400.000 zahlende Kunden pro Jahr: Die NochMall ist beliebt

400.000 zahlende Besucher hatte die NochMall vergangenes Jahr, im Schnitt 8.000 pro Woche, manchmal können es auch 10.000 sein. Rund 550 Tonnen Gebrauchtwaren gingen dabei über die Theke. Gemessen am Gesamtvolumen, das an den Berliner Recyclinghöfen ankommt, sei das allerdings „ein Tropfen auf den heißen Stein, das muss man ganz klar sagen“, so Ingelmann. Im vergangenen Jahr waren das über 141.000 Tonnen. „Aber es ist ein Startpunkt!“

Die Waren stammen zu 60 Prozent von der hauseigenen Annahmestelle hinter dem Markt. Hier können die Berliner die Dinge vorbeibringen, von denen sie sich einerseits trennen wollen, andererseits aber glauben, dass sie zum Wegwerfen zu schade sind. Die übrigen 40 Prozent stammen von vier weiteren Recyclinghöfen, an denen die „Spenden“ abgegeben werden können.

NochMall: Manchmal landen 20.000 Euro Sofas im Verkauf

Nicht alles, was abgegeben wird, landet auch im Verkauf. Ein knappes Drittel gibt die Stadtreinigung an andere Secondhand-Verwerter weiter, vor allem Kleidung oder Bücher. Beim zweiten Drittel lässt der Zustand der Sachen meist nur noch die Entsorgung zu.

Das letzte Drittel hingegen finde in der NochMall zu 95 Prozent neue Eigentümer, sagt Ingelmann. Denn der Zustand von vielem, was Menschen auf den Müll werfen wollten, sei erstaunlich hochwertig. „Es gibt Kanzleien, die irgendwann mal ihr Mobiliar wechseln, auf dem gefühlt noch niemand gesessen hat“, sagt er. „Da sagen wir: Lasst uns das zukommen, hier findet es definitiv Abnehmer.“ Ein anderes Beispiel sind Sofas, die neu mal 10.000 bis 20.000 Euro gekostet haben, „unfassbar hochwertige Unikate, die hier im Verkauf noch Preise von 1.000 oder 2.000 Euro bringen.“

45 tarifgebundene Arbeitsplätze: Wie ReUse wirtschaftlich wird

Vor seinem Start in der NochMall hat Ingelmann bei der Schwarzgruppe gearbeitet. Die betreibt unter anderem die Supermarktketten Lidl und Kaufland. Die Stadtreinigung hat ihn abgeworben, damit er seine Einzelhandelsexpertise einbringt und die NochMall zur gemeinnützigen schwarzen Null führt. Das heißt: Der Markt soll seine eigenen Kosten erwirtschaften. Und Ingelmann ist optimistisch, dass das im kommenden Jahr gelingt.

Schon jetzt arbeiten hier 45 Menschen, die nach Einzelhandelstarif entlohnt werden. Daneben bietet die NochMall Bildung zum Thema ReUse an: Repair-Cafés, Upcycling-Workshops und mehr. Denn die Aufgabe lautet nicht nur, gut erhaltene Dinge wieder in den Umlauf zu bringen. Das Projekt soll das gesellschaftliche Mindset ändern. Bei ihm selbst sei das bereits gelungen, sagt Ingelmann. Denn ursprünglich hat er selbst keine Secondhand-Waren gekauft, doch das habe sich geändert, seit er hier arbeitet. „Ich war erschrocken, was wir hier für wertige Artikel haben, die die Leute weggeschmissen hätten.“

Upcycling-Design statt Secondhand: Das Wiederschön in Leipzig

Das gesellschaftliche Mindset zu ändern, ist auch das Ziel beim „Wiederschön“, dem Konzeptladen der Leipziger Stadtreinigung. Doch das Projekt unterscheidet sich gründlich von dem der NochMall: Hier erinnert fast nichts mehr an den manchmal etwas ramschigen Charme von Secondhand. Stattdessen stehen hochwertige Designerstücke im Vordergrund, bei denen man mitunter erst auf den zweiten Blick bemerkt, dass es sich um Upcycling handelt.