Bielefeld. Eine Unwetterfront ist am Freitagabend über Ostwestfalen-Lippe hinweggezogen. Die Feuerwehren in der Region waren mit zahlreichen Einsätzen beschäftigt. Auch die Warn-Apps Nina und Katwarn hatten am frühen Abend ausgelöst.

Aufgrund der Unwetter kam es nach Angaben der Bahn auf verschiedenen Strecken in NRW zu Beeinträchtigungen und Sperrungen. Oft lagen Bäume auf den Gleisen.

Verletzte in Bielefeld und Detmold

In Bielefeld gab es Blitzeinschläge in Häuser. Zudem sind im Stadtgebiet mehrere Bäume umgestürzt. Zwei Menschen wurden dabei verletzt. Insgesamt sprach die Bielefelder Feuerwehr von rund 80 Einsätzen. Mehr als 400 Kräfte waren im Einsatz. Nach Informationen des WDR habe es bei wetterbedingten Unfällen mindestens fünf Verletzte gegeben, im Stadtgebiet mussten zwei Hausbrände gelöscht werden.

Am Mathilden-Hospital in Herford gab es einen größeren Feuerwehreinsatz. Hier hatte eine Brandmeldeanlage ausgelöst. Zunächst wurde ein Blitzeinschlag ins Dachgeschoss des Krankenhauses gemeldet.

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Die Rettungsleitstelle im Kreis Lippe konnte am Abend ein erstes Fazit ziehen, auch wenn einige Einsätze immer noch liefen: Insgesamt 38 Einsätze hat das Unwetter gefordert. Drei Blitzeinschläge in Gebäude hat es gegeben – allerdings ohne Brände. In Detmold gab es drei Verletzte, weil sie sich in der Nähe eines Blitzeinschlags aufgehalten hatten. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die Menschen allerdings nicht schwer verletzt.

Die Meldungen erreichten die Leitstelle aus ganz Lippe, der Südkreis war allerdings etwas stärker betroffen. Während der Kreis Höxter mit 40 Einsätzen ähnlich wie Lippe betroffen war, hatte der Kreis Gütersloh, den das Unwetter etwa eine Stunde eher getroffen hat, mit 118 Einsätzen deutlich mehr zu tun.

Im Kreis Gütersloh musste die Feuerwehr zu 61 witterungsbedingten Einsätzen ausrücken. In den meisten Fällen sorgten umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste für Gefahrenstellen auf Straßen oder Radwegen. Gegen 19 Uhr musste die Bahnstrecke des Haller Willem in Borgholzhausen gesperrt werden. Ein Trampolin war auf die Gleise geweht worden und musste von der Feuerwehr entfernt werden.


An der Gütersloher Straße in Bielefeld hat ein umgestürzter Baum zwei Menschen verletzt. - © Paul Brinkmann

An der Gütersloher Straße in Bielefeld hat ein umgestürzter Baum zwei Menschen verletzt.
| © Paul Brinkmann

Störungen im Zugverkehr in OWL

Der Zugverkehr in OWL war durch die Wetterlage stark eingeschränkt. Wegen der durchziehenden Gewitterfront blieben in Nordrhein-Westfalen einige Fernzüge vorübergehend in Bahnhöfen stehen. „Die Züge warten an Bahnhöfen aus Sicherheitsgründen den Durchzug der Gewitterfront ab und setzen danach die Fahrt fort“, teilte die Deutsche Bahn am Abend mit. Betroffen war auch die Strecke aus dem Ruhrgebiet nach Hannover.

Zudem war die Strecke zwischen Hauptbahnhof Bielefeld und dem Bahnhof Bielefeld-Brackwede gesperrt. Dadurch kam es im Fern- und Regionalverkehr (RE 6 [RRX], RB 67, RB 69, RB 74, RB 75) zu Einschränkungen. Zudem wurde der Zugbetrieb der Linie RE 11 (RRX) zwischen Lippstadt und Hofgeismar eingestellt.

In Bielefeld-Brackwede musste um 19.40 Uhr ein „Flixtrain“ auf dem Weg von Berlin nach Köln auf offener Strecke stoppen. Hier war ein Baum umgestürzt. Der Zug konnte später in den Bahnhof einfahren. Dort musste er jedoch für mehrere Stunden warten. Auch um 0.30 Uhr konnte er noch nicht weiterfahren, wie ein Augenzeuge berichtet. Auch am Bielefelder Hauptbahnhof strandeten in der Nacht etliche Reisende, darunter auch Familien mit Kindern.


