Dynamo-Legende
Vom DDR-Star zum Häftling: Gerd Weber wird 70
31.05.2026 – 10:18 UhrLesedauer: 2 Min.
Gerd Weber in seiner Zeit bei Dynamo Dresden (Archivfoto): Der Offensivspieler gehörte zu den besten Fußballern der DDR. (Quelle: Hanns-Peter Beyer/dpa)
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Gerd Weber war einer der größten Stars von Dynamo Dresden. Dann kam die Stasi. Zum 70. Geburtstag blickt der Olympiasieger zurück.
Gerd Weber hat mit Dynamo Dresden Titel gewonnen, Olympiagold geholt und einen tiefen Absturz erlebt. An diesem Sonntag wird die Dresdner Fußball-Legende 70 Jahre alt.
„Ich schaue jetzt nach vorn. Jeder Gedanke, der zurückgeht, ist ein vertaner Gedanke. Man kann eh nichts mehr besser machen“, sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur vor seinem Geburtstag. „Irgendwann muss der Deckel drauf sein.“
Olympiasieger mit Dynamo-Vergangenheit
Weber gehörte in den 1970er-Jahren zu den besten Fußballern der DDR. Mit Dynamo Dresden gewann der Offensivspieler drei Meisterschaften und den FDGB-Pokal. Für die DDR-Nationalmannschaft absolvierte er 35 Länderspiele.
Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt der Olympiasieg 1976 in Montreal. Als jüngstes Mitglied des Kaders gewann Weber mit der DDR-Auswahl die Goldmedaille. Das Finale verfolgte er wegen einer Verletzung von der Bank aus.
Verhaftung kurz vor dem Abflug
Doch seine Laufbahn endete abrupt. Kurz vor dem Einstieg in ein Flugzeug zu einer Südamerika-Reise wurde Weber im Januar 1981 gemeinsam mit seinen Dynamo-Mitspielern Peter Kotte und Matthias Müller festgenommen. Die DDR-Behörden warfen den Spielern vor, eine Flucht in den Westen geplant zu haben.
Weber wurde wegen versuchten „ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Elf Monate verbrachte er im Gefängnis. Anschließend durfte er weder Fußball spielen noch sein begonnenes Sportstudium fortsetzen.
Neuanfang im Schwarzwald
Rückblickend sagt Weber: „Die Familie war mein Anker, als ich aus dem Gefängnis kam.“ Nach seiner Entlassung arbeitete er zunächst als Kfz-Mechaniker. 1989 gelang ihm schließlich mit seiner Familie die Flucht über Ungarn in die Bundesrepublik.

Gerd Weber (Archivfoto): Die Dynamo-Legende lebt heute im Schwarzwald. (Quelle: Bernd Wüstneck/dpa)
Heute lebt der frühere Fußballer im Schwarzwald. Dort genießt er nach eigenen Angaben die Anonymität. Gleichzeitig bedauert er, dass die Leistungen des DDR-Fußballs oft unterschätzt würden. „Dabei waren wir damals nicht schlechter als andere Nationen“, sagte Weber.
Trotz seines Wunsches, die Vergangenheit ruhen zu lassen, hält Weber den Kontakt zu vielen früheren Mitspielern. Erst vor Kurzem trafen sich die verbliebenen Olympiasieger von 1976, um an ihren größten Erfolg zu erinnern. „Unsere Zeit war schön“, sagte Weber.

