmal parallel weiter laufen lassen möchte. Zwar ist auch dieses etwas in die Jahre gekommen, doch sei es kein Problem, das auch noch die nächsten 20 Jahre weiterzubetreiben, sagte Diakonie-Vorständin Anja Vennedey in der Sitzung. „Wir müssen schauen, für welchen Zeitraum das dann Sinn macht“, ergänzte Anna Waldhausen, Stabsstelle Leben im Alter bei der Diakonie Düsseldorf: Das könne man sich dann in etwa zehn Jahren in Ruhe anschauen.
Das Otto-Ohl-Haus hat 82 stationäre Plätze zuzüglich 14 Kurzzeit- und 16 Tagespflegeplätze. Das neue Pflegeheim ist geplant mit drei Geschossen mit voraussichtlich 101 Plätzen, davon 15 oder 29 in der Kurzzeitpflege. Der Abriss der alten Gebäude ist geplant für das erste und zweite Quartal 2028. Eine Inbetriebnahme ist für Anfang 2030 vorgesehen, sagte Vennedey. Die Diakonie betreibt in Düsseldorf aktuell acht Pflegeeinrichtungen.
Pfarrer Carsten Hilbrans wies auf die Chancen hin, die dieses „Leuchtturmprojekt“ für den Stadtbezirk 10 und die Gemeinde bieten werden: „Das ist ganz klar für die Entwicklung des Stadtteils ein Punch nach vorne.“ Zwar habe auch die evangelische Kirche in der Landeshauptstadt mit einem Schwund der Mitglieder zu kämpfen. Doch Hilbrans betonte, dass die Kirche sich nicht aus dem Standort an der Julius-Raschdorff-Straße zurückziehen werde. Zum einen bleibe die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche erhalten und zum anderen würden in das neue Pflegeheim Räume integriert, die künftig auch die Gemeinde werde nutzen können.