Durch Zeit und Raum vom Dunkel ins Licht
Das Visiodrom Wuppertal feiert die Schönheit des Lebens. In der neuen Show „Origins“ können Besucher durch 13,8 Milliarden Jahre Erdgeschichte reisen. Es geht durch Raum und Zeit vom ursprünglichen Chaos der Materie hin zur Entstehung von Sternen und Galaxien bis zu den Grundstrukturen des Universums und unseres heutigen Daseins. Wer einmal vergangene Ausstellungen im ehemaligen Gaskessel besucht hat, etwa zuletzt Vincent van Gogh oder zuvor Monet und da Vinci, der weiß, dass die immersive Show im bildgewaltigen Rund ein besonderes Erlebnis ist. 6500 Quadratmeter Projektionsfläche machen den Raum zu einer der größten Leinwände dieser Art in Europa. „Origins“ ist eine Produktion des Kunstkraftwerk Leipzig und geeignet für Kinder ab sechs Jahren. Infos und Tickets gibt es online. ha
Gurken-Krieg im ganzen Land
Satire Neun Seiten kurz ist die Geschichte, für die Johanna Sebauer („Nincshof“) beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2024 gleich doppelt ausgezeichnet wurde. Es geht um den Biss in eine gemeine Gewürzgurke, bei dem einem Wichtigtuer Saft ins Auge spritzt – und die darauf folgende XXL-Debatte: Das „Gurkerl“ als Gefahrgut, als gesellschaftliches Konstrukt, als großkapitalistisches Joch auf den Schultern marginalisierter Arbeiter*innen – bald ist das ganze Land in unversöhnliche Lager gespalten. Man könnte diesen tollen Text gratis als PDF herunterladen; eine Suchmaschine, deren Name ähnlich klingt wie „Gurkerl“, drängt es einem fast auf. Am anderen Ende der Ausstattungs- (und Preis-)Skala steht das Geschenkbuch; als solches enthält „Das Gurkerl“ herrlich gehässige Illustrationen von Nikolaus Heidelbach. Wer es lieber akustisch mag: „I han es Zündhölzli azündt“ von Mani Matter ist vergleichbar – und vergleichbar famos. tojo
Mit schwarzem Humor in Serien ist das so eine Sache. „Der Tatortreiniger“, „The Office“ – irgendwie ist das der cleverere Witz, der, bei dem man sich ertappt und gefordert fühlt, der einen kathartischen Effekt hat. Aber es ist auch der anstrengendere, der, der immer ein bisschen wehtut.
Zum Glück gibt es die Lightversion, den Mittelweg, den ein Team um Comedy-Profi Tina Fey ins humoristische Unterholz geschlagen hat: „The Four Seasons“ heißt die Serie, deren zweite Staffel gerade auf Netflix gestartet ist, und die eine Adaption des gleichnamigen Films von Alan Alda aus dem Jahr 1981 ist. Fey spielt Kate, die mit ihrem Mann Jack und den beiden befreundeten Pärchen Nick und Anne sowie Danny und Claude seit Jahren gemeinsam in den Urlaub fährt. Die Routine der Paare gerät in Schieflage, als Nick (Steve Carell) verkündet, sich von Anne trennen zu wollen, mit der ihn nichts mehr verbinde: „Wir sitzen im gleichen Zimmer und glotzen auf verschiedene Monitore. Wir sind wie Kollegen in einem Kernkraftwerk!“ Dieser Satz, gleichzeitig witzig und tragisch, setzt den Ton für die Serie, die zwischen Tragikomödie, Slapstick und Gesellschaftsdrama balanciert, hier und da zwickt und sticht, aber nie ganz gemein wehtut. tab