Annick Choco mit Ensemble

Annick Choco (im Vordergrund) dahinter Timor Litzenberger und das Ensemble.

Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Momente des Lebens einer außergewöhnlichen Frau werden von Monika Gintersdorfer und ihrer Truppe „La Fleur“ auf dem Platz vor dem Theater Bremen in Szene gesetzt – am Ende wissen wir alle mehr über Josephine Baker, die es in Frankreich von der Gasttänzerin zur Nationalheldin schaffte und deren Geburtstag sich am 03. Juni 2026 zum 120. Mal jährt.

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Annick Choco mit Ensemble

Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

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Worum geht es?

Die Darbietung ist Josephine Baker gewidmet, einer Frau, die zu Lebzeiten Paris buchstäblich auf den Kopf gestellt hat und die noch heute in der französischen Hauptstadt allgegenwärtig zu sein scheint. Zu sehen sind kurze Ausschnitte aus dem Leben der Frau, die 1906 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri geboren wurde, der besonders stark von der Rassentrennung geprägt war. Als sie 13 Jahre alt war, wurde sie mit einem gewalttätigen Mann verheiratet. Vor ihm ergriff sie schnell die Flucht und schloss sich einer Wandertheatergruppe an, mit der sie bis nach New York City kam. Dort wurde sie entdeckt und für ein schwarzes Tanzspektakel in Paris engagiert. In der französischen Hauptstadt geht es dann so richtig los, denn Baker tanzt buchstäblich gern aus der Reihe und nutzt das – ich nenne es mal – Unbekannte, Exotische und Erotische, um das nahezu ausschließlich weiße Publikum zu erobern.

Annick Choco mit Ensemble

Gadoukou la Star, Karin Enzler, Annick Choco, Savina Vitalina, Ordinateur und Irene Kleinschmdit.

Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Was gibt es zu sehen?

Die Show erzählt Ausschnitte aus dem Leben von Josephine Baker. Viel Tanz, viel Musik, etwas Gesang und auch eine Handvoll Geschichten. Jeweils aus ihrer Zeit und immer wieder von der Gegenwart durchkreuzt. Baker war Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin – aber sie war auch in der Résistance im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland aktiv, sie lernte Fliegen bei der Luftwaffe und arbeitete für den französischen Geheimdienst.

Vier Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich, die ursprünglich von der Elfenbeinküste stammen, werden ergänzt durch einen zu „La Fleur“ gehörenden Gastmusiker und zwei Schauspielerinnen aus dem Ensemble des Theaters Bremen, die den Goetheplatz als Bühne nutzen. Interessante Momente zum Mit- und Weiterdenken entstehen etwa dann, wenn Aussagen des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zitiert werden, der 2005 angekündigt hatte, die Pariser Vorstädte mit einem Hochdruckreiniger vom „Gesindel“ zu befreien. Nachdem zuvor sehr klar gemacht wurde, dass man in Frankreich auch ganz anders mit – in diesem Fall – schwarzen Menschen umgehen kann, denn Josephine Baker wurde und wird ja förmlich hofiert.

Was sagt unser Kritiker?

Karin Enzler (vorn), Ensemble

Karin Enzler (im Vordergrund) und das Ensemble.

Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Ich habe viel über Josephine Baker erfahren, was ich noch nicht wusste. Und dieses Zusammenwerfen von Geschichte und Gegenwart, auch beim Tanz und in der Musik machen die 90 Minuten zu einem kurzweiligen und sehr interessanten Ausflug. Aber leider wirkte die Bremer Premiere insgesamt wie eine erste Probe mit allen Beteiligten: Die einzelnen Rollen saßen nahezu perfekt, doch das Zusammenspiel der Beteiligten wollte sich nicht einstellen. Mir fehlte auch jenes enge, grenzenlose Vertrauen der Künstlerinnen und Künstler untereinander, das es ermöglicht, auch mich als Zuschauer vollständig in das Geschehen hineinzuziehen. Zudem hatte ich den Eindruck, dass eine straffere Dramaturgie die 90-minütige Aufführung problemlos auf 60 Minuten hätte verdichten können. Die dadurch gewonnenen 30 Minuten hätten Raum geboten, noch mehr aus dem interessanten Leben Josephine Bakers zu erzählen.

Wie hat das Publikum reagiert?

Bereits während der Vorstellung gab es Szenenapplaus – oder besser Beifall nach jeder Gesangsnummer. Ganz sicher verdient, aber es wirkte wie ein Automatismus. Am Ende dann viel Beifall, aber keine Stürme der Begeisterung, wie Josephine Baker sie bei ihren Auftritten sicher oft erlebt hat.

Information zum Thema
„Josephine Baker“ – Infos und Termine

Ort: Theater Bremen, Goetheplatz, 28195 Bremen.
Weitere Termine:
Aktuelle Infos finden Sie unter Theater Bremen.

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Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Morgen, 30. Mai 2026, 08:10 Uhr