Nach einer aufregenden Nacht, die wohl keiner, der „dabei“ war, so schnell wieder vergessen wird, war für die rund 200 Bewohner des Seniorenstifts Bethanien am Donnerstag erst einmal Ausschlafen angesagt. Erst am Morgen durften sie in ihr Heim auf dem Krankenhaus-Campus zurückkehren. Den Mittwochabend und die frühen Morgenstunden hatten sie, verpflegt und betreut unter anderem von Kräften der Feuerwehr Essen, aus Sicherheitsgründen im Kulturzentrum Rheinkamp verbracht, während an der Straße „Am Fünderich“ – auf dem ehemaligen Areal von Union-Getränke, weniger als 800 Meter Luftlinie vom Bethanien und dem angrenzenden Seniorenstift entfernt – zwei Weltkriegsbomben kontrolliert gesprengt wurden.
Bomben um 0.18 Uhr kontrolliert gesprengt
Um 0.18 Uhr am Donnerstagmorgen lösten Christian Matysik und Torsten Gans vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung den Fernzünder aus. Um 4.32 Uhr meldete die Stadt: Evakuierung erfolgreich abgeschlossen.
Auch für die rund 450 Patienten, die am Mittwochabend in einem provisorischen Notkrankenhaus in zwei Sporthallen des Enni-Sportparks Rheinkamp untergebracht oder vorübergehend in andere Krankenhäuser bis nach Köln verlegt wurden, ging es am Morgen – je nach gesundheitlichem Zustand – zum Teil mit Blaulicht und Martinshorn zurück ins Krankenhaus.
Zeitliche Verzögerung bei der Krankenhaus-Evakuierung
Bethanien-Sprecherin Hannah Ecker zeigte sich trotz zeitlicher Verzögerung bei der Krankenhaus-Evakuierung zufrieden mit dem Ablauf: „Alles ist gut gegangen, und das ist das Wichtigste! Man darf auch nicht vergessen: Das Prozedere, das hier umgesetzt wurde, ist auf dem Papier entstanden. In der Realität stellt sich dann manchmal heraus, dass es an der ein oder anderen Stelle doch ein bisschen anders läuft. Das werden wir uns in den nächsten Tagen und Wochen ganz genau anschauen. Am Ende sind es wahrscheinlich kleine Stellschrauben, an denen gedreht werden muss.“
Die Stadt Moers bedankte sich am Donnerstag auf ihren Social-Media-Kanälen bei allen Einsatzkräften und Helfern: den Feuerwehren und freiwilligen Feuerwehren, der Polizei, den unzähligen Rettungsdiensten aus ganz NRW, dem DRK für die Unterstützung im Rettungsdienst und die Verpflegung in den Notunterkünften, der Niag, die Busse für den Transport bereitgestellt hatte, dem Technischen Hilfswerk (THW) für die Ausleuchtung am Ort des Geschehens.
Fast 1800 Portionen Warmverpflegung
Allein der DRK-Kreisverband Niederrhein unterstützte den Einsatz nach eigenen Angaben mit rund 60 ehrenamtlichen Einsatzkräften und übernahm dabei zentrale Aufgaben in der Einsatzführung, medizinischen Versorgung, Betreuung und Logistik. Um die große Zahl an Krankentransporten bewältigen zu können, besetzten ehrenamtliche Kräfte kurzfristig zusätzliche Rettungsfahrzeuge. Gleichzeitig sorgten weitere Helfer für die technische und logistische Unterstützung des Einsatzes. So transportierte zum Beispiel ein Gerätewagen zusätzliche Pflegebetten aus Krefeld nach Moers.
Auch die Versorgung der Einsatzkräfte und Betroffenen stellte eine erhebliche logistische Herausforderung dar. Insgesamt wurden mehr als 500 Einsatzkräfte sowie zahlreiche Betroffene über mehrere Ausgabestellen mit Speisen und Getränken versorgt. DRK-Küchenstandorte in Moers, Wesel und Dingden produzierten gemeinsam fast 1800 Portionen Warmverpflegung sowie Tausende Getränke und Kaffeeportionen.