An diesem Wochenende setzt die Stadt Leipzig ein sichtbares Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Am Samstag findet das Frauen*-Festival auf dem Marktplatz statt. Für eine Markt-Aktion im kommenden Jahr werden aktuell zahlreiche Quadratdecken gestrickt und gehäkelt. Ziel der Aktion von Frauen für Frauen e.V. und Viva Vittoria Leipzig ist es, auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und gleichzeitig niedrigschwellige Beteiligung zu ermöglichen.
Stricken als Zugang zu einem schweren Thema
Kreativ sein für gesellschaftliches Engagement macht die Aktion aus. Sarah Schröder von Frauen für Frauen erklärt: „Für uns als Verein ist es vor allem wichtig, dieses Thema rund um Gewalt und verschiedene Gewaltschutzinitiativen in Leipzig auch in so einen Rahmen zu schaffen. Der ist vielleicht ein bisschen anders als andere Rahmen, in denen üblicherweise darüber gesprochen wird, also in der Lockerheit, in einem gemütlicheren Setting, wo man sich leichter wohlfühlen kann.“
Eine Idee aus Italien
Angestoßen wurde Viva Vittoria Leipzig von Ruth Rabenberg, die das Konzept aus Kassel hierher brachte. Ursprünglich stamme es aus Italien, wo 2015 bereits Frauen gegen Femizide aktiv geworden seien. Besonders wichtig ist ihr die Offenheit der Aktion: „Ich finde das Projekt ist besonders, weil jeder mitmachen kann.“ Außerdem könne jede oder jeder die Arbeit für sich alleine zu Hause machen oder sich in einer Gruppe zusammenfinden. Gerade für Menschen, die nicht öffentlich sprechen möchten, biete die Aktion eine stille, aber kraftvolle Form der Beteiligung, so Rabenberg weiter.
Auch auf die Präsentation Anfang März 2027 blickt sie mit Vorfreude: „Ich glaube, dass das ganz viel Freude bewirkt, dass man diesen Marktplatz plötzlich so ganz bunt sieht. Es ist ja mitten im öffentlichen Raum, mitten im Herzen der Stadt Leipzig.“
Eine Realität, die viele betrifft – und oft unsichtbar bleibt
Das Bunte der Aktion steht im Gegensatz zu zahlreichen dunklen Flecken, die das Thema geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide birgt. Häusliche Gewalt gegen Frauen sei immer noch eine der am häufigsten auftretenden Gewaltformen, berichtet Sarah Schröder.
Der Bedarf an Unterstützung sei aufgrund hoher Dunkelfeldzahlen enorm. Gleichzeitig fehle es vielerorts an ausreichender Finanzierung: „Wir haben die Herausforderung, dass eigentlich in allen medialen Diskursen immer nur darüber gesprochen wird, wo noch Geld gespart werden soll. Wir haben stetig steigende Bedarfe in der Arbeit. Wir können aber nicht mehr Unterstützung anbieten. Das heißt, letzten Endes muss man das so hart sagen, ist Gewaltschutz am Ende Glückssache“, resümiert Schröder.