Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden wird nicht mehr den Namen Erich Ponto tragen. Wie das Theater am Freitag bekanntgab, hat der Förderverein des Staatsschauspiels mit großer Mehrheit eine Umbenennung des Preises beschlossen. Hintergrund sind neue Erkenntnisse über das Wirken des Schauspielers und ehemaligen Intendanten Erich Ponto (1884-1957) in der NS-Zeit. Pontos Werdegang zeige zwar „eher Züge einer Anpassungsbiografie denn einer aktiven ideologischen Beteiligung“, dennoch bleibe seine Teilnahme an Propagandafilmen des nationalsozialistischen Regimes unbestritten, hieß es in der Begründung.
Besonders Pontos Darstellung des Mayer Amschel Rothschild im NS-Propagandafilm „Die Rothschilds“ (1940) weise „deutliche Züge der Stereotypisierung jüdischer Menschen zum Zweck ihrer Diffamierung“ aus. Der Film stehe in direktem Zusammenhang mit der antisemitischen Propaganda des NS-Regimes und der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens, hieß es weiter.
Junge Künstlerinnen und Künstler im Fokus
Besonders relevant für die Entscheidung war laut Dresdner Staatsschauspiel die Perspektive junger Menschen. So sei unter anderem ausschlaggebend gewesen, dass die Debatte um die historische Figur von der Ehrung junger Künstlerinnen und Künstler ablenke. Eine fortwährende Auseinandersetzung um die Person Pontos solle den Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern nicht zugemutet werden.
Ponto bleibt Ehrenmitglied des Staatsschauspiels Dresden
Die zukünftige Namensgebung des Preises bleibt noch offen. Im Herbst wird der Nachwuchspreis zum 16. Mal vom Förderverein des Staatsschauspiels Dresden vergeben. Die Ehrenmitgliedschaft Erich Pontos bleibt von der Umbenennung des Preises unberührt. Laut Staatsschauspiel Dresden überwiegen die Leistungen Pontos in der Geschichte des Theaters – als Intendant und Schauspieler.
Quellen: MDR KULTUR, dpa, Pressemitteilung Staatsschauspiel Dresden; redaktionelle Bearbeitung: lig