Günstig im Umland wohnen? In Leinfelden-Echterdingen stimmt das längst nicht mehr – Kauf- und Mietpreise liegen hier teils auf Stuttgarter Niveau oder darüber.

Franca und Dennis Blauss suchen mit ihren beiden Töchter Romi und Mara in Leinfelden-Echterdingen eine größere Wohnung oder ein Haus zum Kaufen – „weil wir hier Familie haben, die uns mit den Kindern unterstützen und die Kinder hier in eine tolle Kita gehen“, wie Franca Blauss sagt. Ihre Drei-Zimmer-Mietwohnung werde mit zwei Kindern einfach irgendwann zu klein.

Doch auch sie merken, wie teuer der Quadratmeter auch in Leinfelden-Echterdingen und damit im Stuttgarter Umland ist – mehr als in manchen Stuttgarter Stadtbezirken. Und auch die Mieten liegen auf ähnlichem Niveau. Daten der Investmentberatung Jones Lang LaSalle (JLL) zeigen, was die Angebotsmieten und Quadratmeterpreise für Bestandswohnungen in den größeren Städten in der Region Stuttgart zuletzt gekostet haben.

Eigentumswohnungen sind in Leinfelden-Echterdingen teurer als in vielen Stuttgarter Bezirken

Wollte man eine Eigentumswohnung kaufen, war der Quadratmeterpreis auch 2024 schon in Leinfelden-Echterdingen am teuersten. Von 2024 auf 2025 ist er noch einmal gestiegen. Das bestätigt jedoch nur den generellen Trend; außer in Leonberg, Remseck am Neckar und Waiblingen haben die Kaufpreise in allen betrachteten Städten eher angezogen.

Die folgende Grafik zeigt die Kaufpreise in der Region Stuttgart:

Damit spielte Leinfelden-Echterdingen (4.295 Euro) zuletzt bei den Quadratmeterpreisen in einer Liga mit den Stuttgarter Bezirken Möhringen oder Botnang – und ist sogar teurer als die meisten äußeren Bezirke, darunter Plieningen, Bad Cannstatt und Zuffenhausen (zwischen 3.750 Euro und 4.100 Euro).

„Das ist im Mittelstand nicht zu bezahlen, wenn man nicht erbt“

Familie Blauss sucht idealerweise eine Wohnung mit vier oder besser fünf Zimmern – „das wäre das Sahnehäubchen“, sagt Franca Blauss. „Damit die Kinder, wenn die Größere in die Schule kommt, ein eigenes Zimmer haben.“ Zumal sie beide auch im Home-Office arbeiten. Beide sind in Leinfelden-Echterdingen aufgewachsen und haben Familie dort, die sie mit der Betreuung unterstützen. „Wir arbeiten beide Vollzeit und die Betreuungszeiten hier in der Region sind einfach nicht so, dass wir dadurch alles abdecken können, da sind wir auf unsere Familien angewiesen.“ Wegziehen sei daher vorerst keine Option.

Blauss befürchtet zudem, anderswo nicht gleich wieder einen Krippenplatz für ihre jüngste Tochter zu bekommen. „Außerdem würde dann nochmal eine Eingewöhnung anstehen, das ist mit unseren Vollzeitjobs einfach nicht machbar.“ Dazu komme, dass sie im Außendienst arbeitet und schnell auf der Autobahn sein möchte.

Was sie bisher besichtigt haben, sei jedoch nicht zu bezahlen. Daher haben sie die Suche mittlerweile ausgeweitet und suchen nicht nur in Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, sondern im ganzen Aichtal und der näheren Umgebung. „Wenn man Ansprüche hat, ist man bei der aktuellen Preislage schnell bei 900 000 Euro und bei den aktuellen Zinsen sind das gleich Raten von 3000 bis 3500 Euro pro Monat bei der Bank“, so Franca Blauss. „Das ist im Mittelstand kaum zu bezahlen, wenn man nicht erbt“.

Zumal sie in den meisten Fällen noch einiges hätten sanieren müssen. Dennis Blauss ist selbst Immobilienmakler in der Region. Er kennt den Markt sehr gut und weiß, dass Leinfelden-Echterdingen seit vielen Jahren zu den teuersten Wohnlagen im Raum Stuttgart gehört. „Meiner Meinung nach sind die Preisvorstellungen vieler Eigentümer insbesondere bei sanierungsbedürftigen Immobilien hier dennoch zu hoch angesetzt“, sagt er.

