Literatur und Magie standen im Mittelpunkt einer unterhaltsamen Lesung, die mit interaktiven Zauberkunststücken kombiniert war.
Die bodentiefen Fenster der heimeligen Kulturschmiede gaben den Blick ins frische Grün frei, die großen Blüten der Kletterhortensien wiegten sich im Abendwind, und mehrfach mischte sich Glockengeläut in die Worte des Zauberers Hans Dillenberg und der Schauspielerin und Vorleserin Ursula Wüsthoff.
Hausherr Jens Clausen freute sich sichtlich über das „volle Haus“, umschrieb die heimelige Atmosphäre in der Kulturschmiede mit der „bescheidenen aber gut gefüllten Hütte“.
Mit Charme und gespielter Bescheidenheit bat er am Ende um eine Spende: „Die Veranstaltungen in diesem Haus sind nicht geeignet, Eintrittspreise zu verlangen“, konstatierte er. „Ihre Entscheidung findet sich am Ende in der silbernen Box wieder“, erläutert er augenzwinkernd, bevor er das Wort an den Magier Hans Dillenberg übergab.
Der betrat in klassisch-lässiger Garderobe den Raum, hatte Jeans zu Weste und Jackett kombiniert und betätigte sich zunächst als „Major Domo“, der die Einrichtung auf Vollständigkeit überprüft und mit dem Anzünden eleganter Stabkerzen für das passende Ambiente zu sorgen hat. Auffallend war der Umstand, dass die feine lange Kerze sich nach dem Anzünden weiterer Kerzen in ein weißes Tuch verwandelte. Rhythmische Sphärenklänge begleiteten die Handgriffe, die notwendig waren, um die aus einem Buch heraus züngelnden Flammen zu löschen. Schließlich holte das jähe Abschalten der Klänge die Gäste in die Wirklichkeit der Kulturveranstaltung.
Der Magier
deckt den Tisch
Der Magier bereitete den mit einer Rose und Leselampe dekorierten Tisch, an dem die Schauspielerin Ursula Wüsthoff aus den Werken des brasilianischen Autors Paulo Coelho las, vor. „Ich habe mich durch das gesamte literarische Werk gearbeitet, um für den heutigen Abend die passenden Geschichten herauszusuchen“, erklärte sie, nachdem sie einführende Worte zum literarischen Werk und zu biografischen und literarischen Meilensteinen des brasilianischen Schriftstellers skizzierte.
Gemeinsam hatten der Magier und die Vorleserin ein Konzept entwickelt, bei dem die vorgetragenen Passagen – Romanausschnitte, Märchen, Kurzprosa – mit den Zauberkunststücken korrespondierten, sodass sich ein ‚roter Faden‘ durch den Abend zog, der auch die Gäste in das Design der Veranstaltung einbezog.
Ursula Wüsthoff fragte in gespielter Oberlehrermanier, wer denn bereits Werke des brasilianischen Schriftstellers gelesen habe. „Der Alchimist“ sei der Roman gewesen, mit dem Paulo Coelho weltbekannt geworden sei. 225 Millionen Bücher habe er verkauft, und die liebevolle „Drohung“, sich nach dem literarischen Abend mit seiner Literatur beschäftigen zu wollen, dürfte sich bewahrheiten. Mit rauchig-verschwörerischem Bass beschwor die Schauspielerin in Gestalt der Schlange Eva im Paradies, doch von dem Apfel zu kosten, um noch schöner zu werden. Das Spiel mit der Eitelkeit trieb Paulo Coelho in seiner Geschichte „Eva und die Eifersucht“ skurril auf die Spitze.
Zauberei mit einer glänzenden Menage voller Obst war das passende Zauberstück, bei dem Magier Hans Dillenberg zunächst aus einem 20-Euro-Schein, den ein Gast spendiert hatte, einen Fetzen herausriss, bevor sich der Geldschein im Kerngehäuse eines unter den Augen des Publikums zerschnittenen Apfels wiederfand. „Ich bin fasziniert und habe nie verstanden, wie dieser Trick funktioniert“, war auch Ursula Wüsthoff an ihrem Lesetisch fasziniert.
Gänsehautfähig war ihre Interpretation des Coelho-Märchens von der Liebe zwischen einer jungen Wolke und einer ebenfalls jungen Düne in der Wüste. Zuvor hatte Hans Dillenberg das Publikum mit einem interaktiven Kunststück verblüfft: Anhand einer durch die Gäste scheinbar willkürlich ermittelten Zahlenkombination galt es für den Magier, die ersten Zeilen der entsprechenden Seite in der Coelho-Biografie vorzutragen, während das Buch durch die Reihen der Gäste wanderte.