Als Michael Laumen im Dezember 2025 plötzlich Schmerzen in der Brust spürte, ahnte er zunächst nicht, wie ernst die Situation war. Der damals 58-Jährige war auf der Arbeit, ihm wurde schwindelig. Er fuhr nach Hause, legte sich schlafen, doch als er wieder aufwachte, waren die Symptome unübersehbar. „Ich hatte Schmerzen in der Brust und im linken Arm“, erinnert er sich. Dass er heute so darüber sprechen kann, verdankt er vor allem seiner Tochter Lena. „Sie hat sofort reagiert und den Krankenwagen gerufen“, sagt Laumen.

Im Johanna-Etienne-Krankenhaus wurde schnell klar: Herzinfarkt. Innerhalb kurzer Zeit wurden insgesamt drei Stents gesetzt, einer noch in der Nacht, zwei weitere am nächsten Tag. Es folgten Tage im Krankenhaus und anschließend eine mehrwöchige Reha in Düsseldorf. „Von Mitte Januar bis Mitte Februar war ich in der kardiologischen Reha“, berichtet er. Dort wurde ihm klar, dass sich sein Leben verändern muss. „Ernährung umstellen, mehr Bewegung, abnehmen – das gehört jetzt alles dazu“, sagt er. Ein zentraler Baustein sollte dabei der Herzsport sein. Doch genau hier begann Laumens Problem. „Weder im Krankenhaus noch in der Reha wurde mir konkret eine Gruppe in der Nähe empfohlen und wenn, dann hatten sie ewig lange Wartezeiten. Das war nicht zumutbar“, erzählt er. Zwar habe er eine Liste erhalten, doch die Herzsportgruppe der DJK Holzbüttgen stand nicht darauf. „Ich habe sie nur durch eigene Recherche und viel Glück gefunden“, sagt Laumen. Ein Glücksfall, wie sich schnell herausstellte.

Heute nimmt er einmal pro Woche am Training teil – immer mittwochs, 90 Minuten lang. Geleitet wird die Gruppe von Sarah Franke, Sportwissenschaftlerin und seit über zehn Jahren Übungsleiterin im Herzsport. „Das Training findet immer statt“, sagt sie. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Herzerkrankungen, unabhängig von Alter oder Geschlecht. „Bei uns sind Teilnehmer zwischen 20 und 90 Jahren dabei“, sagt Franke. Aktuell gibt es bei der DJK sogar noch freie Plätze, anders als bei vielen anderen Vereinen, die lange Wartelisten haben. „Alle sind willkommen“, betont sie. Die Teilnahme erfolgt in der Regel über eine ärztliche Verordnung, die von der Krankenkasse bezuschusst wird. „In der Regel gilt das für sechs Monate“, erklärt Franke. Alternativ ist immer auch eine Mitgliedschaft möglich.

Ein entscheidender Unterschied zu herkömmlichen Sportangeboten: „Bei jeder Einheit ist ein Arzt anwesend“, sagt Franke. Diese medizinische Begleitung gibt vielen Teilnehmern Sicherheit. Auch Michael Laumen bestätigt das. „Das nimmt einem die Angst“, sagt er. Die Gruppe ist auf maximal 20 Teilnehmer begrenzt und vom Behinderten- und Rehabilitationssportverband zertifiziert. Das Training selbst ist vielseitig aufgebaut. Zu Beginn stehen oft leichte Aufwärmübungen oder kleine Sprints auf dem Programm. Es folgen Ausdauertraining, koordinative Übungen und auch Krafttraining – etwa zur Sturzprophylaxe. „Wir achten darauf, dass jeder in seinem Tempo trainiert“, erklärt Franke. Dabei spielt auch die Pulskontrolle eine wichtige Rolle. „Die Teilnehmer sind verpflichtet, ihren Puls während der Belastung mehrmals zu messen“, sagt sie. Zwischen den Übungen wird immer wieder kontrolliert, ob die Belastung angemessen ist. „Sicherheit steht an erster Stelle“, so Franke.

Unterstützt wird sie dabei von einem Arzt – am Tag unseres Besuchs war Elisabeth Cronen dabei. Normalerweise begleitet Dr. Reimar Voß die Gruppe. „Ohne ärztliche Begleitung findet kein Training statt“, betont Franke. Neben den gesundheitlichen Aspekten spielt auch die Gemeinschaft eine große Rolle. „Vielen tut es einfach gut, sich auszutauschen“, sagt Cronen. Das bestätigt auch eine Teilnehmerin. „Man ist hier nicht allein mit seiner Geschichte“, sagt die 81-jährige Gisela. Für viele ist die Gruppe ein wichtiger Teil des Alltags geworden. Auch Laumen hat schnell Anschluss gefunden. „Das ist eine gute Mischung aus Bewegung und Gemeinschaft“, sagt er. Zuhause versucht er, die Übungen fortzuführen. „Vieles kann man gut übernehmen“, erklärt er. Für ihn steht fest, dass solche Angebote bekannter gemacht werden müssen. „Aus meiner Sicht sollte das unbedingt im Entlassungsbericht stehen“, sagt er. In Kaarst gibt es mehrere Herzsportgruppen, doch viele sind ausgelastet. Dass in Holzbüttgen noch Plätze frei sind, ist eher die Ausnahme.