Was bei Pfandflaschen schon ganz normal ist, soll nun auch auf einer größeren Ebene ausgebaut werden: die Wiederverwertung. Um die sogenannte Kreislaufwirtschaft in Deutschland zu stärken, hat das Kabinett am Mittwoch einen Aktionsplan verabschiedet.
Mit dem Aktionsprogramm sollen Rohstoffe künftig häufiger und schneller recycelt werden. „Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Sie schütze Unternehmen, wenn internationale Lieferketten brüchig würden. Außerdem werde sie einen beträchtlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem „Treibhausgase in der Höhe von 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten“ bis 2030 eingespart werden könnten, wie es im Aktionsplan heißt.
In insgesamt zwölf Punkten formuliert das Umweltministerium eine Mischung aus höheren Ansprüchen, Fördermitteln und Digitalisierung, mit der die Recyclingziele erreicht werden sollen. Vor allem mittelständische Unternehmen sollen mit dem neuen Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“ bei der Wiedergewinnung kritischer Rohstoffe unterstützt werden. Laut Schneider soll die Förderung spätestens im Herbst dieses Jahres fertig ausgestaltet sein.
Im kommenden Jahr sollen rund 260 Millionen Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) bereitgestellt werden. Zwischen 2027 und 2030 sollen weitere Mittel in Höhe von insgesamt 305 Millionen Euro folgen – aus welchem Topf dieses Geld kommt, steht noch nicht fest.
Auch die Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, sollen ihren Teil leisten. Konzerne wie die Deutsche Bahn oder die Autobahn GmbH sollen demnach den Anteil von Recyclingprodukten, wie zum Beispiel Stahl beim Bau von Gleisen, erhöhen. Zu diesem Punkt hatte es Streit zwischen den Koalitionspartnern Union und SPD gegeben. Der Kompromiss verzichtet auf verbindliche Quoten für die Konzerne, die den Anteil jedoch stetig steigern sollen. Im Sommer 2028 will die Bundesregierung evaluieren, ob die Steigerung ausreicht.
Gerade bei Akkus liegt ein großes Potenzial für Recycling. Wer ein kaputtes Smartphone hat, das nicht mehr repariert werden kann, sollte es zu einem Recyclinghof bringen. Auch Umweltverbände wie der Nabu bieten häufig lokale Sammelstellen an. Je nachdem können die Geräte auch dort wieder abgegeben werden, wo sie gekauft wurden: beim Mobilfunkanbieter oder in Elektrofachmärkten. Ähnliches gilt für Akkus von E-Bikes oder E-Rollern, die ebenfalls an kommunalen Sammelstellen abgegeben werden können.
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch, nannte das Programm „unambitioniert“. Es setze kaum neue wirtschaftspolitische Impulse. Grundsätzlich schätzt der BDI das Potenzial der Kreislaufwirtschaft als sehr hoch ein. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hingegen begrüßte die Pläne der Regierung. „Die Prioritätenliste der Bundesregierung enthält wichtige Impulse für die Stärkung der Kreislaufwirtschaft“, sagte der DIHK-Bereichsleiter für Energie, Umwelt und Industrie, Sebastian Bolay. Entscheidend sei jetzt, dass die Maßnahmen schnell und praxisnah umgesetzt würden.
Anstatt etwas wegzuwerfen, nachdem es nicht mehr verwendet wird oder kaputt gegangen ist, setzt die Kreislaufwirtschaft darauf, Gegenstände so lange wie möglich zu verwenden. Das kann bedeuten, dass kaputte Gegenstände repariert werden oder aber Rohstoffe durch Recycling wiedergewonnen werden. So will man Müll reduzieren und Ressourcen schonen.