Blick von Cotta aus auf die Übigauer Elbseite. Hinter dem Hügel soll Dresdens erstes Flusswasserwerk entstehen. Foto: Heiko Weckbrodt
Sachsenenergie, Stadt und Freistaat investieren 300 Millionen Euro in Dresdens 1. Flusswasserwerk
Dresden, 03.06.26. Um den wachsenden Durst der Dresdner Chipindustrie zu stillen, hat Sachsenenergie nun das Bauunternehmen „Hochtief“ beauftragt, ein eigenes Elbwasserwerk im Stadtteil Übigau zu bauen. Die Anlage kostet rund 300 Millionen Euro, davon steuert der Freistaat 100 Millionen und die Stadt Dresden 50 Millionen Euro bei. Das haben Sachsenenergie, der Freistaat, die Landeshauptstadt und „Hochtief“ heute mitgeteilt.
Sachsenenergie-Vorstandvorsitzender Frank Brinkmann. Foto: Sachsenenergie
„Sachsenenergie hat der Halbleiterindustrie das Versprechen für eine stabile Wasserversorgung gegeben.“
Vorstand Frank Brinkmann
„Impulse für weiteres Wachstum“, verspricht sich „Silicon Saxony“-Chef Frank Bösenberg von dieser Infrastruktur-Investition. „Die langfristige Versorgung mit Wasser und Strom ist essenziell für die Halbleiterproduktion“, betont der Geschäftsführer des sächsischen Hochtechnologie-Branchenverbandes. „Die Region hier beweist einmal mehr: Das haben wir im Griff.“
Vergleiche man die vielen versprochenen Mikroelektronik-Projekte für Deutschland mit den tatsächlich realisierten Projekten, dann falle schon auf, dass die fast alle in Dresden zu finden sind, findet auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). „Das hat auch mit verlässlichen Partnern zu tun.“ Gemeint ist damit: Dass Intel seine Fabriken in Magdeburg und Wolfspeed sein Leistungshalbleiter-Werk im Saarland nicht gebaut haben, hatte sicher viele Gründe. Dass aber wiederum TSMC, Infineon und andere Mikroelektronik-Unternehmen ihre Milliardenpläne in Sachsen wirklich umgesetzt haben, hängt auf jeden Fall mit dem etablierten Hightech-Ökosystem, den Fachleuten hier und eben der Sicherheit zusammen, dass im „Silicon Saxony“ Stadt und Land tatsächlich die nötigen Infrastrukturen schaffen, damit Chipproduktion funktionieren kann.
Von links nach rechts: Heinrich Hünting vom sächsischen Wirtschaftsministerium, Silicon-Saxony-Chef Frank Bösenberg, Hagen Schroth von Hochtief, Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann und der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert deuten mit Spaten in den Händen an: Wir packen es an. Das neue Elbwasserwerk entsteht allerdings nicht auf dem Bootssteg, sondern auf der anderen Elbseite. Foto: Heiko Weckbrodt
Versorger trennt Industrie- und Trinkwasserversorgung in Dresden auf
Dafür ist auch das erste Flusswasserwerk der Landeshauptstadt gedacht. Das soll ab Ende 2030 der Elbe in Dresden-Übigau täglich bis zu 67.000 Kubikmeter Wasser entnehmen, der Industrie im Dresdner Norden über ein eigenes Netz zuleiten und davon 80 bis 90 Prozent letztlich 400 Meter stromabwärts wieder der Elbe zuleiten. Die Anlage ist zugleich Herzstück des Sachsenenergie-Planes, die Trinkwasserversorgung für die Dresdner Bürger und die Industriewasserversorgung für die Chipfabriken und andere Industriebetriebe im Dresdner Norden künftig in jeweils eigenen Leitungen zu trennen. Das soll auch mehr Versorgungssicherheit für Industrie wie Bevölkerung garantieren – selbst in Dürresommern. „Selbst bei niedrigen Elbpegeln entnimmt das neue Wasserwerk allenfalls 0,2 Prozent des Elbwassers – und dies auch nur auf einer Strecke von wenigen Hundert Metern“, verspricht Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann.
TSMC-Ansiedlung löst Infrastrukturpaket aus
Auslöser für diese und weitere neue Infrastruktur-Bauprojekte waren und sind mehrere Großinvestitionen der internationalen Halbleiterbranche. So baut der weltweit größte Mikroelektronik-Produzent TSMC gemeinsam mit Partnern in Dresden seine erste europäische Chip-Megafab. Zudem errichtet Infineon derzeit seine vierte Chipfabrik im Dresdner Norden. Sie soll Anfang Juli – und damit drei Monate vorfristig – fertig werden. Auch Globalfoundries baut nun milliardenschwer seine Dresdner Fab aus. Weitere Investitionen von Jenoptik, X-Fab, Sachsenkälte, Air Liquide, Murata und weiteren Hightech-Akteuren wurden entweder kürzlich fertig gestellt oder sind im Gange. All dies treibt den industriellen Wasserbedarf im Dresdner Norden hoch. Und viele Branchenvertreter wie auch Wirtschaftspolitiker sind überzeugt: Die jüngsten Infrastrukturinvestitionen von Stadt, Land und Sachsenenergie sichern nicht nur die aktuellen Bedarfsschübe ab, sondern können auch weitere Ansiedlungen im Dresdner Norden fördern. Dies stärke Europas bedeutendsten Mikroelektronikstandort, betont der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter und betont: „Damit schaffen wir die Grundlage für weiteres strategisches Wachstum, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.“
Zum Infrastruktur-Begleitpaket für Chipansiedlungen gehören milliardenteure öffentliche Investitionen in Wasser, Strom, Straßen, ÖPNV und Fachkräfte
Zum milliardenteuren Infrastruktur- und Begleitpaket, das Dresden und Sachsen den Taiwanesen und anderen Mikroelektronik-Großinvestoren zugesagt haben, gehören neben dem neuen Industriewassernetz und dem Elbwasserwerk auch neue Stromleitungen, Umspannwerke, eine Elektronik-Großberufsschule in Prohlis, eine neue Chip-Azubischmiede, die Reparatur von Stauffenbergallee und Königsbrücker Straße, zusätzliche Busverbindungen und womöglich auch eine Straßenbahn-Verlängerung bis zu den Chipfabriken von Bosch, TSMC & Co. Diese Bauprojekte sind zwar nicht allein für diese Unternehmen gedacht – die Straßenbauten beispielsweise sind längst überfällig -, kommen aber gewissermaßen noch mal „oben drauf“ auf die ohnehin schon hohen direkten Subventionen, die TSMC, Infineon, Globalfoundries und andere Halbleiterriesen für den Auf- und Ausbau ihrer Chipfabriken bekommen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Vor-Ort-Termin, Sachsenenergie, SMWA, LHD, Oiger-Archiv, Hochtief

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