Zugausfälle aufgrund des Unwetters: Fahrgäste blicken auf die Anzeigetafel im Bielefelder Hauptbahnhof. - © Paul Brinkmann

Zugausfälle aufgrund des Unwetters: Fahrgäste blicken auf die Anzeigetafel im Bielefelder Hauptbahnhof.
| © Paul Brinkmann

Laut der Deutschen Bahn fielen die ICE-Verbindungen bis 6 Uhr am Samstagmorgen aus. Doch auch danach müssen die Fahrgäste noch mit Einschränkungen rechnen: Auf der Fernverkehrsstrecke zwischen Hamm und Hannover kommt es weiterhin zu Zugausfällen und Verspätungen.

Auch der Regionalverkehr ist am Samstagmorgen weiter eingeschränkt. Zwischen Bielefeld und Herford muss ein Schaden an der Oberleitung repariert werden. Bei Rheda-Wiedenbrück ist ein Baum in die Oberleitung gestürzt. Die Strecke zwischen Altenbeken und Paderborn ist derzeit voll gesperrt. Auch hier ist ein Baum in die Oberleitung gefallen. Reisende sollen vor Abfahrt ihre Verbindung in der Onlinereiseauskunft prüfen. Detaillierte Infos zu den regionalen Störungen gibt es auf Zuginfo.NRW.

Wetterdienst warnt vor Unwetter

Der Deutsche Wetterdienst hatte für Freitag vor einer Unwetterlage gewarnt. Von Nordwesten her zogen im Laufe des Nachmittags kräftige Gewitter auf. „Die Wetterlage stellt sich grundlegend um“, sagte Meteorologe Markus Übel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Stattdessen übernehmen wieder Tiefdruckgebiete die Regie, die die erste Hitzewelle dieses Jahres beenden. „Es stehen uns die ersten größeren Gewittertage ins Haus, an denen auch unwetterartige Gewitter mit von der Partie sein werden.“


Ein Auto fährt nach einem Gewitter mit Starkregen durch eine Pfütze. - © David Ebener/dpa

Ein Auto fährt nach einem Gewitter mit Starkregen durch eine Pfütze.
| © David Ebener/dpa

Im Verlauf des Abends hatten sich diese zu einer Gewitterlinie organisiert und regional für erhebliche Beeinträchtigungen gesorgt. Gegen 18.30 Uhr erreichten die Gewitter OWL. Der DWD hatte eine amtliche Unwetterwarnung vor schweren Gewittern mit Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 105 Stundenkilometern, heftigem Starkregen mit Niederschlagsmengen um 30 Liter pro Quadratmeter und Hagel mit Korngrößen von etwa zwei Zentimetern herausgegeben. Sie galt bis 20 Uhr. Betroffen waren die Stadt Bielefeld sowie Teile der Kreise Herford und Gütersloh. Aber auch im Rest von OWL wurde vor starken Gewittern mit Sturmböen und Starkregen gewarnt.

Akute Lebensgefahr durch Blitzschlag

Die Wetterexperten wiesen dabei auf die Gefahren hin, die mit den Gewittern verbunden sind. Insbesondere durch Blitzschlag bestehe akute Lebensgefahr. Darüber hinaus könnten Bäume, Gerüste und Hochspannungsleitungen umstürzen. Auch herabfallende Äste, Dachziegel und andere größere Gegenstände stellten ein Risiko dar. Der Wetterdienst warnte zudem vor raschen Überflutungen von Straßen, Unterführungen und Kellern sowie vor verbreitetem Aquaplaning.

Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Aufenthalte im Freien möglichst zu vermeiden und Schutz in Gebäuden zu suchen. Verkehrsteilnehmer sollten ihre Fahrweise den Wetterverhältnissen anpassen und mit Behinderungen auf Straßen und Verkehrswegen rechnen.

Gewitter ziehen in der Nacht ab

Doch auch andere Landesteile waren betroffen, besonders stark der Kreis Steinfurt mit rund 400 Feuerwehreinsätzen – meist wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume. Auch in Münster hatte die Feuerwehr am Abend rund 120 Einsätze. „Wir haben Vollarm hier“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Viele Keller liefen voll, auf den Straßen lägen umgestürzte Bäume. Ein Open-Air-Konzert musste nach Angaben des WDR nahe der Halle Münsterland abgebrochen werden. Zwei Ruderer wurden aus der Werse gerettet. „Sie waren von dem Unwetter überrascht worden und hielten sich in Ufernähe an einem Baum fest“, teilte die Feuerwehr mit.

Im Kreis Coesfeld zählte die Feuerwehr etwa 200 Einsätze. Auch im Kreis Warendorf stürzten Bäume um und Keller liefen voll.

Über dem Bereich eines Klimacamps in Dortmund zog ein schweres Gewitter auf. Zum Schutz der Teilnehmenden stellten nach Angaben der Dortmunder Polizei die Feuerwehr und die Stadt Hamm einen Bustransfer zu einer Turnhalle für die Aktivisten zur Verfügung.

Die Gewitter zogen am Abend und in der Nacht in die Landesmitte und den Osten ab, schwächten sich dabei aber allmählich ab.