Alles beginnt damit, dass Cäcilie Grzeschik im Dezember 2025 immer mal wieder die Luft wegbleibt: Atemnot begleitet von einem komischen, pfeifenden Geräusch bei jedem beschwerlichen Luftholen. „Wird wohl eine Erkältung sein“, denkt die 88-Jährige zuerst. Doch weder Hausarztbesuchen noch Antibiotika noch verschiedene andere Medikamente helfen. Im Gegenteil: Die Beschwerden werden immer schlimmer.
So schlimm, dass sich Grzeschik schließlich in der Notaufnahme des Krankenhauses Bethanien vorstellt. Es folgen viele Untersuchungen, darunter CT und Bronchoskopie. Als die Ärzte der Klinik für Lungen- & Bronchialheilkunde bei der Moerserin schließlich eine etwa vier Zentimeter große Raumforderung direkt an und in der Luftröhre entdecken, sind bereits rund 90 Prozent der Atemwege verengt.
Äußerst seltener und zugleich schwerer Fall
„Es handelte sich um einen äußerst seltenen und zugleich schweren Fall“, wird Thomas Krbek, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Krankenhaus Bethanien Moers, in einer Mitteilung zitiert. „Die Verengung der Luftröhre war bereits weit fortgeschritten.“
Um die Atemwege dauerhaft zu sichern, entscheidet sich das interdisziplinäre Team zu einem hochkomplexen operativen Eingriff: Oberarzt Aivars Berzins entfernen den vom Tumor befallenen Abschnitt der Luftröhre und nähen die gesunden Enden anschließend wieder zusammen.
„Die besondere Herausforderung bestand darin, die Spannung auf der rekonstruierten Luftröhre möglichst gering zu halten“, erklärt der Operateur. „Deshalb musste der Kopf der Patientin nach der Operation in einer speziellen Schonhaltung fixiert werden, damit die innere Naht komplikationslos verheilen konnte.“
Höchste Anforderungen an das ärztliche und pflegerische Team
An dem Eingriff beteiligt war laut der Stiftung Bethanien auch die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Im Bereich der Operation verlaufen lebenswichtige Strukturen wie die Stimmbandnerven, die keinesfalls verletzt werden dürfen“, erklärt Chefarzt Professor Dirk Bausch. „Auch die Schilddrüse befindet sich unmittelbar vor der Luftröhre. Diese habe ich unter Schonung der genannten Strukturen freigelegt.“
Auch die anästhesiologische Betreuung habe höchste Anforderungen an das ärztliche und pflegerische Team gestellt, heißt es. „Bei Eingriffen an der Luftröhre befindet man sich genau in dem Bereich, über den normalerweise die Beatmung erfolgt“, sagt Sebastian Daehnke, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie uns operative Intensivmedizin. „Die Sicherstellung der Sauerstoffversorgung während der Operation erforderte deshalb höchste Präzision und Erfahrung. Dass der Eingriff so reibungslos verlaufen ist, war eine herausragende Teamleistung.“
Überwachung auf der Intensivstation
Nach der Operation wird Cäcilie Grzeschik zunächst auf der Intensivstation überwacht. Bereits wenige Tage später folgt die Verlegung auf die Normalstation. „Heute kann ich wieder gut atmen“, sagt die 88-Jährige erleichtert. „Ich bin zwar noch etwas geschwächt, aber ich bin sehr froh, dass alles so gut verlaufen ist. Die Ärztinnen sowie Ärzte und Pflegekräfte haben sich hervorragend um mich gekümmert.“
„Bereits vor der Operation haben wir Frau Grzeschik offen erklärt, dass es sich um einen schweren und hochkomplexen Eingriff handelt“, sagt Uldis Kopeika, Oberarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. „Gleichzeitig konnten wir ihr aber auch die Sicherheit geben, dass sie bei uns in erfahrenen Händen ist und wir alles daransetzen werden, dass sie wieder gesund wird. Genauso ist es eingetreten – darüber freuen wir uns gemeinsam mit der Patientin sehr.“