
AUDIO: Chinesische Autobranche drängt nach Europa (4 Min)
China made in Germany
Stand: 02.06.2026 07:33 Uhr
Eine Idee, die für viel Aufregung sorgt: Volkswagen könnte in seinem nicht ausgelasteten Werk in Zwickau auch chinesische Autos bauen – sich quasi „den Feind“ ins Haus holen. Tatsächlich suchen chinesische Autofirmen nach Produktionsstandorten in Europa – und haben sie auch schon gefunden.
Unweit des Erfurter Autobahnkreuzes wird Thüringen ein bisschen chinesisch. Hier steht die Fabrik von CATL. Rund 1.700 Mitarbeiter bauen im Auftrag des chinesischen Konzerns Autobatterien.
Chinesische Batterien aus Thüringen
Testingenieur Robin Wöhler öffnet die Tür zu einem Labor. Hier erprobt er die Batterien unter Extrembedingungen: „Das heißt, wir testen bei minus 30 Grad oder bei plus 70 Grad, um die Batterie und die Zellen wirklich an ihre Belastungsgrenze zu bringen und daraus Rückschlüsse hinsichtlich der Lebensdauer als auch der generellen Leistungsfähigkeit unserer Produkte ziehen zu können.“

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Das VW-Werk in Zwickau könnte nach Vorstellungen von Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter künftig auch Autos chinesischer Hersteller bauen. Doch wie realistisch wäre eine solche Kooperation?
Auf den Maschinen kleben chinesische Schriftzeichen, ein Teil der Mitarbeiter hier stammt aus China. Die Käufer der Batterien sitzen aber allesamt in Europa. Es sind die großen Autokonzerne. Konkrete Namen darf CATL-Sprecher Caspar Spinnen aber nicht nennen: „Wir haben eine große Anzahl an langjährigen Kunden im deutschen Automobilbereich. Grob würde ich sagen, circa 90 Prozent der bekannten Automobilmacher sind mit uns in Zuliefererverhältnissen oder waren das.“
Weniger Importzoll bei Produktion in Europa
Technik aus China, gefertigt in Deutschland. Das klingt für manche noch nach verkehrter Welt. Doch hier in der Nähe von Erfurt ist es Realität – und die dürfte sich weiter ausbreiten. Denn chinesische Autobauer und -zulieferer wollen näher an den europäischen Markt heran.

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Bislang gibt es in Deutschland keine spezifische Ausbildung für die E-Mobilitätsbranche. Das will das Unternehmen CATL am Erfurter Kreuz ändern und einen neuen Ausbildungsberuf für die Batterieproduktion schaffen.
Es reicht ihnen nicht mehr, zu importieren. Sie wollen eine europäische Produktion, sagt Dirk Dohse vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel: „Zum einen spart man sich die Importzölle. Die sind teilweise beträchtlich hoch, durchweg mehr als 20 Prozent.“ Zum anderen sei es hilfreich für China, mit etablierten deutschen Unternehmen wie VW zu kooperieren. „Das kann ihnen helfen, Vertrauen und Markenbekanntheit zu gewinnen, aber auch wirtschaftspolitische Akzeptanz in Europa. Und es kann eben auch gelingen, dass man Modelle schneller auf den Markt bringt, wenn man das Know-how von deutschen und chinesischen Unternehmen zusammenbringt.“
Beispiele gibt es bereits: BYD fertigt in Ungarn, Xpeng in Österreich, Chery in Spanien. Und Volvo gehört inzwischen einem chinesischen Unternehmen. In Deutschland läuft bisher noch keine Chinamarke vom Band. Trotzdem wird darüber diskutiert, ob Volkswagen seine Werke öffnen sollte.
Panter: Offen sein, aber nicht naiv
Die Sorge, man hole sich da die ärgsten Konkurrenten ins Haus, kennt auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter: „Die Bedenken teile ich auch grundsätzlich. Allerdings ist es ja so, dass wir auch schon mit Joint Ventures in China produziert haben. Also ich finde, man muss da eine grundsätzliche Offenheit haben, aber man darf da auch nicht naiv sein. Also wir wollen unsere Schlüsseltechnologien hier behalten, aber wenn wir gemeinsam produzieren könnten, dann sollten wir das auch ausloten.“

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Die Zukunft des VW-Werks in Zwickau sorgt weiter für Unsicherheit. Sachsens Wirtschaftsminister bringt Kooperationen mit chinesischen Herstellern ins Spiel – darüber wurde heute auch im Landtag diskutiert.
Panter findet: Lieber eine Produktion mit China als gar keine mehr. Konkrete Gespräche gibt es bislang aber wohl nicht. In einem Bereich ist Chinas Autobranche übrigens längst in Deutschland präsent – im Handel. Sternauto, ein großer Mercedes-Verkäufer, gehört seit seiner Gründung 2015 zu einer Holding aus Hongkong. Das wussten all die Jahre aber nur wenige. Doch inzwischen stellt der Händler neben seine Mercedes-Fahrzeuge selbstbewusst auch chinesische BYD.

Video | Sachsenspiegel
Um die VW-Werke in Sachsen zu halten, hat Wirtschaftsminister Dirk Panter vorgeschlagen, mit chinesischen Autoherstellern zusammenzuarbeiten. Experten nennen das einen kontroversen, aber mutigen Vorschlag.