Eine Frau fährt mit einem Go-Kart durch Hannover.

Stand: 01.06.2026 10:47 Uhr

In Hannover können Interessierte seit diesem Jahr mit Go-Karts durch die Stadt fahren. Für die Touren kommen Kart-Fans aus ganz Deutschland angereist. Doch an dem Fahrspaß gibt es auch Kritik.

von Niels Kristoph

In der Lagerhalle in Hannover-Ledeburg riecht es nach Benzin. An den Wänden hängen Motorradhelme und Kostüme aus dem Videospiel „Mario Kart“. Acht bunte Karts mit langen Fähnchen am Heck stehen für die erste Tour des Tages bereit. Jenny hat Geburtstag – das Go-Kart fahren durch die Stadt hat sie sich und ihren Freunden geschenkt. Über TikTok ist sie auf das Angebot aufmerksam geworden. Dafür ist die Gruppe extra aus Magdeburg nach Hannover gereist. In der Lagerhalle geben Rekar Joussef und Felix Lenz vom Kart-Team letzte Anweisungen, bevor es auf die Straße geht. Denn auch für die Karts gilt die Straßenverkehrsordnung: Zu schnell fahren ist genauso tabu wie das „Posen“ mit den Flitzern – also im Leerlauf den Motor aufheulen zu lassen.

Wie beim Auto – ohne TÜV geht es nicht

Ein Mann sitzt in einer Lagerhalle in einem G-Kart.

Rekar Joussef aus dem Kart-Team fährt bei den Touren selbst als Guide mit.

Das Hannover-Karts-Team um Firmenchef Alan Shamo ist schon länger mit Straßenkarts unterwegs – zuerst nur privat als Hobby. Seit März 2026 bieten sie solche Touren gewerblich für alle an, die einen Führerschein besitzen und sich an die Verkehrsregeln halten. Die 20 Jahre alten Karts sind für den Straßenverkehr zugelassen und besitzen eine Ausstattung, die man auch bei einem Auto erwarten würde: Blinker, Hupe, Fernlicht und Rückwärtsgang. Auch der TÜV überprüfe einmal im Jahr vor Ort die Karts, sagt Lenz vom Kart-Team. Zielgruppen sind in erster Linie Junggesellenabschiede und – wie heute – Geburtstagsgruppen. Die Karts-Fans kommen inzwischen aus ganz Deutschland nach Hannover. Sie zahlen 75 Euro pro Person für anderthalb Stunden Kart-Spaß.

90 Minuten dicht über dem Asphalt

Mehrere Go-Karts fahren auf der Straße.

Auf der Straße sind die Karts deutlich kleiner und niedriger als die Autos um sie herum.

Jenny ist ein bisschen nervös, denn es ist ihre erste Kartfahrt überhaupt. Aber die Voraussetzungen stimmen: Die Sonne scheint und es ist trocken. Bei nasser Fahrbahn wäre die Spritztour zu gefährlich. Dann starten die Motoren und die Karts fahren vom Hof. Vorne und hinten sichern die Tour-Guides ab. Auf der 90-Minuten-Tour geht es durch die Stadt bis zum Kronsberg im Südosten Hannovers. Unter den Blicken von interessierten Passanten und Autofahrern geht es nur wenige Zentimeter über dem Asphalt mit 50 Kilometern pro Stunde von Ampel zu Ampel. „Auch wenn es insgesamt richtig Spaß macht, zwischen Transportern und SUVs fühlte ich mich manchmal etwas unsicher“, gibt Jenny zu. Da habe man Angst, im toten Winkel nicht gesehen zu werden. Auch brenzlig: Ein Autofahrer wechselt plötzlich die Spur, ohne auf die Karts zu achten – trotz Wimpelstange.

ADAC kritisiert: zu klein und ungeschützt

Vor solchen Situationen warnt auch der ADAC in Niedersachsen. Der Automobilclub sieht in Go-Karts auf den Straßen nicht nur eine zusätzliche Belastung des Stadtverkehrs, sondern vor allem ein Sicherheitsrisiko. „Sie sind wegen ihrer geringen Höhe viel schlechter zu erkennen“, warnt Sprecherin Alexandra Serjogin. Zudem würden die Kartfahrer in einem ungeschützten Fahrzeug sitzen. Da bestehe ein großes Risikopotenzial. In Hamburg gibt es solche Karttouren durch die Stadt schon länger. Größere Unfälle mit den Mini-Flitzern habe es bislang nicht gegeben, teilte die Polizei dem NDR Niedersachsen mit. Auch von Beschwerden wisse man nichts.

Keine Karts während der Rush-Hour

Doch die Frage bleibt: Passt Go-Kartfahren mitten im Stadtverkehr in Hannovers Verkehrswende? Die Stadt hat den Autoverkehr seit 2017 um 14 Prozent reduziert und den Radverkehr um 21 Prozent gesteigert. Jetzt kommen neue Fahrzeugtypen in den bereits komplexen Stadtverkehr. Baustellen bremsen den Verkehr zusätzlich aus. Das ist auch den Veranstaltern der Kart-Touren bewusst. „Deswegen fahren wir auch nicht während der Rush-Hour“, sagt Joussef. Unfälle hat es bislang bei den Kart-Touren durch Hannover nicht gegeben. Auch heute bei Jennys Geburtstagsausflug ging alles glatt. Ihr Fazit: „Es hat mega Spaß gemacht.“

Ein Mann fährt mit einem E-Tretroller auf der Straße.

Die Zahl ist 2024 laut Polizei um fast 40 Prozent gestiegen. Am häufigsten sind junge Leute an den Unfällen beteiligt.

Ein Radfahrer auf einem Fahrradstreifen

Das Land gibt 26,5 Millionen Euro für Radwege aus. Damit werden neue Strecken gebaut und bestehende Abschnitte saniert.

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