Umbau mit raffiniertem Raumkonzept: So clever wurde dieses 26 Quadratmeter große Mikroapartment aufgeteilt.

Im Hinterland von Salerno – mit dem Auto sind es nur etwa 20 Minuten bis zum nächsten Strand – liegt die Stadt Eboli. Hier besichtigt man prächtige Palazzi, entdeckt die Überreste einer römischen Wasserleitung oder trinkt einen Espresso mit Blick auf die Berge, die den historischen Stadtkern umrahmen. Für die 2025 verstorbene Dichterin Angela Panaro war Eboli ein Ort des Schreibens. In einem herrschaftlichen Gebäude in der Altstadt schuf sie sich, was Virginia Woolf bereits 1929 in ihrem berühmten Essay als Sehnsuchtsort beschrieb: ein Zimmer für sich allein.

soppalco

Der Architekt Luca Bruno nennt die Installation inmitten der Wohnung „The Cube“. Es entsteht der Eindruck, als würde die Konstruktion im Raum schweben. Dadurch erzeugte er ganz bewusst ein Gefühl von Leere – inspiriert von Stanley Kubricks Film „A Clockwork Orange“.

Antonio AlaimoMikroapartment in Eboli Italien Holzküche und bodentiefe Fenster

Die Küche fertigte der Schreiner Vito Micciariello von Hand. Von der Terrasse aus fällt der Blick auf eine Silber-Akazie, die jedes Jahr im Frühling in gelber Blüte steht.

Antonio AlaimoIn diesem Möbelstück kann man wohnen – ein Kubus eröffnet eine neue Ebene

Diese Wohnung ein Stück südlich von Neapel sollte der Schriftstellerin als Rückzugsort dienen, an dem sie sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte: das Schreiben. Für den Umbau machte sich der Architekt Luca Bruno, Gründer von BrunoArchitettura, das Matroschka-Prinzip zunutze. Wie bei den russischen Holzpuppen, bei denen die kleineren Figuren in größeren verborgen sind, entstand ein raffiniert verschachteltes Raumkonzept. Der Grundriss stellte dabei eine besondere Herausforderung dar: Die nur 26,5 Quadratmeter große Wohnung ist trapezförmig geschnitten und verfügt mit 3,85 Metern zwar über hohe Decken – allerdings nicht hoch genug für ein vollständiges Zwischengeschoss.

Gerade aus dieser Einschränkung entwickelte Bruno die radikalste Idee des Projekts: ein bewohnbares Möbelstück. Ein Kubus aus Mahagoni und Buche strukturiert den Raum, schafft unterschiedlich große Bereiche und eine weitere Ebene, die über eine Treppe angebunden ist. Inspirieren ließ sich der Architekt dabei von einem Meisterwerk der italienischen Renaissance: Antonello da Messinas Gemälde „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“. Darin sitzt der Gelehrte in einer hölzernen Architektur aus Regal, Schreibpult und Podest – ein Raum im Raum. Dieses Prinzip übertrug Bruno auf das Mikroapartment und schuf auf engstem Raum einen Ort, der offen wirkt und zeitgleich Platz für Rückzug und Bewegung bietet.