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Bochum – Der Klassenerhalt ist geschafft. Der Kader befindet sich im Umbruch. Der VfL Bochum will alles versuchen, um in der kommenden Saison wieder oben mitspielen zu können. Damit das gelingt, sind die Verantwortlichen gefragt. Im exklusiven BILD-Interview spricht Geschäftsführer Ilja Kaenzig über die vergangenen 12 Monate.

BILD: Herr Kaenzig, die Profis sind im Urlaub. Wie sieht es bei Ihnen aus – gebucht, storniert oder keine Pläne gehabt?

Ilja Kaenzig (52): Urlaub ist beim VfL Bochum – zumindest aktuell – nicht drin (lacht). Wir besprechen die Saison intern im größeren Kreis. Und keine Sorge: Das wird eine schonungslose Analyse. Wir sind uns der Fehler bewusst und haben bereits Maßnahmen eingeleitet. Zudem hat uns Uwe Rösler den Auftrag an die Hand gegeben, dass nach seinem Urlaub eine neue Mannschaft auf dem Platz steht. Das wird herausfordernd genug.

Der VfL ist auf dem 9. Platz gelandet, steckte lange im Abstiegskampf. Ihr Fazit?

Ehrlich gesagt sind wir erleichtert. Wir hatten 3 Punkte nach 8 Spielen. Da waren wir sehr nervös. Es hätte mit diesem Handicap nicht gereicht, wenn wir in den 26 Spielen von der Ideallinie abgekommen wären. Nach den Spielen gegen Braunschweig (4:1, d. Red.) und Fürth (2:1, d. Red.) ist eine Last abgefallen. Der Punkt gegen Bielefeld (1:1, d. Red.) war dann Gold wert. Da sind wir dem Teufel von der Schippe gesprungen. Jetzt wollen wir nach vorn schauen und endlich mal wieder eine Saison ohne Fehlstart erleben.

Kevin Vogt (34) sollte ein Anführer werden. Eine Knieverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er beendete seine Karriere vorzeitig, trotz Vertrag bis 2027

Kevin Vogt (34) sollte ein Anführer werden. Eine Knieverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Er beendete seine Karriere vorzeitig, trotz Vertrag bis 2027

Foto: picture alliance/SVEN SIMON

Erlauben Sie einen Blick zurück. Der vergangene Transfersommer lief bescheiden. Warum?

Das muss differenziert betrachtet werden. Ich halte es für keinen Fehler, Leihspieler zu verpflichten, die dem Klub eine Qualität geben, die wir ansonsten nicht bezahlen können. Die Jungs, die wir ausgeliehen haben, haben uns geholfen. Die gekauften Spieler haben unterschiedlich funktioniert. Philipp Strompf war unumstrittener Stammspieler und war bei vielen Klubs auf dem Zettel. Kevin Vogt kam leider nicht in die Spur, hatte mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Im Sturm hatten wir uns von Ibrahim Sissoko und Mathis Clairicia deutlich mehr versprochen, ohne Frage. Das war eines unserer Probleme. Aber …

Ja?

Als wir diese Spieler geholt haben, gab es von allen Seiten Lob. Viele Experten haben uns zum Aufstiegsfavoriten erklärt. Am Schluss zählt jedoch das Ergebnis und wir werden unsere Lehren daraus ziehen. Eine Erkenntnis ist: Wir brauchen keine guten Spieler, wir brauchen gute Transfers. Das ist für mich ein klarer Unterschied.

Cajetan Lenz (19) war einer der wenigen Lichtblicke beim VfL Bochum. Er wechselt für 10 Mio. Euro zur TSG Hoffenheim

Cajetan Lenz (19) war einer der wenigen Lichtblicke beim VfL Bochum. Er wechselt für 10 Mio. Euro zur TSG Hoffenheim

Foto: Anke Waelischmiller/dpa

Bochums Budget sinkt weiter

Wie viel Geld steht zur Verfügung?

Das Budget wird nicht mehr so hoch sein wie in der vergangenen Saison. Das liegt auch an dem Fernsehgeld, da uns die Absteiger (Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim, d. Red.) von der TV-Geld-Tabellenspitze verdrängen. Wir wissen noch nicht, ob wir wieder so viele junge deutsche Spieler zum Spielen bringen werden, die uns in der aktuellen Nachwuchssäule rund 2,5 Mio. Euro eingebracht haben. Wobei der Lizenzetat gerade in der 2. Liga nicht allein entscheidend ist, sonst wäre beispielsweise Elversberg nicht aufgestiegen. Wichtig ist, dass wir eine Mannschaft formen. Das ist uns in dieser Saison leider zu spät gelungen.

Kaenzig: „Wir müssen nachziehen“

Können Sie denn die Millionen durch den Transfer von Cajetan Lenz in Ablöse reinvestieren?

Der VfL hat in seiner Geschichte fast nie Ablöse bezahlt. Das können wir nur, wenn wir selbst Transfererlöse generieren. Da waren wir zuletzt unterdurchschnittlich, aber genau daran arbeiten wir. Wir sind im vergangenen Sommer ins Risiko gegangen. Wenn das nicht aufgeht, müssen die Rechnungen trotzdem bezahlt werden. Der VfL muss jedes Jahr rund 8 Mio. Euro an Erlösen einnehmen, wenn man im Benchmark mit vergleichbaren Klubs mithalten will. Wir müssen nachziehen.

Wie stehen die Chancen, dass zeitnah weitere VfL-Talente den Weg von Lenz gehen können?

Nicht kann: MUSS! Das ist zwingend. Wir formen seit Jahren große Talente, aber haben im Übergangsbereich zwischen der U19 und den Profis viel Geld verloren, weil wir die Jungs nicht auf das Spielfeld gebracht haben. Cajetan Lenz darf keine Ausnahme sein. Wir müssen jedes Jahr einen Lenz haben plus noch weitere. Das ist die Realität. Nur so haben wir die Chance, uns wieder in der Bundesliga zu etablieren.