Angenehm warme Temperaturen, aber keine brütende Hitze, herrschten am Samstag, als der Mittelaltermarkt auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone begann. Und schon drängten sich unzählige Besucher zwischen den vielen Ständen, sodass zuweilen kaum noch ein Durchkommen war. Hier konnten die kleinen und großen Mittelalterfreunde sich zurückversetzen lassen in die Zeit um 1276, in das Geburtsjahr von Ratingen.
Während mittelalterliche Musik, gespielt mit mittelalterlichen Instrumenten, durch die Innenstadt hallte, verbreiteten die unterschiedlichen Köstlichkeiten ihre verlockenden Düfte und luden so manchen dazu ein, innezuhalten und sich zu stärken. An einem Spieß drehte sich ein Spanferkel, der Fladenbäcker versah seine Fladen mit unterschiedlichen Füllungen, Flammkuchen, Knobi-Brot, Kartoffelspiralen oder Rittersteak mit Brötchen wurden verzehrt. Zum Abschluss und zur Abkühlung gab es Wikinger-Eis. Auch bei den Getränken war die Auswahl groß. Vom klassischen Met über schwedisches Bier bis hin zu Kirschbier war alles geboten.
Kleine Drachen und Funkelsteine
Daneben wurde unterschiedliches Kunsthandwerk feilgeboten. So hatte der Töpferbaron Trinkgefäße vom Trinkhorn über Tassen bis hin zu kleinen Schnapsbecherchen dabei, aber auch Öllampen in Drachenform. Ebenfalls Drachen gab es bei Bianca Rohmann – die Mäusemafia – aus Castrop Rauxel. Sie schminkte nicht nur die Kinder, sondern hatte auch kleine Drachen, Lindwürmer oder sogar Baby-Drachen und Funkelsteine für die Kinder dabei, die sie „taschengeldfreundlich“ anbot. „Auf Mittelaltermärkten bin ich am liebsten“, gab sie zu. „Da sind die Menschen entspannt und freuen sich darauf, zu stöbern.“
Handgemachte Seifen duften
An einem anderen Stand konnten sich Besucher ein kleines Kunstwerk aus Henna auf die Haut malen lassen, das eine Haltbarkeit von etwas 10 Tagen hat. Perlenschmuck, Waffen aus Holz, wie Bogen, Speere und Wurfschleudern, gab es und die dazu passenden Schilde ebenfalls. Waren aus Leder, wie Beutel in unterschiedlichen Größen, Gürtel, Taschen und Bänder konnten genauso erstanden werden, wie mittelalterliche Gewänder und Gewandungen. Besonders feine Düfte umwehte der Stand mit den handgemachten Seifen, die nach Rosmarin, Lavendel oder Rose dufteten.
Für die Kinder gab es ein Riesenrad aus Holz mit vier Kabinen oder ein Piraten-Karussell, mit welchen sie horizontale und vertikale Kreise zogen. Wer kreativ werden wollte, konnte bei Peter eigenhändig eine kleine Schale töpfern. „Das ist eine lufttrocknende Masse“, verriet der Töpfermeister, der aus Baden gekommen war, während er einem Jungen hilft, eine Schale mit der Drehscheibe zu formen. Bald schon ist die Schale perfekt und wird zum Trocknen eine Stunde in die Ecke gestellt. Der Junge – Finn – kann stolz sein. Er hat eine Kinder-Töpferscheibe Zuhause und hat sich schon im Töpfern ausprobiert. Was hat er schon getöpfert? „Eine Robbe“, verrät der 10-Jährige. Auch andere Tiere. „Mit dem Gefäß hat es nie geklappt“, erzählt seine Mutter Nicole. Und durch das Töpfern mit Peter weiß Finn jetzt auch, warum. „Wir haben viel zu wenig Wasser genommen“, erklärt die Ratingerin.
Kinder können Hufeisen schmieden
Einige Stände weiter erklingen helle Hammerschläge. Hier durften die Kinder Hufeisen schmieden, natürlich auch mit tatkräftiger Unterstützung. Allerlei aus Holz gab es ebenfalls, von einfachen Kochlöffeln und Holzbrettern bis hin zu Tassen, Wanduhren, Mörser und Schachbrettern. Auch Leckeres konnten die Besucher mit nach Hause nehmen, wie Gewürze, Honig oder eine Wurst vom Salami-Dealer.
Märchen aus dem Mittelalter
Märchenhaft ging es im Zelt von Fabulix zu. Die Märchenerzählerin aus Dortmund hatte eine Auswahl an Märchen mitgebracht. „Ich erzähle keine Grimms Märchen, sondern Märchen aus dem Mittelalter“, erklärt sie. „Die sind älter und die Kinder kennen sie noch nicht.“ Bei ihren Märchen dürfen die Kinder auch immer aktiv werden. Und abends gibt es dann Märchen nur für Erwachsene. „Die sind erotisch und eindeutig zweideutig“, verrät Fabulix. „Und sehr unterhaltsam.“
Bei den Kinder-Ritterspielen ist sie General Fabulix und bekommt ihre Schatzkiste gestohlen. „Mit den Kindern hole ich mir dann meine Schatzkiste wieder zurück.“ Der Mittelaltermarkt in Ratingen war ein voller Erfolg und verlangt nach einer Wiederholung.
INFO
Besonderen Anklang fanden die Schaukämpfe der Ritter zu Ratingen, die auf dem Kirchplatz stattfanden. In einer unterhaltsamen Inszenierung boten sich erfahrene Kämpfer energiegeladene Duelle, eingebettet in eine spannende Geschichte.