„Das Aha-Erlebnis kommt erst, wenn alles da ist – neue Bänke, neue Zuganzeiger, neue Leuchten und neues Dach.“ Sagt Arno Jaeger, Projektleiter für die Korridorsanierung Hagen – Wuppertal – Köln. Und will damit sagen: Auch wenn der Hauptbahnhof jetzt noch wie eine Großbaustelle aussieht, werde er pünktlich zum 10. Juli fertig sein. „Wir sind im Zeitplan“, erklärt er. Er wird jedenfalls so fertig sein wie geplant. Denn einige Arbeiten werden auch danach noch stattfinden.

Neu ist zum Beispiel schon der Boden des Bahnsteigs an Gleis 1. Graues Pflaster, helle taktile Streifen, helle Betonkanten zum Gleis hin. Das Dach fehlt aktuell, aber bald soll ein neues eingesetzt werden. Der Bahnsteig zwischen Gleis 2 und Gleis 3 ist gerade die eigentliche Baustelle. Hier lagern Erdberge, Steinstapel und Rohrhaufen. Dazwischen sind Arbeiter dabei, Stein für Stein auf dem Boden zu verlegen. Versorgt werden sie dafür durch einen Zweiwege-Bagger, der auf Schienen und ebener Erde fahren kann und immer wieder Steine von weiter her zur eigentlichen Arbeitsstelle bringt. „Wir haben nur wenige Stellen, an denen wir aufs Gelände können“, erklärt Marvin Thöne, Projektleiter für den Bahnhofsumbau. Daher müssten sie immer wieder Material mit den Zweiwege-Baggern transportieren.

An den Bahnsteigen ist nicht nur die Pflasterung neu, sondern auch der Untergrund, etwa Kabelschächte und Entwässerung. Das Dach über dem mittleren Bahnsteig wird nicht komplett erneuert, sondern saniert, also abgedichtet und neu gestrichen. Das soll alles zum Ende der aktuellen Sperrung fertig sein. Einige Tage vorher will die Bahn mit einem Probebetrieb beginnen, damit ab dem 10. Juli alles problemlos läuft.

Länger warten muss der S-Bahnsteig zwischen den Gleisen 4 und 5. Der wird erst Ende 2027 fertig, dann aber auch mit dem neuen Südsteig. Von der Verbindung zwischen Südstadt und der Bahnhofsebene ist nur noch ein Rest übrig: Fußgänger können weiterhin über eine kurze Brücke und mit einem Aufzug am Bahnsteig zwischen Gleis 4 und 5 bis auf die Ebene der Unterführung und von dort in den Bahnhof fahren. Die Brücke über sämtliche Gleise mit der Rolltreppe direkt am Bahnhofsgebäude ist verschwunden.

Neuer Südsteig wird zwanzig Meter weiter westlich stehen

Künftig soll es einen neuen Aufzug auf dem Bahnsteig 4/5 geben und von der Südstadt aus eine barrierefreie Verbindung zum Aufzugturm. Dieser wird etwa zwanzig Meter weiter westlich als bisher stehen. Die Fundamente dafür werden bereits vorbereitet. Erst im letzten Baustadium werde es einen kurzen Zeitraum geben, in dem die Verbindung nicht nutzbar ist, kündigt Marvin Thöne an. Er versichert: „Wir werden die Einschränkungen so gering wie möglich halten.“

Am S-Bahnsteig wird im Anschluss an die aktuelle Sperrung weiter gearbeitet, weshalb zunächst für vier Wochen, kurz danach erneut für zwei Wochen die S-Bahnen nicht fahren. Ende 2027 wird es für acht Wochen keinen S-Bahn-Verkehr geben.

Einige Kilometer weiter, zwischen den Bahnhöfen Steinbeck und Sonnborn, werden aktuell die Gleise erneuert. Dafür ist der große „Umbauzug“ im Einsatz, ein rund 800 Meter langes Ungetüm, das die alten Schienen aus ihrem Bett hebt, alte Schwellen einsammelt, überflüssigen Schotter rumpelnd und staubig beiseite wirft, neue Schwellen einsetzt und neue Schienen verlegt – alles in einem Rutsch. Beim WZ-Besuch überquert der Zug gerade die Sonnborner Eisenbahnbrücke am Stadion am Zoo.

Durchschnittlich 150 Meter schafft er in der Stunde, bei idealen Bedingungen auch mehr, erklärt Arno Jaeger. 15 Arbeiter begleiten die Maschine, bereiten die Schienen vor, lösen Schrauben an den alten Schienen, stoppen bei Problemen, fädeln die Schienen ein, ziehen bei Bedarf auf den neu gelegten Schienen Befestigungen fest.

An manchen Stellen kann die Maschine nicht eingesetzt werden, dann ist Handarbeit gefragt. Dennoch steigert sie die Effektivität bei der Schienenerneuerung enorm. Anfang der Woche hat der Umbauzug am Bahnhof Steinbeck seine Arbeit begonnen, heute soll er westlich des Bahnhofs Sonnborn ankommen und damit die Gleiserneuerung im Bereich Wuppertal abschließen. Und wird in kurzer Zeit wieder an anderer Stelle im Einsatz sein.