Seine drei Brüder führen ihn ans Musizieren heran. „Wir haben als Kinder selbst Trommeln gebaut“, sagt Jarju. Von anderen Musikern lernt er Gitarre, Keyboard und Bass zu spielen. Dann nimmt ihn Tatadinding Jobateh unter seine Fitische – nach Worten von Jarju einer der besten Kora-Spieler Gambias. „Die Kora ist eine traditionelle, afrikanische Harfe.“
Tourneen durch Afrika und Europa
Auf der Bank sitzend nimmt der 44-Jährige das Instrument in die Hände. Seine Finger gleiten über die insgesamt 21 Saiten. Verträumte, weiche Töne erklingen, dann der harmonische Gesang Jarjus. „Fast jedes Jahr versuche ich Familie und Freunde in Gambia zu besuchen“, erzählt Jarju. Mit Tatadinding Jobateh tourt er viele Jahre erst durch den afrikanischen Kontinent, dann durch Europa. Bei seiner ersten Tour ist er 26.
In Gambia lernt er eine Deutsche kennen. Sie verlieben sich und Jarju zieht mit ihr im Jahr 2000 nach Dresden. Nach 26 Jahren sei er seiner Ex-Frau immer noch sehr dankbar, erzählt er, weil diese ihn mit vielen Menschen vernetzt habe. Hilfreich für seine Musiker-Laufbahn in Deutschland.
Anderen einen Ankerpunkt geben
Der Musiker brennt damals vor allem für eine Stadt: „Ich habe mich in Leipzig verliebt.“ Als er in der Messestadt angekommen ist, gründet er den Verein Y.I.L.P. International.
Ich habe mich in Leipzig verliebt.
Abdou Sam Jarju
lebt seit 26 Jahren in Deutschland
Der Verein soll für die migrantische Menschen ein Anker sein, die sich noch nicht zu Hause in Deutschland fühlen und die Orientierung suchen. „Wir zeigen ihnen die Stellen, damit sie sich wohl fühlen in der Stadt“, sagt der Leipziger. So unterstützen er und seine Mitstreiter die Menschen etwa bei Behördengängen. Dabei sei die Anlaufstelle offen für alle.
Was macht der Verein Y.I.L.P. International
Der Verein Y.I.L.P. International wurde 2016 gegründet und hat 34 Mitglieder. Die Abkürzung steht für Youth Integration Livelihood Improvement Project (Projekt zur Integration und Verbesserung der Lebensgrundlagen von Jugendlichen). Zielgruppe sind allgemein aus (West-)Afrika stammende Menschen, die heute in Leipzig und anderen Städten leben. Dem Verein gehören aber auch Mitglieder anderer Nationen an. Hauptanliegen sind: Verständnis und Zusammenarbeit zwischen den Kulturen zu fördern, praktische Hilfe und Unterstützung sowohl Menschen in Afrika als auch hier lebenden Emigrantinnen und Emigranten zukommen zu lassen und zu leisten.
Stadt Leipzig
Treffpunkt offen für alle Menschen
Jarju öffnet die Tür zu dem DDR-Messebau. Sein knallig gelbes Hemd und die Hose, auf denen Früchte und Blätter zu sehen sind, heben ihn vom Grau des Zweckbaus ab. Seine Kleidung strahlt Lebensfreude und Wärme aus.
Im Erdgeschoss zeigt Jarju die Vereinsräume, in denen sich die Mitglieder jedes Wochenende treffen und zu Weihnachten, Silvester oder anderen Feiertagen feiern. Die Räume wirken klein mit den flimmernden Leuchtstoffröhren an der Decke. Er sei dankbar für diesen Ort, erklärt Jarju, obwohl er nicht vollends mit den räumlichen Bedingungen zufrieden sei.
Aus seiner Sicht fehlt überhaupt ein Ort, an dem sich migrantische Menschen in Leipzig treffen können und an dem sie sich austauschen und spielen können.
Musik, die verbinden soll
In einem anderen kleinen Raum stehen hüftgroße, mittlere und auch ganz kleine Trommeln nebeneinander. Jarju beginnt begeistert darauf zu spielen. Er freut sich bereits auf das Afrika-Festival „1000 Drums“ in Leipzig, das er zusammen mit seinem Verein vor einigen Jahren initiiert hatte und jedes Jahr organisiert. Am 29. und 30. August soll es wieder viele Menschen anlocken, sagt Jarju. „Musik, Kultur und Festivals bringen die Menschen zusammen.“