Im Opernhaus feierte am Samstag die Oper „Der Florentiner Hut“ von Nino Rota eine umjubelte Premiere. Bei dem italienischen Komponisten denkt man zuerst an seine Filmmusik, die in vielen Hollywood-Klassikern zu hören ist. Doch Rota, der einen Oscar und andere Auszeichnungen bekam, komponierte auch Opern. Seine bekannteste ist die 1955 uraufgeführte Farsa musicale „Il cappello di paglia di Firenze“, die jetzt in Wuppertal zu sehen ist. Sie vereint Oper, Operette und Filmmusik in rasantem Tempo – wie es sich für eine Komödie gehört.
Schon in der Ouvertüre meint man Rossini zu erkennen. In den vier Akten gibt es Zitate von Donizetti und Bellini. Manche Klänge lassen an Puccini denken, andere an Verdi. Doch wenn man meint, die Musik zu erkennen, kommt Rota mit einem komponierten Augenzwinkern daher. Das Sinfonieorchester Wuppertal unter Leitung von Kapellmeister Yorgos Ziavras spielt das alles mit einer charmanten Mischung aus italienischer Leichtigkeit und Absurdität. Rotas Musik – zwischen Hommage an 200 Jahre italienische Oper, leichter Ironie und feinsinniger Komik – kommt hervorragend zur Geltung.
Die Story ist simpel: Der junge Fadinard bereitet seine Hochzeit mit Elena vor, sein Diener Felice stapelt schon die Geschenke. Plötzlich tauchen eine Dame und ihr Liebhaber – Anaide und Emilio – auf und fordern Ersatz für den Hut, den Fadinards Pferd versehentlich gefressen hat. Die Wiederbeschaffung dieses Florentiner Hutes ist dringend erforderlich, da sich die Dame mit Emilio im Gebüsch vergnügt hat und ohne den Hut nicht zum eifersüchtigen Ehemann gehen kann.
Gespür für Tempo, exaktes
Timing und Sinn für Humor
Das ist eigentlich schon alles und im ersten Akt läuft die Geschichte recht langsam an. Der Onkel des Bräutigams bringt ein Geschenk, Fadinard erzählt von seinem Missgeschick „Pferd frisst Hut“ und singt mit seiner Braut Elena eine erste bezaubernde Liebesarie. Der Diener kann keinen Ersatzhut auftreiben, Anaide ist verzweifelt, ihr aufgebrachter Liebhaber droht Fadinard mit einem Duell. Also macht sich der Bräutigam eilig auf die Suche nach einem identischen Hut. Diese absurde Suche lässt dann fast alle Akteure in hohem Tempo mehr als 90 Minuten lang über die Bühne jagen.
Die Geschichte beruht auf der Boulevardkomödie von Eugène Labiche, die 1851 uraufgeführt und weltweit für Bühne und Film adaptiert wurde. Die englische Regisseurin Laura Attridge hat die Komödie mit gutem Gespür für Tempo, exaktes Timing und Sinn für Humor inszeniert. Die Personenführung leuchtet musikalische Feinheiten szenisch aus, die Figuren haben Spielraum, um Eigenschaften und Skurrilitäten zu entwickeln. Das Ensemble der Oper lässt sich mit großer Spielfreude auf das Geschehen ein. Agostino Subacci als Schwiegervater und Oliver Weidinger als gehörnter Ehemann, der auf seine Gattin wartet, singen großartig und zeigen großes komödiantisches Talent. Mark Bowman-Hester (als Gast) spielt den Onkel mit schräger Buffo-Note. Zachery Wilson überzeugt mit klangschönem Bariton in der Rolle des Liebhabers Emilio und Elena Sverdiolaitè ist als Anaide herrlich aufgeregt und zickig. Auch der Opernchor agiert mit praller Spielfreude. Gesanglich sehr gut vorbereitet von Ulrich Zippelius, tritt er in rasantem Tempo in wechselnden Rollen auf und bringt buntes Leben auf die Bühne. Für plausible Bewegungsabläufe – ob Hektik, Tanz oder Freeze – hat Corina Würsch gesorgt.
Fadinard findet keinen Hut. Nicht im Laden einer Modistin (mit schönem Sopran Marianna Ortugno vom Opernstudio NRW), nicht bei der Baronin de Champigny. Edith Grossman hat als Baronin einen köstlichen Diva-Auftritt. Im Glitzerkostüm mit Feder-Boa singt sie mit schönstem Mezzosopran und umgarnt Fadinard. Die Kostüme von Markus Meyer sind in jeder Szene eine echte Augenweide. In der poetischen Welt seiner Bühnenbilder gibt es viel zu entdecken.
Im Salon der Baronin, die den berühmten Geiger Minardi (Liviu Neagu-Gruber) erwartet, trägt man extravagante Abendroben, die Hochzeitsgesellschaft kommt hinzu, es gibt Verwechslungen, abstruse Wendungen und schlechtes Wetter. Lebendige musikalische Intermezzi spielen vor dem Vorhang. Als endlich ein Hut gefunden wird, der mit dem gefressenen Hut identisch ist, dauert es noch einige Zeit, bis Fadinard und Elena Hochzeit feiern können. Francesca Chiejina, ab der nächsten Spielzeit Ensemblemitglied der Oper Wuppertal, singt die Elena mit strahlend schönem Sopran. Der lyrische Tenor Zicong Han vom Opernstudio NRW spielt den Fadinard überzeugend und sehr körperlich. Er singt die Rolle souverän mit schlanker gut geführter Stimme. Schließlich gibt es ein Happy End in schönster Operetten-Seligkeit.
Es folgten riesengroßer Beifall und Bravorufe.