Fußball-Bezirksligist SC Reusrath hat dieser Tage einige Höhepunkte der Vereinsgeschichte zu feiern: Zunächst sicherte sich die Mannschaft von Trainer Marco Schobhofen dank eines 3:0 (1:0)-Erfolges über Germania Wuppertal am 33. Spieltag mindestens die Vizemeisterschaft vor dem großen Saisonfinale, und dazu verabschiedeten die Germanen nach dem Heimspiel mit Moritz Kaufmann ein Eigengewächs und damit eine echte Legende des Klubs. Denn Kaufmann war über Jahre eine wichtige Säule für die sportlichen Erfolge der Reusrather und ist ein fester Bestandteil der Historie. Eigentlich hätte der 34-Jährige nun seinen letzten Auftritt vor heimischem Publikum absolviert, doch höchstwahrscheinlich kommt aufgrund der Relegation um den Aufstieg in die Landesliga noch mindestens eine Partie hinzu.
Weil Verfolger Vohwinkel durch ein 3:3 bei Abstiegskandidat DV Solingen II bereits am Mittag ins Stolpern geraten war, war schon vor dem Spiel klar, dass ein Sieg die Entscheidungsspiele bringen würde. Denn die Wuppertaler können jetzt nur noch Punktgleichheit mit dem SCR erzielen. Reusrath jedoch hat beide Duelle für sich entschieden. „Das ist überragend“, sagte Schobhofen, „wir freuen uns, dass wir noch eine Woche länger zusammenbleiben können.“ Dass seine Elf von Vohwinkels Ausrutscher wusste, lässt sich im Handy-Zeitalter zwar freilich nicht verhindern, gut fand der Coach diesen Umstand aber nicht: „Ich hatte es ungern, weil es den Druck auf uns erhöhte.“
Ausgerechnet Moritz Kaufmann trifft zum 1:0
Schaden trug seine Auswahl gleichwohl nicht davon. Nur selten wurden die Gäste wirklich gefährlich. Sie verlegten sich zumeist auf eine tiefe Defensive und griffen die offensiven Hausherren erst maximal ab der Mittellinie an. Damit hatte Reusrath zunächst auch Probleme, übernahm dann aber mehr und mehr das Geschehen. So spielte sich etwa Gianluca Cserep nach Doppelpass mit Gian Schumann links im Strafraum frei, doch seinen wuchtigen Abschluss parierte SSV-Torhüter Noah Bogun glänzend (20.). Nur zwei Zeigerumdrehungen später war er machtlos, als – ausgerechnet – Kaufmann nach einem verunglückten Klärungsversuch der Gäste nach Ecke den flachen Ball zentral aus 30 Metern direkt in den rechten Winkel schlenzte (22.).
Vor dem Seitenwechsel wurde der Treffer von Leo Luca de Rubertis wegen vermeintlichem Abseits einkassiert – eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Stjepan Volaric (38.). Ihm blieb überdies wenig später keine andere Möglichkeit, als SSV-Verteidiger Mersad Alijevic direkt vom Platz zu stellen (40.). Der Abwehrmann hatte nach einem tiefen Ballverlust der Kollegen SCR-Angreifer Armel Kouassi als letzter Mann klar gehalten. In Unterzahl waren die Offensivbemühungen der Wuppertaler im weiteren Spielverlauf nahezu nicht vorhanden. Schobhofens Team muss sich allerdings den Makel gefallen lassen, dass es aus den Chancen zu wenig Kapital schlug.
Nils Kaufmann übernimmt die Show
Immerhin zwei sehenswerte Treffer gab es noch: Der sehr auffällige Kaufmann setzte sich dabei gegen zwei Gegenspieler durch, gab auf Paul Degner die rechte Seitenlinie hinunter, und der fand mit seiner Hereingabe Kouassis Kopf in der Mitte (53.). Nach Moritz Kaufmanns Auswechslung übernahm sogleich sein Bruder Nils die Show. Seine Flanke in die Mitte kam bei de Rubertis an, der den aufspringenden Ball sehenswert bei Fallrückzieher in die Maschen schickte (73.). Eine weitere Großchance hatte Justin Neufeld, der aber allein zu hektisch vor Bogun den Abschluss verzog. Bei den späteren Feierlichkeiten erhielt Kaufmann unter anderem ein gerahmtes Trikot mit der Nummer elf. „Er hat den für sich besten Zeitpunkt gefunden“, betonte Schobhofen.