Elektrischer ES90 im t-online-Test
93.000 Euro – und dennoch wurde gespart
30.05.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 6 Min.
Schwede mit chinesischen Genen: Der ES90 wird – wie schon sein Vorgänger – in Chengdu gebaut. (Quelle: Volvo)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Der ES90 ist Volvos neues Flaggschiff – vollelektrisch, in China gebaut und digital bis ins Detail. Im Alltagstest zeigt sich, wie viel „alter Schwede“ noch drinsteckt.
Silber oder Schweinchenrosa? So richtig wollte sich die „Aurora Silver“ genannte Lackfarbe nicht erschließen. Ein wenig erinnerte sie an einen schimmernden Fisch – oder ist das so gewollt, um die Nähe zur schwedischen Natur zu unterstreichen?
Wie auch immer: Einst stand Volvo für kantigen Schwedenstahl, nüchterne Kombis und bestenfalls SUVs. Mit dem ES90 zeigen die Schweden, wie stark sich die Marke verändert hat: Die etwas rundliche, höhergelegte Oberklasselimousine wird in China gebaut, fährt vollelektrisch und setzt auf ein digitales Bedienkonzept. Und trotzdem bleibt sich Volvo im t-online-Alltagstest im Kern treu.
t-online-Alltagstest – was ist das?
Beim Alltagstest nehmen wir neue Fahrzeuge über mehrere Tage oder sogar Wochen unter die Lupe – und zwar im ganz normalen Einsatz: im Stadtverkehr, auf der Autobahn, beim Einkaufen, Pendeln oder auf Reisen. Anders als beim Kurztest auf Herstellerveranstaltungen können wir so auch Details bewerten, die sich erst im täglichen Gebrauch zeigen: Wie komfortabel ist das Fahrwerk wirklich? Wie intuitiv lässt sich das Infotainment bedienen? Wie praxisnah ist die Reichweite? Wie viel passt in den Kofferraum? Ein Alltagstest zeigt, wie gut ein Auto im echten Leben funktioniert.
Keine klassische Limousine mehr
Zwar spricht Volvo weiterhin von einer Limousine, tatsächlich wirkt der fünf Meter lange Stromer aber eher wie eine Mischung aus Fastback und Crossover.

Heck des Volvo ES90: Eine Mischung aus Limousine, Fastback und ein bisschen SUV. (Quelle: Volvo)
Der ES90 ist höher, die Dachlinie fällt flacher ab und auch das Heck orientiert sich weniger an klassischen Stufenheckmodellen. Hinzu kommen bündige Türgriffe, eine große Heckklappe statt eines kleinen Kofferraumdeckels und viele sichtbare Kameras und Sensoren.
Besonders auffällig ist der Lidar-Sensor auf dem Dach des Testwagens, der an ein Taxi-Schild erinnert. Allerdings ist der Hersteller mittlerweile pleite, der Sensor ist bei den Serienversionen nicht mehr erhältlich. Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren sollen den ES90 dennoch zu einem der sichersten Volvo-Modelle überhaupt machen. Volvo spricht beim ES90 sogar von einem „Safe Space“ – also einem Schutzraum für Fahrer und Passagiere. Sieben Kameras, fünf Radare, zwölf Ultraschallsensoren sowie Fahrerüberwachung und Innenraumsensorik arbeiten ständig im Hintergrund.
Außen schwer, innen überraschend leicht
Während der ES90 von außen massiv wirkt, fühlt er sich innen luftig an. Statt eines wuchtigen Armaturenträgers dominieren geschwungene Flächen, gut verarbeitete Materialien und hinterleuchtete Holzleisten. Dazu kommen Stoffe und eine angenehme Lichtstimmung. Das Ganze erinnert an ein modernes skandinavisches Wohnzimmer. Das große Panoramaglasdach verstärkt den luftigen Eindruck zusätzlich. Es lässt sich elektronisch abdunkeln und hält besonders aggressive Sonneneinstrahlung draußen.
Viel gelungen – manches unnötig kompliziert
Im Mittelpunkt des Fahrer-Arbeitsplatzes steht ein großes Hochkantdisplay mit Android-basiertem Betriebssystem. Google Maps, Sprachsteuerung und Ladeplanung funktionieren sehr gut. Mit der Integration von Google hat Volvo einen cleveren Weg gewählt: Viele Nutzer kennen die Bedienlogik bereits aus dem Alltag und finden die wichtigen Funktionen schnell.
Trotzdem zeigt der ES90 auch die typischen Schwächen moderner (Elektro-)Autos. Viele Funktionen wandern in Untermenüs oder es werden Schalter abgeschafft, die eigentlich sinnvoll sind. Früher konnte man einen Volvo gefühlt noch mit angezogenen Winterhandschuhen bedienen. Dann wurden es immer weniger Tasten und heute gibt es fast keine mehr.
