Koloniales Erbe
Frankreich streicht 340 Jahre altes Gesetz zur Sklaverei
29.05.2026 – 00:54 UhrLesedauer: 3 Min.
Sklaven in einer französischen Tabakfabrik. Jetzt wurde ein Gesetz abgeschafft, dass sie als Eigentum bezeichnete. (Quelle: IMAGO/Unknown/imago)
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Frankreich hat 180 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei den Code Noir abgeschafft. Es gab keine Gegenstimmen.
Die französische Nationalversammlung hat den Code Noir aufgehoben – ein Kolonialgesetz aus dem Jahr 1685, das die Versklavung von Menschen in den französischen Überseegebieten rechtlich regelte. Das Parlament stimmte am Donnerstag mit 254 zu 0 Stimmen für die Abschaffung des Regelwerks, wie unter anderem der britische „Guardian“ berichtet. Das Gesetz war trotz der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 nie formell außer Kraft gesetzt worden.
Der Code Noir war unter König Ludwig XIV. unterzeichnet worden und umfasste 60 Artikel, die jeden Aspekt des Lebens versklavter Menschen regelten. Artikel 44 erklärte eine versklavte Person zum beweglichen Eigentum. Andere Bestimmungen sahen vor, dass Geflohene verstümmelt werden durften, und sprachen dem Wort eines versklavten Menschen keinerlei Rechtsgeltung zu.
Macron: Bestand des Gesetzes war kein Versehen
Präsident Emmanuel Macron erklärte, das Gesetz hätte „die Abschaffung der Sklaverei“ im Jahr 1848 „niemals überleben dürfen“. Das jahrzehntelange Fortbestehen des Gesetzes sei keine bloße Nachlässigkeit mehr: „Das Schweigen, ja die Gleichgültigkeit, die wir fast zwei Jahrhunderte lang gegenüber diesem Code Noir bewahrt haben, ist kein Versehen mehr. Es ist zu einer Form der Beleidigung geworden.“
Macron äußerte sich auch zur Frage von Reparationen: Dies sei ein Thema, das man „nicht ablehnen darf“, wobei Frankreich aber „keine falschen Versprechen machen“ dürfe. Macron, wie auch andere Präsidenten vor ihm, entschuldigte sich nicht offiziell für die Versklavung von Menschen.
Abgeordneter: Wir sind keine Nachkommen von Sklaven
Den Antrag zur Aufhebung des Gesetzes hatte Max Mathiasin eingebracht, ein französischer Abgeordneter aus Guadeloupe. Er berichtete laut der Nachrichtenagentur AP, er habe sich Exemplare des Originaltexts besorgt, sie aber nie lesen können. „Als Ur-Ur-Enkel von Menschen, die versklavt wurden, war ich nie in der Lage, es vollständig zu lesen. Das wurde von Menschen gemacht, gegen Menschen“, sagte er vor dem Parlament. Die Abstimmung sei „eine Möglichkeit, unsere Vorfahren wiederherzustellen, unsere Menschlichkeit wiederherzustellen“ und bedeute, dem republikanischen Versprechen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gerecht zu werden.
Sichtlich bewegt zeigte sich auch Steevy Gustave, Abgeordneter aus Martinique, dessen Vorfahren versklavt worden waren: „Keine Abstimmung allein kann Jahrhunderte zerstörter Leben wiedergutmachen. Wir sind keine Nachkommen von Sklaven, wir sind Nachkommen von Menschen, die frei geboren wurden und dann auf das Schlimmste reduziert wurden – auf die Sklaverei“, heißt es im Bericht des „Guardian“.


