Von Nutzungs- und Pachtverträgen, Vertragsnaturschutz bis zur Sperrung des Wiedener Kreuzes: Die Themen beim diesjährigen Sommerempfang der Wuppertaler Ortsbauernschaften waren tiefgreifend wie vielfältig.
Kein Durchkommen für landwirtschaftliche Fahrzeuge
Auf dem Erdbeerhof Faßbeck am Frankholzhäuschen, erstmals Gastgeber des Sommerempfangs, fanden sich am Montagnachmittag Landwirte aus ganz Wuppertal und hochrangige Vertreter der Politik ein, darunter Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und der Bundestagsabgeordnete Helge Lindh. Erdbeeren, Kühe und Felder so weit das Auge reicht, boten bei Sonnenschein und milden Temperaturen ein entspanntes Setting – trotz einiger unschöner Themen.
Die Lage der Landwirtschaft habe sich in den vergangenen Jahren nämlich nicht zum Besseren gewendet, sagte Carsten Bröcker, Ortsvorsitzender Wuppertal-West, nüchtern. Ein akutes Problem und „eine massive Belastung“ für zahlreiche Landwirte sei die aktuelle Situation am Wiedener Kreuz, teilte Bröcker mit. Für Nutzfahrzeuge wie Mähdrescher und große Erntegut-Transporte gebe es derzeit so gut wie kein Durchkommen. Umleitungen sorgen dafür, dass sich Fahrzeiten teils von zehn auf 45 Minuten verlängern können. „Das betrifft viele Betriebe im hiesigen Raum, aber auch in den benachbarten Ortsbauernschaften, die in diese Richtung fahren müssen“, so Bröcker.
Wie es an der Kreuzung, die nur stark eingeschränkt befahrbar ist, weitergehen wird? Das ist Stand jetzt ungewiss. Der Eigentümer des Hauses muss der Stadt Wuppertal bis zum 10. Juni ein Konzept zu dem von ihm beabsichtigten Erhalt des Gebäudes vorlegen. Dass die wichtige Verkehrsachse im Wuppertaler Westen nicht plötzlich am 11. Juni vollständig befahrbar sein wird, weiß auch Bröcker, der zu einer schnellen Lösung mahnt. Scherff wolle die Anliegen der Landwirte mitnehmen, kann aber ebenso keine schnelle und einfache Lösung versprechen. Für Bröcker steht jedoch fest: Die Politik muss hier dringend nachbessern.
Landwirte und Politik können ungezwungen diskutieren
Der jährliche Sommerempfang dient zum persönlichen Kennenlernen zwischen Landwirtschaft und Politik sowie zum lockeren Austausch und findet abwechselnd im Wuppertaler Westen und Osten statt. Viele Gespräche, die Bröcker und Scherff zufolge auch äußerst „leidenschaftlich“ verlaufen können, finden eher im kleineren Rahmen und hinter verschlossenen Türen statt. So etwa beim Antrittsbesuch zu Beginn von Scherffs Amtszeit, als es um Kosten der Nutzungs- und Pachtverträge ging, erinnern sich die beiden. Auch hier seien schnelle Maßnahmen der Verwaltung kaum möglich, vielmehr müsse der Rat entscheiden, so Scherff.
Der diesjährige Gastgeber Marc Faßbeck, der den Betrieb seit 20 Jahren in dritter Generation leitet, freute sich nicht nur über den hochrangigen Besuch, sondern hob mit lobenden Worten die Zusammenarbeit mit der Stadt hervor. Martin Dahlmann, Kreis- und Ortsvorsitzender Wuppertal-Ost forderte schnellere Entscheidungswege in der Politik, wenngleich viele Probleme diesbezüglich im Zuständigkeitsbereich des Bundes liegen.