
Joshua Kimmich spricht bei im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft über Enttäuschungen bei vergangenen Weltmeisterschaften, die USA, Politik und den „besten aller Zeiten“, der gleichzeitig fleißig Autogramme schreibt und dem Kapitän dadurch Zuhörer kostet.
Etwa 400 Meter sind es entlang der Straße vom Komplex „Halftime“ bis zum Store des DFB-Ausrüsters in Herzogenaurach, an dem Manuel Neuer eine Autogrammstunde gab. Kurz bevor der Marathon mit Unterschriften und Selfies begann, war der Bürgersteig auf diesen 400 Metern gefüllt. Schon gegen 7.30 Uhr sollen die ersten Fans die Klappstühle aufgestellt haben, andere warteten im Stehen und ohne Schirm, was in der Mittagshitze durchaus zum Problem werden konnte.
Im klimatisierten und abgedunkelten Pressekonferenzraum, der in den Sitzreihen erhebliche Lücken aufwies, weil die Autogrammstunde auch viele Medien anzog, nahm am frühen Nachmittag Joshua Kimmich Platz. Er ist Kapitän der Nationalmannschaft und somit nun auch von Manuel Neuer, der wiederum Kapitän beim FC Bayern und somit von Joshua Kimmich ist.
„Manu ist der beste Torhüter aller Zeiten“
Die Frage an Kimmich, was er von der Rückkehr von Neuer halte, war damit so sicher wie der Sonnenaufgang. Anders als viele Antworten davor war allerdings die Antwort, denn der langjährige Kollege in zwei Mannschaften sagte: „Manu ist der beste Torhüter aller Zeiten und immer noch einer der besten der Welt.“ Daher es nahezu folgerichtig gewesen, den Rücktritt vom Rücktritt zu forcieren.
Da Manuel Neuer schon 40 Jahre alt ist und bei 124 Länderspielen steht, hat der neun Jahre jüngere Kimmich bessere Chancen, den Rekord von Lothar Matthäus zu brechen. „Ich jage jetzt nicht die 150 Spiele, aber das ist schon eine Marke, die man im Kopf hat.“
Sollte Kimmich am Sonntag im Test gegen Finnland zum Einsatz kommen, wäre es sein 109. Einsatz.
Anders als Neuer gewann Kimmich noch keinen bedeutenden Titel mit der Nationalmannschaft. So ehrgeizig, wie Kimmich ist, wird er sich zumindest den Confed Cup 2017 nicht auf den Oberschenkel tätwieren lassen.
Am Boden zerstört nach WM 2022: „Sollten wir nicht ins Turnier rein nehmen“
Nachdem er 2022 zum zweiten Mal hintereinander mit Deutschland in der Vorrunde einer WM scheiterte, war er am Boden zerstört, zerfressen von Selbstzweifeln. „Ich habe Angst, in ein Loch zu fallen“, sagte er nach Sieg gegen Costa Rica, der seine bitterste Niederlage im Trikot des DFB war.
Kimmich bei der WM 2022: „Angst, in ein Loch zu fallen“
Ob er das Gefühl habe, etwas ausmerzen zu müssen, wurde der Kapitän am Freitag gefragt. „Darum geht es nicht“, sagte Kimmich, schlechte Gedanken „sollten wir nicht rein ins Turnier nehmen“.
Kimmich schätzt die Situation der deutschen Mannschaft so ein, dass sie im Vergleich mit „Frankreich, Spanien und Portugal hintendran“ sei, allerdings sei er auch überzeugt davon, an einem guten Tag gegen jede Mannschaft gewinnen zu können
Kapitän sieht Verband in der Verantwortung
Joshua Kimmich wird ein paar Wochen des Sommers zum zweiten Mal nacheinander in den USA verbringen. Im vergangenen Jahr war er mit dem FC Bayern bei der Klub-WM. Sie sei „super organisiert“ gewesen, aber es sei auch wenig los gewesen, erinnerte der Münchner.
Vor allem die Fans aus Europa hätten gefehlt. Das dürfte bei der WM anders sein, auch wenn es Berichte über Hoteliers gibt, die über ein deutlich geringeres Interesse klagen als vom Weltverband FIFA suggeriert.
Als mögliche Ursache wird die politische Situation vor allem in den USA mit Präsident Donald Trump angesehen, der seine Meinung häufiger wechselt als ein Fußball die Richtung.
Es sei schon richtig, von den Spielern zu erwarten, eine Meinung zu relevaten politischen Themen und Personen zu haben, aber öffentlich äußern sollten sich die Experten, und da sehe er beim DFB die Spitze des Verbandes gefordert.
