
AUDIO: Zoll stellt Rekordmenge Kokain in Wilhelmshaven sicher (5 Min)
Stand: 03.06.2026 12:01 Uhr
Bei einer der deutschlandweit größten Sicherstellungen von Kokain in den vergangenen Jahren haben Zöllner im JadeWeserPort in Wilhelmshaven acht Tonnen der Droge beschlagnahmt.
Bereits Anfang Februar haben die Ermittler des Zolls zugeschlagen. Der Container, in dem sich die Drogen befanden, sollte eigentlich Säcke mit Kakaobohnen enthalten. Stattdessen stellten die Zöllner darin acht Tonnen Kokain sicher, verpackt in schwarzen Paketen. Der Wert der Drogen: Hunderte Millionen Euro. Eine solch große Kokain-Menge wurde bislang noch nie im JadeWeserPort sichergestellt.
Festnahmen in Spanien
Ob die Ermittler in dem Fall an die Hinterleute herankommen, ist fraglich. Einen Ermittlungserfolg gibt es allerdings bereits: Die Zollfahndung Hannover begnügte sich nicht damit, die Drogen lediglich abzuschöpfen. Sie füllte den Container anschließend mit einer Tarnladung, ließ ihn weiter zu seinem Zielhafen Barcelona laufen und nahm Kontakt zu den Kollegen in Spanien auf.
Dort angekommen, passierte zunächst lange Zeit nichts – bis sich jedoch eine Firma meldete, die die Ware übernehmen wollte. Der spanische Zoll konnte so Anfang Mai zwei Männer in El Ejido (Andalusien) festnehmen, die mit der Import-Firma in Verbindung stehen. Die Männer sind nach NDR-Informationen spanische Staatsbürger. Einer ist Ermittlern bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit einem anderen Kokaintransport aufgefallen.
Ermittler loben internationale Zusammenarbeit

Maskierte Zollbeamte bei einer Präsentation des Drogenfunds.
Auf einer Pressekonferenz in Köln lobte die Leiterin der Zollfahndung Hannover, Monika Dennhardt, die internationale Zusammenarbeit zwischen den Zollfahndern in Niedersachsen und ihren spanischen Kollegen. Es sei so gelungen, „die internationalen Lieferstrukturen aufzuhellen“ und mehrere Täter festzunehmen.
Tino Igelmann, Leiter des Zollkriminalamtes, sprach von einem schweren Schlag gegen die Organisierte Drogenkriminalität. Er dankte der Staatsanwaltschaft Aurich, die einer raschen Vernichtung der Drogen zugestimmt hatte. Das sei wichtig gewesen, um zu verhindern, dass die Drogenbande versucht, wieder in Besitz der Drogen zu kommen.
Kriminelle weichen auf kleinere Häfen aus
Der Fund in Wilhelmshaven zeigt, dass kleinere Häfen für internationale Schmugglerbanden an Bedeutung gewinnen. Kokain-Sicherstellungen im Tonnenbereich hat es im JadeWeserPort bisher nicht gegeben. Der Schmuggel großer Kokainmengen erfolgte bislang zumeist über große Häfen wie Antwerpen, Rotterdam und Hamburg.
Immer mehr Kokain gelangt nach Europa
Seit rund zehn Jahren wird immer mehr Kokain nach Europa geschmuggelt. Deshalb haben mehrere europäische Häfen ihre Sicherheitsstandards in den vergangenen Jahren erhöht. In den Häfen Hamburg und Bremerhaven waren in der Folge in den Jahren 2024 und 2025 deutlich geringere Mengen Kokain beschlagnahmt worden.
Der Zoll geht aber nicht davon aus, dass weniger Drogen geschmuggelt werden, sondern dass kriminelle Banden vermehrt auf alternative Routen – wie etwa den Import über Wilhelmshaven – und Schmuggel-Techniken setzen.

Organisierte Kriminalität
Der deutsche Zoll hat eine Rekordmenge Kokain im JadeWeserPort in Wilhelmshaven beschlagnahmt. Der Fund wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Bedeutung von Sierra Leone für den globalen Kokainhandel, wie NDR-Recherchen zeigen.
Schmuggel über westafrikanische Länder
Nach NDR Informationen stammte das Schiff, das die Drogen transportierte, aus Sierra Leone. Das westafrikanische Land hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Hotspot für den Kokainhandel entwickelt. Vor wenigen Wochen wurde ein Frachtschiff von der spanischen Polizei aufgebracht, auf dem mehr als 30 Tonnen Kokain sichergestellt wurden. Auch dieses Schiff stammte aus Sierra Leone.

Die Ermittler stießen bei der Kontrolle eines Containers im Hamburger Hafen auf 690 Kokainpakete – im Gesamtwert von 14 Millionen Euro.

Die Ermittler stießen bei der Kontrolle eines Containers im Hamburger Hafen auf 1.600 Kokainpakete – im Gesamtwert von 30 Millionen Euro.

Beschlagnahmte Drogen
In Deutschland steigt die Menge des sichergestellten Kokains stetig an – und damit auch die Gefahr, dass Kriminelle versuchen könnten, die Drogen mit Waffengewalt wiederzuerlangen. Zollfahnder sehen laut Recherchen von NDR und WDR eine wachsende Gefährdungslage.

2021 wurden im Hamburger Hafen 16 Tonnen Kokain entdeckt. Vier Jahre später hat die spanische Polizei jetzt die mutmaßlichen Haupttäter gefasst.
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