Mietmarktanalyse

Familienwohnung für 1.000 Euro? In München aussichtslos

29.05.2026 – 03:32 UhrLesedauer: 2 Min.

Häuserreihe im Stadtteil Giesing (Archivbild): Sowohl Kaufen als auch Mieten ist in München überdurchschnittlich teuer.Vergrößern des Bildes

Häuserreihe im Stadtteil Giesing (Archivbild): Sowohl Kaufen als auch Mieten ist in München überdurchschnittlich teuer. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON)

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Familientaugliche Wohnungen für 1.000 Euro Kaltmiete? In München schlicht nicht mehr zu finden. Warum Normalverdiener in der Stadt an ihre Grenzen stoßen.

Wer in München eine Wohnung sucht, bekommt für 1.000 Euro Kaltmiete im Monat heute im Schnitt 48 Quadratmeter, sieben weniger als noch vor vier Jahren. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Immobilienportals Immowelt, das die Angebotsmieten von Bestandswohnungen in 80 deutschen Großstädten zu zwei Zeitpunkten verglichen hat: März 2022 und März 2026.

Der Rückgang von 55 auf 48 Quadratmeter entspricht einem Kaufkraftverlust von 12,7 Prozent. Was das konkret bedeutet: 48 Quadratmeter sind in München in etwa eine Zwei-Zimmer-Wohnung – ausreichend für Singles oder Paare, aber für Familien nicht mehr geeignet. Wer mit 1.000 Euro Kaltmiete eine familientaugliche Wohnung sucht, wird in der bayerischen Landeshauptstadt schlicht nicht mehr fündig.

Normalverdienern wird die Lebensgrundlage entzogen

Dabei macht das Budget von 1.000 Euro bereits einen erheblichen Teil des durchschnittlichen Einkommens aus: Das mittlere monatliche Haushaltsnettoeinkommen liegt laut Statistischem Bundesamt bei 3.176 Euro, die Kaltmiete allein schlägt damit mit fast einem Drittel zu Buche. Heizung, Nebenkosten und Strom kommen noch hinzu.

Immowelt-CEO Theo Mseka sagt: „Wenn in Berlin für 1.000 Euro binnen vier Jahren die Fläche eines Zimmers wegbricht und in München für dasselbe Geld nicht einmal mehr 50 Quadratmeter übrigbleiben, entzieht das Normalverdienern die Lebensgrundlage.“

Vier Faktoren, ein Ergebnis

Immowelt beschreibt die Ursachen als „perfekten Sturm“: ein Zusammentreffen von vier Entwicklungen, die einander verstärken.

An erster Stelle stehen die gestiegenen Baukosten: Seit Anfang 2022 hat sich der mittlere Baupreis um 25,9 Prozent erhöht. Für Investoren rechnen sich viele Neubauprojekte damit nicht mehr, es entsteht weniger neuer Wohnraum, als gebraucht wird. Zugleich müssen Vermieter höhere Ausgaben für Instandhaltung und Modernisierung schultern und geben diese an die Mieter weiter.

Städte für viele Normalverdiener kaum noch erschwinglich

Zweiter Faktor ist die Zinswende: Als die Bauzinsen ab 2022 sprunghaft stiegen, zerplatzte für viele Haushalte der Mittelschicht die Perspektive auf ein Eigenheim. Wer sich keine Immobilie kaufen kann, bleibt auf dem Mietmarkt und lässt dort die Nachfrage ansteigen.

Dritter Treiber ist der Überlauf aus teuren Stadtkernen: Metropolen wie Köln oder Düsseldorf, aber auch die Kernstädte des Ruhrgebiets, sind für viele Normalverdiener kaum noch erschwinglich. Wohnungssuchende drängen deshalb in umliegende, bislang günstigere Städte. Dort treffen sie dann aber auf ein Angebot, das mit der plötzlichen Nachfrage nicht mithalten kann.