Christian Lindner und Wolfgang Kubicki auf dem Empfang 80 Jahre FDP in SH.

AUDIO: Nachrichten 10:00 Uhr – 03.06.2026 (4 Min)

Stand: 03.06.2026 11:53 Uhr

Der auf dem Parteitag gewählte Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki spürt Rückenwind für die FDP. Auf der 80-Jahr-Feier des SH-Landesverbandes in Kiel warb er gemeinsam mit Ex-Parteichef Lindner für einen gemeinsamen Kurs.

von Anna Grusnick

Alter Güterbahnhof in Kiel – mehr als 300 Gäste sind am Dienstagabend zur 80-Jahr-Feier der schleswig-holsteinischen FDP gekommen. Das Interesse an der Partei ist groß – vor allem am neuen Bundesparteichef Wolfgang Kubicki. Es ist ein Heimspiel für den 74-Jährigen, der sagt er sei gerührt, „weil sich für mich heute ein Kindheitstraum erfüllt.“

Er möchte nach eigenen Angaben das Potenzial der Partei heben, Wähler zurückgewinnen. „Die Untoten regen sich noch“, sagt Kubicki unter Applaus. Ansporn für seine Kandidatur sei es gewesen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Liberalen für politisch tot erklärt habe. Sein Ziel ist es, die Partei wieder über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven.

Kubicki zu Merz: „Mission impossible is completed“

FPD-Parteichef Wolfgang Kubicki auf dem Empfang 80 Jahre FDP in SH.

Wolfgang Kubicki (FDP) am Dienstag in Kiel.

Nachdem nun erste Meinungsforschungsinstitute die FDP wieder bei fünf Prozent sehen würden, habe er dem Kanzler eine SMS geschrieben mit den Worten: „Moin Friedrich, mission impossible is completed.“

Wirtschaft im Blick

In seiner Rede hebt der neue Parteichef hervor, dass viele Unternehmen am „Existenzminimum“ seien. Zahlreiche Menschen im Land hätten Existenzsorgen und könnten nicht in die Zukunft planen.

Wenn wir nicht schnell wirtschaftspolitisch umsteuern, dann stehen wir nicht am Abgrund, sondern sind einen Schritt weiter.

Wolfgang Kubicki, FDP-Bundesvorsitzender

Ex-Parteichef Lindner sieht FDP vor Comeback

Der ehemalige FDP-Parteichef Christian Lindner ist als Gastredner zum Festakt nach Kiel gekommen – sein erster Auftritt vor der Partei seit seinem Rückzug vor einem Jahr. Die Jubiläumsfeier sei „der erste Schritt auf dem Weg zum Comeback der FDP“, ruft er in den Saal.

Und er wirbt nach dem innerparteilichen Streit um die Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann um Zusammenhalt in der Partei. „Weil die Bedeutung einer liberalen Stimme im Parlament so groß ist, sollten sich ab heute alle freiheitsliebenden Menschen innerhalb und außerhalb der FDP hinter Wolfgang Kubicki versammeln.“

Lindner zu Bundesregierung: „Operative Disexellenz“

80 Jahre FDP in Schleswig-Holstein seien ein Grund, stolz zu sein, aber Stolz sei kein Grund, auf Erneuerung zu verzichten, so Lindner. Auch die FDP müsse sich die Frage stellen, ob sie noch die Sprache der Menschen spreche, ob die Prioritäten richtig seien. Mit der Politik der schwarz-roten Bundesregierung geht Lindner hart ins Gericht – spricht von einer „operativen Disexellenz“, davon, dass man sich sehr schnell „emanzipiert“ habe, von dem, was vor der Wahl gesagt worden sei.

Wolfgang Kubicki neuer FDP-Chef sieht Rückenwind für Partei

Auch Wolfgang Kubicki sieht Rückenwind für seine Partei.

Sprich: Er ist der Meinung, dass die Bundesregierung nicht das liefert, was sie versprochen hat und zu wenig umsetzt. In der Wahl von Wolfgang Kubicki – „dem Vorsitzenden des Vereins der klaren Aussprache“ – sieht Lindner nach eigenen Angaben großes Potenzial, dass die FDP wieder auf Kurs komme.

Nachwehen des Bundesparteitages

Neben aller Euphorie – bei vielen FDP-Anhängern sorgt an diesem Abend das Verhalten des stellvertretenden schleswig-holsteinischen Parteivorsitzenden Helmer Krane für Unverständnis. Denn dieser hatte am Wochenende überraschend zugesagt, Generalsekretär der Bundespartei werden zu wollen, als Marie-Agnes Strack-Zimmermann spontan ihren Hut für den Bundesvorsitz in den Ring geworfen und damit Wolfgang Kubicki vor den Kopf gestoßen hatte.

Dieser gewann die Kampfabstimmung zwar mit knapp 60 Prozent – doch die FDP hat seitdem einen Richtungsstreit am Bein. Krane begründet den Schritt am Abend so: „Jeder, der gefragt wird, ob er bereit wäre, Generalsekretär zu werden, und der sich das zutraut, ich glaube, der sagt ja.“ Nachdem das nicht geklappt habe, richte sich sein Blick nach vorne: „Jetzt ist Wolfgang Kubicki gewählt. Und jetzt gehen wir nach vorne damit.“

Konsequenz: Helmer Krane legt Amt als Programmkommissionschef nieder

Und dennoch – viele können das Verhalten nicht nachvollziehen, sprechen am Rande des Abends von Illoyalität. Kritik gibt es vor allem daran, dass Krane seinen eigenen Landesverband im Vorfeld nicht informiert hat. Und das hat für Krane nun Konsequenzen: Eigentlich sollte er als Chef der Programmkommission der Liberalen in Schleswig-Holstein federführend das Programm der Partei für die Landtagswahl im kommenden Jahr erarbeiten. Diesen Job ist er nun los. Landesparteichef Christopher Vogt hat als Ersatz den Abgeordneten Heiner Garg vorgeschlagen.

Power aus Schleswig-Holstein soll FDP auf Kurs bringen

„Die Liberalen auf Bundesebene sind vollkommen in schleswig-holsteinischer Macht“, sagt Kubicki. Und in der Tat – der Einfluss der schleswig-holsteinischen Liberalen ist seit dem Wochenende so groß wie nie: Sie stellen mit Wolfgang Kubicki nun den Parteichef, Christopher Vogt – Landes- und Fraktionschef in Kiel – wurde zum Sprecher der Fraktionschefs gewählt und Finn Flebbe aus Kiel ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen.

Wolfgang Kubicki, FDP

Wolfgang Kubicki möchte Bundesvorsitzender der FDP werden und seiner Partei wieder über die Fünf-Prozent-Hürde verhelfen.

Wolfgang Kubicki, neu gewählter Parteivorsitzender der FDP, nimmt den Beifall entgegen.

Auf dem Bundesparteitag in Berlin holte Kubicki knapp 60 Prozent der Stimmen. Auch der Bundesvorstand wurde neu gewählt.

Wolfgang Kubicki

Parteitag beendet

Die FDP wollte bei ihrem Parteitag einen Neustart einleiten, doch sie scheint vor allem mit sich selbst zu ringen. Der neue Parteichef Kubicki stichelt gegen die geschlagene Herausforderin Strack-Zimmermann. Droht eine Spaltung? Von Philipp Eckstein.

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