Nach der Nachricht über das Ende der aktiven Entwicklung von „Destiny 2“ blicken Fans und Industrie besorgt auf Bungie. So fand jetzt auch Valve-Veteran Chet Faliszek deutliche Worte für die missliche Lage des Studios – und sieht für die Beziehung zu Sony persönlich schwarz.

Die Community von „Destiny 2“ und auch weite Teile der Gaming-Branche sind nach wie vor in Aufruhr: In der vergangenen Woche verkündete Bungie überraschend das nahende Ende der aktiven Entwicklung von „Destiny 2“.

Am 9. Juni 2026 wird mit „Monument of Triumph“ das finale Update erscheinen, woraufhin der Live-Service-Shooter nach fast einem Jahrzehnt offiziell in den Wartungsmodus versetzt wird. Neue Inhalte sind ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu erwarten – immerhin bleiben die Server jedoch weiterhin online.

Dennoch brodelt die Gerüchteküche rund um Bungie aktuell gewaltig. Unter anderem machen Berichte über eine drohende Entlassungswelle die Runde, da ein „Destiny 3“ laut Insidern nicht in Sicht ist. Zu allem Überfluss zeichnet nun auch ein echtes Branchen-Schwergewicht ein düsteres Bild für die Zukunft des traditionsreichen Entwicklerstudios.

„Ich glaube nicht, dass es Sony noch kümmert“

So meldete sich jetzt Valve-Urgestein Chet Faliszek zu Wort. Der Branchen-Veteran arbeitete über ein Jahrzehnt als Autor und Designer bei Valve und drückte unter anderem den beiden „Half-Life 2“-Episoden sowie den „Portal“– und „Left 4 Dead“-Spielen seinen kreativen Stempel auf.

Und in seinem neuesten Video machte er keinen Hehl daraus, wie tief besorgt er über Bungie und vor allem über das Schicksal der Angestellten ist: „Ich bin einfach total frustriert, weil die Einstellung von Destiny 2 am 9. Juni bedeutet, dass sie keinen großen Haufen Leute mehr brauchen, um Destiny 2 am Laufen zu halten, und sie kein Destiny 3 machen.“

Das eigentliche Problem liegt laut Faliszek aber noch tiefer: Sony blätterte im Jahr 2022 stolze 3,6 Milliarden US-Dollar für das Studio hin – vor allem, um von Bungies Expertise im Bereich der Live-Service-Spiele zu profitieren und eigene Marken zu pushen.

Doch der Plan scheint mit Blick auf den im Frühjahr gestarteten Shooter „Marathon“ bislang überhaupt nicht aufzugehen – im Gegenteil: Er gilt quasi als gescheitert. 

Entsprechend hart fällt das Fazit des Valve-Veterans zur aktuellen Stimmung beim PlayStation-Hersteller aus: „Marathon war die große Wette, und die hat nicht gezündet. Sony hat Bungie wegen ihrer Multiplayer-Spiele gekauft … Ich glaube nicht, dass es Sony noch kümmert, oder?“

Das ewige Streben nach dem „nächsten Counter-Strike“

Warum aber schlägt Sony nicht den vermeintlich sichersten Weg ein und gibt grünes Licht für ein vollwertiges „Destiny 3“? Für Faliszek liegt die Antwort im unersättlichen Hunger großer Publisher nach unendlichem Wachstum.

Ein klassisches Sequel, das nach ein paar Jahren wieder bei null beginnt, passe schlicht nicht mehr in das Beuteschema der Industrie. Sie wollen lieber Spiele, die über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Geld abwerfen: „Counter-Strike läuft seit 1997. Diese Spiele, einmal wenn sie ihr Publikum gefunden haben, können ewig leben – und genau das ist es, dem diese Publisher hinterherjagen.“

Destiny 3: Darum traut sich Sony nicht an einen Nachfolger

Und da selbst „Destiny 2“ trotz starker Jahre am Ende die Puste ausging und die jüngste Erweiterung kommerziell enttäuschte, dürfte Sony extrem zögerlich sein, erneut Hunderte Millionen Dollar in eine Fortsetzung zu pumpen.

Warum kleinere Projekte für Bungie keine Rettung sind

Auch dem zuletzt oft von der Community vorgeschlagenen Plan, Bungie solle sich gesundschrumpfen und stattdessen an mehreren, kleineren und experimentelleren Projekten arbeiten, erteilte Faliszek eine Absage – vor allem wegen der astronomischen Marketingkosten für komplett neue Marken.

„Das funktioniert nicht, das lässt sich in Unternehmen dieser Größe nicht skalieren, weil es da ein paar Probleme gibt. […] Es ist verdammt schwer und manchmal extrem teuer, die Leute dazu zu bringen, sich für etwas völlig Neues zu interessieren“, so Faliszek, der zudem eine Anekdote aus seiner Zeit bei Valve teilte.

Demnach habe Valve damals allein für TV-Spots zu „Left 4 Dead 2“ rund 35 Millionen Dollar in die Hand genommen – und das bei einem Nachfolger zu einem bereits extrem beliebten Hit. Für eine völlig neue, kleinere IP von Bungie wären die Hürden, auf dem heutigen Markt überhaupt wahrgenommen zu werden, ungleich höher und teurer.

Letztlich bleibt abzuwarten, wie es mit Bungie weitergeht und wie Sony am Ende mit seiner Milliarden-Investition umgeht – vor allem, wenn „Destiny 2“ im Juni auf Sparflamme gesetzt wird und „Marathon“ weiter schwächelt.

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