Dario Redecker und eine andere Schauspielerin stehen mit Mikrofonen auf der Bühne und singen.

AUDIO: „Wir haben was zu sagen!“: Inklusives Theaterfestival in Hannover (4 Min)

Stand: 02.06.2026 16:36 Uhr

Beim Theaterfestival Klatschmohn präsentieren Gruppen aus Schulen, Fördereinrichtungen und inklusiven Initiativen ihre Arbeit. Noch bis Mittwoch stehen die Theaterschaffenden mit Behinderung dafür auf der Bühne des Kulturzentrums Pavillon.

von Agnes Bührig

Mama, sei ehrlich, sie finden, dass ich komisch bin, oder?

Zitat aus dem Theaterstück „Ich zeige euch meine Welt“

Es ist eine Frage, die sich viele Jugendliche stellen. Dario grübelt doppelt. Wird er nicht eingeladen, weil er Trisomie 21 hat? Mit gerade einmal drei Schauspielern auf der Bühne entfaltet Dario Redecker in „Ich zeige euch meine Welt“ den Kosmos seines Erwachsenwerdens mit Behinderung.

Dario Redecker: Autor, Schauspieler, Tänzer, Sänger und Regisseur

Der 29-Jährige sitzt dabei selbst am Rand der Bühne auf einem Regiestuhl und kommentiert witzig das Geschehen. Dann springt er auf, tanzt den Moonwalk, rappt. Er ist der Autor, Schauspieler, Tänzer, Sänger und Regisseur der Produktion. „Ich wollte einfach mal ein Stück, denn so etwas habe ich noch nie gemacht“, erzählt Redecker. Er widmete es seiner Cousine. „Und dann ist alles ganz schnell gekommen und ich habe die Schauspieler gecastet.“

Dario Redecker und drei weitere Schauspielerinnen und Schauspieler stehen im Kreis, umarmen sich und blicken in die Kamera.

Dario Redecker (Mitte) mit seiner Crew, die mit ihm bei „Ich zeige euch meine Welt“ auf der Bühne steht.

„Wir haben was zu sagen!“ ist das Motto des inklusiven Theaterfestivals Klatschmohn in diesem Jahr. Das zeigen schon Titel wie „Woher ich kam“, „Irgendwie anders“ und „Na und? Wir mögen’s bunt“. Schulen, Fördereinrichtungen und inklusiven Ensembles bietet das Festival für ihre Auftritte professionelle Arbeitsbedingungen. Theaterschaffende mit Behinderung können sich so einer größeren Öffentlichkeit präsentieren.

Die gleichen Sorgen, Ängste und Hoffnungen wie alle

Veranstalterin Anja Neideck von der Stadt Hannover erklärt, Menschen mit Behinderung dächten über dieselben Themen nach wie alle anderen – sie hätten Sorgen und Ängste, aber auch Visionen und Hoffnungen. „Wir wollen sie zu Wort kommen lassen und ganz genau hinhören. Es sind wichtige Stimmen, die in die Beurteilung unserer Situation eingehen sollen.“

Das geschieht in ganz unterschiedlichen Formen. Die Theaterschüler des inklusiven Ensembles Studiyou am Schauspiel Wuppertal zeigen einen Film zu grenzüberschreitender Theaterarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich.

Die inklusive Theatergruppe des Kulturzentrums Marstall in Ahrensburg wärmt sich für Proben auf.

Seit vier Monaten proben neun Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Oldie-Kabaretts.

Geisterbahn-Projekt: Grusel und Partizipation

Und wer sich seinen eigenen Ängsten stellen will, kann während des gesamten Festivals die Geisterbahn der Helen-Keller-Schule aus dem niedersächsischen Stolzenau betreten. Durch einen stockdunklen Raum geht es vorbei an einer gruseligen schwarzen Spinne, Spukwesen erschrecken und eine Kettensägen-Attrappe entlockt den Besucherinnen und Besuchern spitze Schreie.

Es ist ein Projekt, bei dem seine Schüler mit Förderbedarf viel lernen konnten, sagt Sonderpädagoge Arno Seifert. „Die Idee war tatsächlich, die Schüler an ganz vielen Stellen partizipieren zu lassen. Wir haben zum Beispiel Werbeflyer entworfen und sind dann durch die Schulen gegangen und haben die verteilt. Und wir haben mit den Schülern überlegt, was man machen kann, um Gruseleffekte zu erzeugen.“

Inklusion schreitet voran – wenn alle es wollen

Die Inklusion schreite voran, sagt Martin Schinke, Konrektor der Helen-Keller-Schule. Doch sie wachse nur weiter, wenn Menschen es von sich aus wollen. Als die Schülerschaft benachbarter, nicht-inklusiver Lehranstalten Wind davon bekam, wie cool das Projekt Geisterbahn ist, strömte sie in seine Förderschule. Inzwischen arbeiten sie mit dem Gymnasium am Ort zusammen. Und nun ist die Arbeit auch in der Landeshauptstadt Hannover zu sehen – Klatschmohn sei Dank.

Das inklusive Theaterfestival Klatschmohn läuft noch bis Mittwochabend (3. Juni) im Kulturzentrum Pavillon in Hannover.

Eine junge Frau steht vor einem Spiegel, ein Mann kämmt ihr die Haare und steht hinter ihr.

Wenn Menschen mit Behinderung sich selbst spielen, entsteht Kino, das unter die Haut geht. Zwei Filme zeigen, wie kraftvoll das ist.

Die Metropolitan Oper im Lincoln Center in New York (M), die Konzerthalle (r.) und das Balletthaus (l.).

Der NDR hat am Sonnabend Gabriela Lena Franks Oper „El Último Sueño de Frida y Diego“ aus der New Yorker MET übertragen.

Das 16-jährige schwerbehinderte Mädchen Nike sitzt im Rollstuhl.

Die 16-jährige Nike aus Bardowick bei Lüneburg ist seit ihrer Geburt schwerbehindert. Ihre Familie begleitet sie liebevoll und klärt bei Instagram auf.