Auch zur Miete wohnt man in Leinfelden-Echterdingen auf Stuttgarter Niveau

Auch bei den Mietpreisen lag Leinfelden-Echterdingen zuletzt an der Spitze. 2025 hat die Stadt mit 14,82 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter die bisherigen Spitzenreiter Ludwigsburg und die Daimler-Stadt Sindelfingen abgelöst, wo das Mieten 2024 noch am teuersten war, und die nun auf dem zweiten und dritten Platz landen. Damit kostet der Quadratmeter auf den Fildern in etwa so viel wie in Obertürkheim (14,76 Euro). In vielen weiteren Stuttgarter Bezirken – darunter auch Weilimdorf, Stammheim, Birkach und Münster – sind die Mietpreise sogar niedriger.

Die folgende Grafik zeigt die Mietpreise in der Region Stuttgart:

Sie hätten auch überlegt, nochmal in eine Mietwohnung zu ziehen, berichtet Dennis Blauss. „Aber da sind wir bei vier oder fünf Zimmern auch schnell bei 2500 Euro Kaltmiete“, sagt Franca Blauss. „Das steht für ein Mietobjekt kaum im Verhältnis und ist nicht zu bezahlen, ohne große Abstriche im Leben zu machen.“

Dass das Stuttgarter Umland attraktiv ist, habe auch mit der Corona-Pandemie zu tun, sagt Sören Gröbel, Leiter der Wohnungsmarktforschung bei JLL Deutschland: „Währenddessen hat sich die Nachfrage ins Umland verlagert.“ Viele hätten sich mehr Platz und Ruhe gewünscht. Inzwischen habe sich das zwar wieder etwas gedreht, aber hochpreisige Lagen im Umland gebe es schon lange – etwa dort, wo große Arbeitgeber sitzen, die Anbindung gut ist oder Freizeit- und Erholungsgebiete liegen. „Und wo sich einmal ein zahlungskräftiges Klientel etabliert hat, zieht das weitere ähnliche Nachfrager nach sich“, erklärt Gröbel.

Ob Familie Blauss bald fündig wird, bleibt abzuwarten. „Dann müssten wir eben weiterhin in unserer Drei-Zimmer-Wohnung wohnen“, sagt Franca Blauss. „Das ginge schon irgendwie.“ Es könnte höchstens sein, dass es Streit unter den Töchtern gebe, wenn sie älter werden. „Aber das würden wir auch hinkriegen.“

Miet- und Kaufpreise

Value-Marktdaten
Die Miet- und Kaufpreise wurden von der Investmentberatung JLL zur Verfügung gestellt und umfassen Inserate auf gängigen Immobilienportalen, die häufig als Grundlage für Marktanalysen und Bewertungen in der Immobilienbranche dienen.

Es handelt sich dabei jeweils um die Mediane der Quadratmeter-Nettokaltmiete in gebrauchten Wohnungen aus den Jahren 2024 und 2025 bzw den Angebotspreisen pro Quadratmeter. Das heißt: Die Hälfte der Angebote war teurer, die Hälfte günstiger. Im Unterschied zum Durchschnitt wird der Median wird weniger von besonders niedrigen oder hohen Werten verzerrt. Möblierter, nur kurzzeitig vermieteter Wohnraum sowie geförderter Wohnraum sind ausgeschlossen.

Bei den Mietpreisen ist zu beachten, dass diese typischerweise über den Mieten älterer Verträge in gebrauchten Wohnungen liegen. Und bei den Kaufpreisen gilt: Auch wenn es sich um Angebotspreise handelt, sind diese realistisch. Denn obwohl Makler in der Regel noch verhandlungsbereit sind, müssen Käuferinnen und Käufer zusätzlich Kosten wie Maklerprovision, Grunderwerbsteuer oder Notargebühren tragen, die den tatsächlichen Kaufpreis insgesamt wieder an das Angebotsniveau heranführen.

Städte in der Region Stuttgart
Für den Vergleich der Miet- und Kaufpreise in der Region Stuttgart haben wir Städte mit mehr als 40 000 Einwohnern aus den Kreisen Böblingen, Ludwigsburg, Esslingen und Rems-Murr verglichen.

Darunter fielen: Böblingen, Herrenberg, Leonberg, Sindelfingen, Esslingen am Neckar, Kirchheim unter Teck, Nürtingen, Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Ditzingen, Kornwestheim, Ludwigsburg, Vaihingen an der Enz, Bietigheim-Bissingen, Remseck am Neckar, Backnang, Fellbach, Schorndorf, Waiblingen, Winnenden und Weinstadt.