Das IMA401-Molekül verknüpft bei dieser Krebs-Immuntherapie die körpereigenen Abwehrzellen mit dem Ziel, den Tumorzellen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko WeckbrodtDas IMA401-Molekül verknüpft bei dieser Krebs-Immuntherapie die körpereigenen Abwehrzellen mit dem Ziel, den Tumorzellen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Wenn Chemo und Strahlenkanone versagen, kann „IMA401“ gegen mehrere Tumorarten helfen

Dresden, 01.06.26. Wenn Chemo und Strahlen versagen, können Immuntherapien gegen viele Krebsarten doch noch helfen. Darauf haben die Medizinische Fakultät der TU Dresden und das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) am Uniklinikum Dresden hingewiesen: Die Forscher haben durch Infusionen des Moleküls „IMA401“ bei mehreren Patienten erfolgreich deren eigenes Immunsystem für den Kampf gegen Lungenkrebs, schwarzen Hautkrebs, Kopf-Hals-Tumore und neuroendokrine Tumore an der Schnittstelle zwischen Hormon- und Nervensystem aktiviert. Die Mediziner selbst stufen ihre klinische Studie als „Durchbruch in der Krebsimmunthe­rapie“ ein.

„Wir werden diesen Bereich konsequent ausbauen, um unsere führende Stellung bei der Entwicklung neuartiger Krebstherapien zu festigen.“
Medizinvorstand Prof. Uwe Platzbecker vom Uniklinikum Dresden

Dies sei „ein deutlicher Fortschritt für unsere Patientinnen und Patienten, denen in dieser Situation sonst nur sehr begrenzt wirksame Chemotherapien angeboten werden können“, schätzt Studienleiter Prof. Martin Wermke ein. „Aufgrund der guten Verträglichkeit besteht die Möglichkeit IMA401 mit anderen Immuntherapien zu kombinieren.“ Während der experimentellen Krebstherapie habe das Team die richtige Dosis für den Wirkstoff gefunden und nachgewiesen, dass „IMA401“ sicher und mit vertretbaren Nebenwirkungen wie Fieber einsetzbar sei.

Martin Wermke ist Professor für experimentelle Tumortherapie. Foto: UKDMartin Wermke ist Professor für experimentelle Tumortherapie. Foto: UKD

„IMA401“ verbindet sich mit Krebs- und Abwehrzellen

Das Wirkprinzip: Ist „IMA401“ einmal in den Körper gelangt, verknüpft es ein spezielles Eiweiß in den Tumorzellen mit körpereigenen Abwehrzellen. Die einmal aktivierten T-Lymphozyten finden so den Weg zu den Krebsherden und zerstören dort die Tumorzellen.

Angewandt haben die Dresdner Mediziner diese Immuntherapie bei 61 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, die nicht mehr auf Standardbehandlungen ansprachen. Bei einem Teil dieser Kranken schrumpften daraufhin die Tumore. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sie die Erfolgsquote noch hochtreiben können, wenn sie „IMA401“ mit anderen Immuntherapien kombinieren.

„Immungedächtnis“ soll gegen Rückfälle helfen

Hintergrund: Um Krebs zu bekämpfen, setzen Ärzte seit Jahrzehnten auf die operative Entfernung von Tumoren, auf Strahlen- und Chemotherapien, teils auch auf Hormonbehandlungen. Neuere und vergleichsweise schonende Ansätze sind die Radioliganden, die sich möglichst punktgenau an Tumorzellen anheften und sie mit schwacher Strahlung zerstören, sowie Zell- beziehungsweise Immuntherapien. Diese gelten als besonders vielversprechend, weil sie das körpereigene Immunsystem einspannen und teils ein „Immungedächtnis“ erzeugen, das dem Körper bei Rückfällen hilft, den Krebs später erneut zu besiegen.

Anders als die „Strahlenkanone“ oder die „Chemokeule“ müssen sowohl die Radioliganden wie auch die Immun- und Zelltherapien allerdings viel genauer auf die jeweilige Krebsart maßgeschneidert werden – und es gibt längst noch nicht für alle Tumorarten dafür zugelassene Medikamente. Außerdem können manche Immuntherapien schwere Nebenwirkungen auslösen, wenn das Immunsystem falsch oder überreagiert. Zudem ist die Herstellung aufwendig und recht teuer.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: NCT/TUD. Paul-Ehrlich-Institut, DKFZ, Wikipedia

Wissenschaftliche Publikation:

„A Phase Ia/Ib First-In-Human Clinical Trial to Evaluate the Safety, Tolerability and Initial Anti-Tumor Activity of IMA401, a Bispecific T Cell Engaging Receptor Molecule (TCER®), as Monotherapy or in Combination with a Checkpoint Inhibitor in Patients with Recurrent and/or Refractory Solid Tumors” von Martin Wermke, Sebastian Ochsenreither, Dirk Jaeger, u.a., in: „Nature Medicine“ (2026), DOI und Fundstelle im Netz: DOI 10.1038/s41591-026-04455-x

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt