Warum die Reihenfolge entscheidend ist

Im Labor stießen die Forscher anfangs auf ein logisches Problem: Präsentierten sie den Mücken zuerst das DEET, flüchteten die Insekten sofort, da die angeborene Abneigung zu stark war. Die Lösung lag in der sogenannten Rückwärtskonditionierung. Dabei wurde den Mücken zuerst das Futter angeboten. Erst als sie bereits tranken, wurde der DEET-Geruch in das Röhrchen geleitet. Da die Motivation zur Nahrungsaufnahme beim Blutsaugen überwältigend groß ist, blieben die Mücken trotz des ungemütlichen Geruchs sitzen und speicherten den Duft positiv in ihrem Gehirn ab.

Was wie ein künstlicher Labor-Trick wirkt, spiegelt ein reales Problem im Alltag wider. „Wenn jemand DEET aufträgt und die Konzentration mit der Zeit nachlässt, eine Mücke es aber trotzdem schafft, Blut zu saugen, könnte das Insekt beginnen, diesen Geruch mit einer Belohnung zu verknüpfen“, sagt Forscher Clément Vinauger. In der Natur passiert dann genau das, was im Labor nachgestellt wurde: Die Mücke sticht trotz einer geringen Restkonzentration an DEET zu und verbindet den wahrnehmbaren Geruch des Mittels im Nachhinein mit dem Erfolg der Blutmahlzeit.

Paradigmenwechsel für den Mückenschutz?

Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Repellents rein genetisch festgelegt und unveränderlich wirken – entweder, weil sie Rezeptoren blockieren, oder, weil schlicht abscheulich riechen. Die neuen Ergebnisse zeigen jedoch, dass das Gehirn der Insekten diese angeborenen Programme durch persönliche Erfahrung komplett überschreiben kann. Vinauger betont die Tragweite dieser Erkenntnis: „Was das Insekt gelernt hat, ist genauso wichtig wie die Wirkung der Chemikalie. Das ist meiner Meinung nach ein Paradigmenwechsel.“

Trotz dieser Entdeckung besteht kein Grund zur Panik, und niemand sollte im nächsten Urlaub auf den Schutz verzichten. DEET bleibt laut den Forschern das wirksamste Mittel auf dem Markt, um gefährliche Infektionen abzuwehren. Studien-Erstautor Claudio Lazzari stellt unmissverständlich klar: „Es rettet Leben!“

Die wichtigste Lehre aus der Studie betrifft vielmehr unser eigenes Verhalten bei der Anwendung im Alltag. Um zu verhindern, dass Mücken ein gefährliches Erfolgserlebnis in Kombination mit dem Geruch des Abwehrmittels haben, muss der Schutz lückenlos bleiben. Clément Vinauger gibt dazu einen praktischen Rat für die Praxis: „Anstatt eine große Menge auf einmal aufzutragen, sollte man es regelmäßig neu auftragen, damit es immer aktiv ist und kontinuierlichen Schutz bietet.“ Wer also in tropischen Gebieten unterwegs ist, sollte den Schutzschild rechtzeitig erneuern, bevor die abschreckende Wirkung nachlässt und die Mücken ungewollt ihre erste Lehrstunde erhalten.