Bei einem Messerangriff in einem Bus des Schienenersatzverkehrs wurden am 14. Februar zwei junge Männer schwer verletzt. Am Mittwoch hat vor dem Landgericht Wuppertal der Prozess wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen gegen einen 21-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, auf zwei wehrlose Fahrgäste eingestochen zu haben. Vorausgegangen war ein Streit zwischen zwei Gruppen von Karnevalisten.
Der Angeklagte ließ zu Beginn der Verhandlung seine Verteidigerin ein Schreiben verlesen, in dem er die Taten gesteht und beteuert, dass es ihm leidtue: Die Situation sei eskaliert und er wisse, dass er dafür geradestehen müsse. Bei der Tat hatte der 21-Jährige einen Blutalkoholgehalt von 1,4 Promille, zudem zuvor Kokain und Cannabis konsumiert.
Die Polizei war am 14. Februar gegen 23 Uhr zum Robert-Daum-Platz gerufen worden, nachdem ein Streit in dem Bus von Düsseldorf nach Hagen eskaliert war. Im Bus waren viele kostümierte Menschen, die zuvor in Köln Karneval gefeiert hatten. Der 21-Jährige befand sich mit zwei Freunden und einer Freundin auf Höhe des Drehgelenks, als sie mit einer anderen Gruppe junger Erwachsener aus dem hinteren Teil des Busses aneinandergerieten. „Es ging 40 Minuten hin und her. Wir wurden von ihnen als ‚scheiß Deutsche‘ beschimpft, worauf wir mit ‚scheiß Ausländer‘ geantwortet haben“, erzählte der Angeklagte.
Als sich die Situation immer weiter zuspitzte, kamen zwei junge Männer aus dem vorderen Bereich des Busses zu der Gruppe, um zu versuchen, den Streit zu schlichten. Dabei schlug einer unter anderem einen Freund des Angeklagten. „Ich habe mir gesagt, ab dem ersten Schlag fange ich an“, berichtete der Angeklagte.
Er habe sein Messer gezückt, das er unter seinem Koala-Kostüm versteckt hatte, und auf „den anderen, der mich schief angeguckt hat“ eingestochen. Zunächst in den unteren Bauch und anschließend ins Gesicht. Dabei habe er, so der Vorwurf von Staatsanwalt Patrick Penders, billigend in Kauf genommen, ihm tödliche Verletzungen zuzufügen. „Er wird einfach abgestochen. Er bekommt gar nichts mit“, betonte der Vorsitzende Richter, der Videoaufnahmen von der Tat gesehen hatte.
Das Opfer erlitt, wie eine Rechtsmedizinerin später bestätigte, eine Schnittverletzung in der linken Augen- beziehungsweise Wangenregion sowie durch den Stich in den rechten unteren Bauchbereich eine stark blutende Verletzung des Leberlappens, die zu einem hohen Blutverlust führte und umgehend notoperiert werden musste. Es bestand akute Lebensgefahr.
Die Situation eskalierte weiter und der 21-Jährige schlug dem Freund des ersten Opfers mehrfach auf den Kopf und in den Nacken. „Beide waren wehrlos, da man den 21-Jährigen nicht als Täter identifizieren konnte. Er hat heimtückisch agiert“, so Penders.
Das zweite Opfer erlitt laut der Rechtsmedizinerin einen zehn Zentimeter langen Schnitt bis auf den Knochen vom Haaransatz bis zur Nasenspitze, einen etwa 15 Zentimeter langen Schnitt hinterm rechten Ohr bis zur Kopfschwarte, eine rund fünf Zentimeter lange Schnittwunde am Hinterkopf und eine circa fünf Zentimeter große offene Wunde an der Nase. Nur durch einen Tritt konnte sich das Opfer von dem „Koala“ lösen. Der Angeklagte erklärte: „Ich war im Tunnel. Bei mir sind alle Sicherungen durchgebrannt. Ich weiß nicht, warum es so eskaliert ist.“
Der Bus hielt an und der 21-Jährige flüchtete nach eigenen Angaben in Richtung Schwebebahnstation. Warf sein Kostüm dort in die Wupper und das große Messer mit orangenem Griff in einen Busch. Etwas später lief er – in normaler Kleidung – zurück zum Bus – wurde auf dem Weg dorthin von einem Polizisten erkannt und festgenommen.
Auf dem Weg in den Polizeigewahrsam sei er ganz ruhig und klar gewesen, berichtete ein Polizist, der am Mittwoch als Zeuge geladen war. In der Zelle sei er dann plötzlich ausgerastet, gegen die Tür gesprungen und habe die Beamten zum Kampf aufgefordert. „Als wir darauf nicht eingingen, hat er gerufen: ‚Wenn ich mich selbst verletzte, dann müssen Sie reinkommen.‘“ Beim Blick in die Zelle habe er dann gesehen, wie der 21-Jährige seinen Kopf gegen die Wand schlug, woraufhin er und drei Kollegen in die Zelle gingen und den jungen Mann fixierten.
Es sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt.