
AUDIO: Erstmals Hamburgerin in der Jury des Max-und-Moritz-Preises (3 Min)
Stand: 04.06.2026 16:26 Uhr
Catherine Bazabas ist die eine Hamburgerin in der Jury des Max-und-Moritz-Preises, einer Art „Comic-Oscar“. Er wird am Freitag in Erlangen beim bedeutendsten Treffen der deutschen Comicszene, dem 22. Internationalen Comic-Salon, verliehen.
Catherine Bazabas ist Betreiberin des Comicladens „Petit Kami“ in Hamburg Ottensen. Ende letzten Jahres hat sie die Nachricht bekommen, dass sie Nachfolgerin eines der wohl wichtigsten deutschen Comic-Journalisten, Andreas C. Knigge, in der Jury des wichtigsten deutschen Comic-Preises werden kann.
„Es ist unglaublich, als ich die Mail bekommen habe, habe ich sie zweimal gelesen, weil ich gedacht habe, das kann nicht sein“, freute sich die gebürtige Französin. „Ich habe auch mit Andreas gesprochen. Wir haben uns ausgetauscht und ich glaube, er freut sich, dass ich für ihn weitermache. Es ist so toll. Ich bin überwältigt.“
„Kleine Gottheiten“ zwischen Gemüseladen und Supermarkt

Auf diesem Sofa im Laden von Catherine Bazabas können es sich Comic-Fans bequem machen.
Bazabas steht vor ihrem Comicladen in Hamburg-Ottensen und lächelt in die Mittagssonne. Seit August 2024 heben sich die Eingangstür und das Schaufenster wie ein bunter Vogel in der Häuserzeile ab, eingekeilt zwischen Gemüsegeschäft und einem Supermarkt.
„Petit Kami“ steht darüber – was ungefähr „Kleine Gottheiten“ bedeutet. Die Bushaltestelle vor der Tür bringt pulsierende Geschäftigkeit. Menschen schlendern oder eilen vorbei.
Einige bleiben stehen und betrachten das Schaufenster, das selbst wie eine Comicseite dekoriert ist: viele Titelbilder und immer wieder kleine Überraschungen. „Ich wollte einen Raum schaffen, wo die Leute sich sofort, wenn sie reinkommen, wohlfühlen. Und sie wollen nicht mehr raus. Ich habe dieses Sofa da in der Ecke. Da kann man sich hinsetzen, stundenlang, und das stört mich auch gar nicht. Das ist so: Ich lade dich in meinen Salon ein, und da ist meine Bibliothek: Hol dir was Schönes!“
Zwischen Comic-Liebe und Naturleidenschaft
Geboren und aufgewachsen ist Catherine Bazabas am Ärmelkanal in der Normandie, genauer in Cherbourg. Ihre Eltern kommen aus Martinique. Als Kind war sie viel draußen unterwegs – ein wildes Kind, wie sie selbst sagt. „Es war witzig. Wir waren die erste schwarze Familie in diesem Dorf. Aber wir wurden sehr gut angenommen. Es war ganz toll. Ich habe keine schlechte Erinnerung, im Gegenteil. Es war wirklich ganz toll und ich gehe immer sehr gerne zurück.“
Allein schon, weil es dort einen Comic-Laden gab, der später der Auslöser für die Idee in Hamburg sein sollte. Auch wenn die Liebe zu Comics in der Jugend groß war, die Leidenschaft für die Natur und das Meer war größer und so wehte ein Biologiestudium sie erst nach Süddeutschland und später nach Hamburg.

Die Wismarer Illustratorin Sarah Hübner ist für den Max-und-Moritz-Preis nominiert – eine große Chance für die 28-Jährige.
Nach Verlagspraktikum bleibt sie der Branche treu

Ein Praktikum beim Verlag entfachte bei Catherine Bazabas die Faszination für Comics.
„Ich war gerade fertig mit meinem Diplom und war auf Arbeitssuche. Da habe ich gesagt: Bevor ich in der Biologie-Branche lande, möchte ich gerne ein Praktikum im Verlag machen, weil es mich immer interessiert und fasziniert hat.“ Nach zahlreichen Bewerbungen fängt sie beim Carlsen Verlag in Hamburg an – es ist die Zeit, als der Manga „Dragon Ball“ zur Jahrtausendwende boomt. Auch darf sie einen Band der Reihe „Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit“ aus dem Französischen übersetzen.
„Das war wie ein Traum. Da habe ich gesagt: Da will ich nicht mehr weg.“ So blieb sie der Branche bis heute treu. Die Qualität der aktuellen Graphic Novels und Comics spielt ihr als Neu-Jury-Mitglied beim Comic-Salon in Erlangen in die Hände, so dass sie mit ihrer hanseatischen-karibischen Lebensfreude weiter in die Zukunft blinzeln kann. „Ich finde, das wird immer besser und ich mache mir wirklich gar keine Sorgen. Die nächste Generation ist so talentiert. Es werden wirklich tolle, schöne Sachen kommen. Ich freue mich schon darauf.“
Der 22. Internationale Comic-Salon in Erlangen 2026 geht noch bis Sonntag, 7. Juni.

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