Wo landet man als Erstes, wenn man etwas über künstliche Intelligenz und die Zukunft von Arbeitsplätzen schreiben will? Bei einer Suchmaschine. Und die führt mich zum „Job-Futuromat“ des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das klingt spannend und ist eine wunderbare Spielerei: Ich gebe eine Jobbeschreibung ein, und der „Futuromat“ spuckt mitsamt einer nach oben schnellenden Prozentzahl aus, bis zu welchem Grad diese Tätigkeit automatisierbar ist.
Als Erstes wird man da ganz unsanft vom hohen Ross geholt: Wenn ich „Journalist/in“ eingebe, kommt da ein Automatisierungsgrad von 40 Prozent heraus. Zwei von fünf Kerntätigkeiten meines Jobs könnten demnach vollständig von einer Maschine ausgeführt werden: Recherche und Informationsbeschaffung. Alle Schüler und Studenten werden an dieser Stelle innerlich mit dem Kopf nicken – Chat GPT ist der perfekte Partner für Referate und Co.
Also sind auch vermeintlich komplexe Jobs nicht mehr davor gefeit, bald von der KI ersetzt zu werden? Sollte ich mich schnell nach etwas anderem umschauen? Erstens macht mir meine Arbeit dafür viel zu viel Spaß, und zweitens geht selbst der „Futuromat“ längst nicht so weit. Automatisieren heiße zunächst einmal nicht: überflüssig machen. Vielmehr verändere die künstliche Intelligenz Jobs und Tätigkeiten. Und tatsächlich nutzen auch wir Journalisten längst KI-Werkzeuge zur Unterstützung unserer Arbeit, etwa, um zu einem Thema Inspiration zu finden.
Rasante Entwicklung der KI schüchtert Menschen im Altkreis Halle ein
Simtra in Halle-Künsebeck hat sich auf das Abfüllen von hoch potenten Arzneimitteln zumeist aus der Krebstherapie spezialisiert. Hier entstehen aktuell viele neue Jobs.
| © Simtra
Aber es ist schon spürbar, wie sehr der „Futuromat“ darauf ausgelegt ist, keine Panik zu schüren und konstruktiv auf die KI-Revolution zu blicken. Denn dass diese Entwicklung einschüchtern kann, steht außer Frage. Während Tech-Unternehmer den Segen der KI preisen und astronomisch damit verdienen, mehren sich die Proteste, wie zuletzt zum Beispiel von Studenten an US-Universitäten.
Menschen sehen ihre Perspektiven, ihre Zukunft bedroht, wenn künftig sogar akademische Einsteigerjobs wegfallen, weil stattdessen KI-Systeme eingesetzt werden. Und wenn ich beim „Futuromat“ andere Jobs aus dem Industriesektor eingebe, dann stehen da plötzlich 86 Prozent, zu denen diese Arbeit automatisiert werden könnte.
Und genau in diese Kerbe hieb jetzt der heimische Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus (CDU), der zum Exklusivinterview beim Haller Kreisblatt zu Gast war. Sicher kein Mann, der Panik schürt. Im Gegenteil, Brinkhaus blickt konstruktiv auf die KI-Revolution und fordert, dass wir mehr von ihr profitieren. Aber er sagt unter dem Strich ganz klar: Die zahlreichen Helfertätigkeiten, die nach wie vor unsere heimische Industrie prägen, werden die Automatisierung ganz besonders zu spüren bekommen. Sortieren, Verpacken, einfache Qualitätsprüfung – hier werden Maschinen nicht nur ergänzen, sondern womöglich komplett ersetzen.
Es fallen jetzt Jobs weg, die nicht wiederkommen
Brinkhaus zieht daraus zwei Schlüsse: Arbeitskräfte so schnell wie möglich so intensiv wie möglich zu qualifizieren und parallel dazu mehr anspruchsvolle Hightech-Jobs in die Region holen. Und die sieht er mit starken, entwicklungsfähigen Unternehmen und einem intakten Hochschulnetzwerk gut aufgestellt.
Optimismus also, und der ist an dieser Stelle nicht unangebracht. Was der Bundestagsabgeordnete aber ganz sicher auch weiß: Ohne Verwerfungen wird diese industrielle Revolution 4.0 im Altkreis Halle nicht ablaufen.
Und das ist in Teilen jetzt schon zu beobachten: Die Wirtschaft steckt aktuell in der Krise, heimische Unternehmen wie Schaeffler, Durkopp, Miele und Co. bauen Arbeitsplätze ab. Um künftig resilienter zu sein, werden sie sich im harten Wettbewerb möglichst effizient aufstellen – und dabei natürlich auf Automatisierung durch KI setzen. Heißt im Umkehrschluss: Es fallen jetzt Arbeitsplätze weg, die nicht wiederkommen.
Wer im Altkreis Halle seine Arbeit verliert, braucht neue Perspektiven
Und auch wenn das Tempo der Qualifizierung bei einem Maschinenführer noch so hoch ist, wird er morgen sicher kein Robotik-Spezialist sein – genau so wenig wie ich jemals Elektriker … Es wäre illusorisch, anzunehmen, dass die neu entstehenden Jobs einfach von jenen übernommen werden, die ihren alten verloren haben.
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Die Arbeitswelt wird sich also verändern, für die jetzt dort hineinwachsende Generation wird es neue Perspektiven geben – weshalb die mitunter lustvoll beschworenen Untergangsszenarien für die Erwerbsarbeit auch nicht zielführend sind.
Politik und Wirtschaft haben aber auch eine Verantwortung, sich um jene zu kümmern, die diese Revolution eben nicht mehr so einfach wegstecken. Ihnen Wege in andere Branchen und Sektoren aufzuzeigen, möglichst ohne bürokratische Hürden. Womöglich wird das für Ralph Brinkhaus und seine Mitstreiter im deutschen Parlament eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre.
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