Kreis Lippe/Oerlinghausen. Die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Oerlinghausen stand im Mittelpunkt des jüngsten Kommunalen Wirtschaftsgesprächs (KWG) der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). Fast 30 Unternehmer kamen mit der Stadtverwaltung um Bürgermeister Peter Heepmann zusammen, um konkret über Oerlinghausen zu diskutieren, teilt die IHK mit.
IHK-Vizepräsident Kai Vogelsänger unterstrich die Bedeutung des direkten Austauschs: „Mut zu zeigen, das ist Unternehmertum. Genau das erleben wir heute Abend: Unternehmerinnen und Unternehmer, die ins Gespräch kommen, um vor Ort etwas zu bewegen. Diesen konkreten, regionalen Austausch brauchen wir – nur so können wir als IHK wirksam wirtschaftliche Interessen vertreten und gemeinsam mit der Stadt Lösungen vorantreiben.“
Standort steht „unter Spannung“
Eindeutig war das Bekenntnis eines der größten Arbeitgeber der Stadt zum Standort. Alexander Hanning, Geschäftsführer bei Hanning & Kahl, dessen Unternehmen mit hohem Exportanteil seit vielen Jahren eng mit der Stadt verbunden ist, machte deutlich: „Wir stehen zu Oerlinghausen – das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen Unternehmen ihre Standortentscheidungen sorgfältig abwägen. Aber die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen müssen stimmen. Die Standortfaktoren stehen unter Spannung, und wir brauchen spürbare Verbesserungen, um den Wirtschaftsstandort zu erhalten und weiterzuentwickeln.“
Bürgermeister Heepmann zog eine ehrliche Bilanz zur Lage der Bergstadt und warb zugleich um Vertrauen. Die Haushaltssicherung setze klare rechtliche Grenzen: Ein Großteil der städtischen Ausgaben entfalle auf Pflichtaufgaben, der Spielraum für eigene Gestaltung sei entsprechend begrenzt. Hinrich Schwarze, IHK-Teamleiter und Moderator des KWGs sah den abendlichen Dialog als Bestätigung für den kontinuierlichen Austausch des seit 2009 in den 16 lippischen Kommunen stattfindenden Formats: „Oerlinghausen steht mitten in Transformationsprozessen, als IHK unterstützen wir das. Wir benötigen Dynamik, um den Standort trotz Spannungen zukunftsfest aufzustellen.“
Infrastruktur
Im Bereich Infrastruktur gab es sowohl Fortschritte zu vermelden als auch offene Fragen. Positiv aufgenommen wurde die Ankündigung des anstehenden Glasfaserausbaus, der im Herbst starten soll. Für 2027 sei zudem die Fertigstellung des Freibadumbaus geplant. Als strukturellen Standortvorteil hoben die Teilnehmenden die verkehrsgünstige Lage Oerlinghausens mit guter Anbindung an Oberzentren und die Autobahn hervor, hierzu zähle auch der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen. Ernüchternd hingegen sehe es beim Thema freie Gewerbeflächen aus. Obwohl es externe Anfragen gebe, seien leider keine freien Gewerbeflächen verfügbar, heißt es.
Beim Thema Energie machte die Unternehmerschaft ihren Bedarf klar. Engpässe im Stromnetz bremsten den Ausbau von E-Mobilität und Photovoltaik – ein Problem, das nicht allein auf kommunaler Ebene lösbar sei, aber dringend politisch adressiert werden müsse. „Preis, Menge und Versorgungssicherheit beim Strom müssen gewährleistet sein – das ist für uns als Unternehmen nicht verhandelbar“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt. Die kommunale Wärmeplanung wird bis Mitte 2028 abgeschlossen sein.
Soziale Medien nutzen
Die Unternehmerschaft forderte mehr Investitionen in die Außenwirkung Oerlinghausens – und diskutierte mit Heepmann die Notwendigkeit einer aktiveren Kommunikation über soziale Medien. Die Stärken des Marketingvereins und der Werbegemeinschaft wurden ebenso hervorgehoben wie das finanzielle Engagement der Unternehmerschaft, das als unverzichtbare Stütze des Stadtmarketings gilt.
Beim Thema Steuern und kommunale Finanzen war die Stimmung ernst. Unternehmerinnen und Unternehmer äußerten offen die Sorge, dass steigende Abgaben Betriebe zur Abwanderung bewegen könnten.