Stand: 02.06.2026 05:00 Uhr
Donald Trump hält nicht viel vom Klimawandel. Weltweit wichtige Forschungsdaten drohen gelöscht zu werden. Am GEOMAR in Kiel blickt man „sehr erschrocken“ Richtung USA – und will die Daten retten.
Die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den USA ist in der zweiten Amtszeit von Donald Trump massiv beeinträchtigt. Es gab bereits Tausende Entlassungen und Budgetkürzungen an US-amerikanischen Behörden und Instituten. Dort gespeicherte oder erhobene Daten drohen gelöscht zu werden. Und wo es noch Datenbanken gibt, fehlen häufig Menschen, die sie pflegen können. Projekte von Forschern auf der ganzen Welt stehen dadurch auf der Kippe.
Wie in einem Puzzle: Ohne US-Daten entstehen Lücken
Die USA seien „ein Riesen-Player in der Wissenschaft“, sagt Sören Lorenz vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Ohne ihre Daten entstünden „Lücken in globalen Zusammenhängen“. Sogar die Wettervorhersagen für Schleswig-Holstein wären betroffen (hier der Link zum ganzen Artikel).

Sören Lorenz leitet das GEOMAR-Technologiezentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Man darf sich das wie ein Puzzle vorstellen, in dem plötzlich die Hälfte der Teile fehlen würde: Das Puzzle-Bild bliebe grob erkennbar – viele Ausschnitte müsste sich der Betrachter aber dazudenken.
Es geht um extrem wichtige Daten – und tausende Schicksale
Damit das nicht passiert, wollen Lorenz und GEOMAR-Kollegen helfen. Von Kiel aus sind sie am Aufbau einer unabhängigen Infrastruktur für Daten in Deutschland beteiligt. Im Gespräch wird aber mehr als deutlich, dass der „Chief Information Officer“ Lorenz nicht nur die Daten im Blick hat – sondern vor allem auch das Schicksal der Forschenden auf der anderen Seite des Atlantiks.
NDR.de: Der Wissenschaft drohen in den USA extrem wichtige Daten abhanden zu kommen – vor allem in der Klimaforschung. Das ist ein Kernbereich Ihres Arbeitgebers. Fühlen Sie sich ein Stück weit auch persönlich angegriffen?
Sören Lorenz: Nein, weil es nicht nur unsere Daten sind, die verloren gehen oder in Gefahr sind, sondern Daten der großen internationalen Community in der Klimaforschung. Aber ich betrachte das natürlich mit großer Sorge. Ich finde es eher erschreckend, dass wir das erleben müssen, gerade in demokratischen Ländern.
Nehmen Sie diese Gefahr für Daten mit nach Hause? Träumen Sie von Donald Trump?
Lorenz (lacht): Nein, ich träume nicht von Donald Trump. Aber ich bin sehr erschrocken darüber, wie schnell eine ganze Administration in diese Richtung gelenkt oder gezwungen werden kann. Ich hoffe sehr, dass wir in Deutschland resilienter sind.

Extremes Wetter droht noch unberechenbarer zu werden, weil der US-Präsident Klima-Daten löschen lässt. Aus Kiel kommt Gegenwehr.
Wer oder was wird dort aus Ihrer Sicht in eine bestimmte Richtung gelenkt?
Lorenz: Für uns als GEOMAR ist da zum Beispiel das NOAA interessant. Das ist eine staatliche Instanz, eine Art Bundesbehörde. Dort werden viele Ozean- und Atmosphärendaten bereitgestellt. Dort geraten Mitarbeitende unter Druck, große Teile werden entlassen. Und wenn niemand da ist, der die Daten kuratieren kann, können sie natürlich auch nicht zur Verfügung gestellt werden.
Ihre Sorge bezieht sich also zunächst mal auf die Menschen, die die Datenbanken pflegen.
Lorenz: Ja, genau. Und es geht natürlich auch um die Forschenden in diesen Bereichen. Forschende zum Beispiel im Bereich Klima- und Ozeanforschung geraten unter Druck. Forschung wird in den USA nicht grundsätzlich runtergefahren. Aber es gibt Themen und Bereiche, die – sagen wir mal – im Moment nicht gefördert werden und gerade nicht so populär sind in der Politik.
Wir hatten neulich ein internationales Treffen, da ging es um Datenverfügbarkeit (…). Die Sorge, dass Forschende an ihrer Arbeit gehindert werden, ist groß. Solche Treffen finden mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen statt.
Sören Lorenz, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung
Forscherinnen und Forschern werden Knüppel zwischen die Beine geschmissen?
Lorenz: Vielen Forschenden in internationalen Projekten ist es nicht mehr möglich, an Treffen teilzunehmen oder an Publikationen mitzuschreiben, obwohl sie an der Forschung beteiligt waren.
Das hört sich nicht mehr nach einer Demokratie an.
Lorenz: Es hört sich zumindest nicht nach Freiheit von Forschung an, sagen wir es mal so. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir da in Deutschland sehr privilegiert sind, was die Verankerung der Freiheit von Forschung angeht.
Wie ist es auf dem umgekehrten Weg? Wird es deutschen Forschern schwer gemacht, Kontakt zu Kollegen in den USA aufzubauen?
Lorenz: Nein, der Kontaktaufbau funktioniert nach wie vor gut. Es gibt ja auch inoffizielle Kanäle, über die man das machen kann.

US-Forscher in Frankreich
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Wie ist es, wenn deutsche Forscherinnen und Forscher für ihre Arbeit den direkten Austausch benötigen und in die USA reisen wollen oder müssen?
Lorenz: Was die Einreise angeht, kenne ich jetzt persönlich niemanden, der Schwierigkeiten hatte. Es gibt durchaus auch die Haltung, jetzt erst recht in die USA zu fahren, um Kolleginnen und Kollegen zur Seite zu stehen.
Wie darf ich es mir vorstellen, wenn Forschungstreffen unter diesen Umständen zustande kommen?
Lorenz: Wir hatten neulich ein internationales Treffen, da ging es um Datenverfügbarkeit – also zukünftige Infrastrukturen, die die Verfügbarkeit von Daten unabhängiger von politischen Entwicklungen machen könnten. Die Sorge, dass Forschende an ihrer Arbeit gehindert werden, ist groß, solche Treffen finden mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen statt.

Kürzungen der US-Regierung
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Forschende in den USA wirken in Interviews häufig sehr gefasst, fast schon klinisch. Wenn Sie Gespräche führen und keine Kameras dabei sind: Kommt dann Verzweiflung hoch?
Lorenz: Dafür sind die Kolleginnen und Kollegen Profis genug, um das nicht durchscheinen zu lassen. Aber wenn man sie außerhalb des professionellen Raumes erlebt, dann merkt man schon, wie sie die Situation extrem beschäftigt. Da hängen Existenzen dran. Die Absicherung in den USA im Wissenschaftssystem ist eine andere als bei uns.
Das Interview führte Arne Helms, NDR Schleswig-Holstein.

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