Eine wunderbare Nachricht für alle Menschen in Städten, insbesondere Berlin: Kunstgenuss fördert die Gesundheit und verlängert sogar das Leben. Wer Theater, Museen oder Galerien besucht, wer Bücher liest oder Musik hört, altert langsamer.

Bereits 2019 zeigte eine umfassende Studie der Weltgesundheitsorganisation, dass kulturelle Aktivitäten geistige und körperliche Gesundheit fördern. Jetzt wiesen Forschende des University College London (UCL) erstmals konkret nach: Je vielfältiger und häufiger Menschen kulturell unterwegs sind, desto langsamer altern sie.

Johannes Vogel ist Generaldirektor des Museums für Naturkunde.

Johannes Vogel ist Botaniker, Generaldirektor des Museums für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und Professor an der Humboldt-Universität. In dieser Kolumne schreibt er im Wechsel mit Jutta Allmendinger, Barış Ünal, Ulrike Freitag und Jule Specht zu Wissenschaftsthemen.

Das Ergebnis, veröffentlicht im Journal „Innovation in Aging“: Die Wirkung kultureller Aktivität sei durchaus vergleichbar mit den positiven Auswirkungen von regelmäßiger körperlicher Bewegung.

Wer wöchentlich an Kunst- und Kulturaktivitäten teilnahm, war im Schnitt etwa ein Jahr jünger als diejenigen, die kaum mitmachten. Doch auch schon wenige Aktivitäten tun der Gesundheit gut – und zwar unabhängig von anderen sozialen und gesundheitlichen Faktoren, die den Prozess des Alterns nachweislich beeinflussen.

Biologisches Alter im Blut gemessen

Um das biologische Alter der Teilnehmenden zu schätzen, entnahmen die Londonder Forschenden Blut von 3556 britischen Erwachsenen. Sie verglichen das kulturelle Engagement, das die Menschen in Fragebögen beschrieben, mit den biochemischen Analysen der Blutproben.

Drei sogenannte epigenetische Uhren, wie sie in jedem Menschen ticken, verrieten das biologische Alter. Wie ein Tagebuch zeichnen sie die Gebrauchsspuren auf, die das Leben im Erbgut hinterlässt. Mit zunehmendem Alter gibt es sehr vorhersehbare Veränderungen – Abweichungen erlauben es, das biologische Alter eines einzelnen Menschen abzuschätzen.

Natürlich sind Ursache und Wirkung komplex verknüpft. Wer ins Museum geht, lebt oft auch sonst gesundheitsbewusst. Aber die Londoner Forschenden haben genau für solche Faktoren korrigiert. Der Effekt bleibt.

Die Politik fördert mit Kultur auch Gesundheit

Gerichtet an die Politik bedeutet das Ergebnis: Wer die Vielfalt der Kultur und den Zugang zu ihr fördert, trägt somit auch zu Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen bei. Das zeigt die Londoner Studie, sogar auf molekularer Ebene.

Die neue MuseumsMeileMitte, die am 13. Juni zum Nachbarschaftsfest einlädt, ist damit auch ein Gesundheitsangebot. Ich freue mich, wenn Sie uns besuchen!

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Wer nicht kommen kann, kann gleichwohl etwas für sich tun – ebenfalls wissenschaftlich gut belegt: Raus in die Natur! Spaziergänge durch Wälder, über farbenfrohe Wiesen oder durch grüne Parks sind wahre Quellen der seelischen und körperlichen Gesundheit.